Twitter als Synonym für Microblogging-Dienste

Der Name Twitter hat sich als Synonym für Mikroblogging-Dienste durchgesetzt, genauso wie Tempo für Papiertaschentücher oder Google für Suchmaschinen. Kurze Nachrichten aus etwa 140 Zeichen werden mit Hilfe dieser Dienste geschrieben. Im Gegensatz zur SMS werden sie aber nicht an einen bestimmten Empfänger geschickt, sondern sind Bestandteil eines Nachrichten-Feeds, den alle Interessierten abonnieren können - Bloggen im Kleinstformat. Genutzt werden die Dienste sowohl als schneller Informationsdienst als auch zum Austausch mit realen Freunden oder virtuellen Bekanntschaften.

Der Hauptvorteil des Austauschs über Twitter & Co liegt in der Geschwindigkeit, in der Informationen übermittelt werden können. Die kurzen Nachrichten können mit dem Handy oder mit dem Computer verschickt und empfangen werden.

Laptop

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Mikroblogging-Dienste

Eine Zeit lang gab es zahlreiche Mikroblogging-Dienste, in Deutschland hat sich jedoch nur Twitter richtig durchgesetzt. Einen ähnlichen Service bieten auch Statusmeldungen bei Sozialen Netzwerken.

Jaiku

Der finnische Dienst Jaiku ging im Februar 2006 online und war der größte Konkurrent von Twitter. Im Oktober 2007 wurde Jaiku von Google übernommen, die den Dienst am 15. Januar 2012 jedoch eingestellt haben und nur noch auf Google+ setzen.

Twitter

Der größte Dienst Twitter wurde 2006 gegründet, das US-amerikanische Unternehmen hat seinen Sitz in San Francisco.

Identi.ca

Identi.ca existiert seit Juli 2008 und wird von einem kanadischen Unternehmen betrieben. Dieser Dienst basiert auf der Open-Source-Software Status.Net.

Faszination Mikroblogging

„Wer braucht den Blödsinn?“ oder „Wen interessiert es, wann ich ins Büro gehe?“— Es ist schwer die Faszination des Mikrobloggings zu beschreiben. Natürlich sind die Inhalte oft trivial, es stimmt, dass nicht jeder alles wissen muss und logischerweise ist ein Forum für längere Diskussionen besser geeignet. Dies ist alles richtig, dennoch treffen diese Einwände nicht die unterschiedlichen, faszinierenden Aspekte des Phänomens Mikroblogging.

Das Gefühl, live am Geschehen zu sein, ist bei keinem anderen Internetdienst in dieser Form vorhanden. Die Möglichkeit, beispielsweise direkt während einer Veranstaltung Tweets anderer Teilnehmer zu folgen, eröffnet völlig neue Möglichkeiten des schnellen und direkten Austausches von Informationen und bildet so eine neue Art der Kommunikation.

Einerseits sind die scheinbar unwichtigen Beiträge, die sich mit Alltäglichem beschäftigen („Ich koch Kaffee“, „Hier regnet es gerade und ich will Feierabend machen“) sinnlos, andererseits besteht so die Möglichkeit, andere am eigenen Tagesablauf zu beteiligen und schnell und unkompliziert zu erfahren, was andere gerade beschäftigt. Das aktuelle Live-Erlebnis benötigt keine qualitative Bewertung, es steht für sich.

Der Austausch von Hinweisen und Links von realen Menschen mit ähnlichen Interessen hat eine andere Qualität als das Anklicken eines Links in einer Liste von Suchergebnissen. Ich kann darauf vertrauen, dass Leute, denen ich in Mikroblogging-Diensten aufgrund ähnlicher Interessen folge, für mich relevante Informationen zur Verfügung stellen. So gesehen sind Mikroblogging-Dienste mehr als nur eine zusätzliche Informationsquelle, sie bieten die Möglichkeit Informationen aus 'sozialen Quellen' zu bündeln.

Ob und wie die Möglichkeiten des Mikrobloggings erschlossen werden, hängt natürlich stark von den persönlichen Vorlieben ab. Für Viele sind Twitter & Co mittlerweile unverzichtbar, für Andere ist der Hype nicht nachzuvollziehen.

Twitter in der Schule

Ob und wie sich Twitter in der Schule nutzen lässt, wird von Lehrerinnen und Lehrern kontrovers diskutiert und von manchen einfach ausprobiert. Um zu zeigen, in welche Richtung die Diskussion geht, hier ein paar Zitate aus einem Blogbeitrag und dazugehörige Kommentare:

„Als Deutschlehrer werde ich demnächst mal probieren, Twitter für Lektüretagebücher zu nutzen. Der Vorteil: ich habe in kleinen Häppchen und aktuell die Gedanken der Schüler zum Text und kann sie z.B. schon in die Unterrichtsplanung einbeziehen.“

„Stellt euch vor, der 'Unterricht' - besser das Lernen - findet draußen statt, an verschiedenen Orten, die erforscht werden. Was ist besser als Twitter, um eine Lerngruppe kommunikativ zusammenzuhalten incl. Der ‚Lehrer‘ - jetzt Projektleiter?“

„Als Kommunikationstool setzen die Schüler ungern Medien ein, an denen der Lehrer auch teilhat, es braucht hier noch einen langen Weg, um zu dieser Kultur der offenen Kommunikation zu gelangen.“

„Ulkig finde ich, dass dieselben Menschen (Lehrer) für sich selbst Blogs, Wikis und Twitter fleißig nutzen, aber skeptisch sind, ob sie auch ihren Schülern was nutzen können.“

„Doch wenn ich dann meinen Schülern Twitter (oder Del.icio.us) aufzwinge, indem ich sage, dass wir das nun dringend für den Unterricht nutzen müssen, dann widerspricht das auch meinen Erfahrungen mit dem Web 2.0, wo mich eben niemand genötigt hat, dieses oder jenes auszuprobieren und es mit meinen alltäglichen Verhaltensweisen in Einklang zu bringen.“

Henriette Carle und Michael Schaller

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