Die neue Kultur des Teilens

Was den Umgang mit geistigem Eigentum betrifft, also mit immateriellen Gütern wie Musik, Software, Bildern, Filmen oder Texten, gibt es in den letzten Jahren zwei gegensätzliche Entwicklungen. Der gemeinsame Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass es die Digitalisierung von Medien ermöglicht, Kopien anzufertigen, die sich vom Original nicht mehr unterscheiden. Das kann je nach Standpunkt ein Vorteil oder ein Nachteil sein: Wer mit der Produktion oder Vermarktung von Musik oder Computerprogrammen Geld verdient, dem kann durch illegales Filesharing ein lukratives Geschäft entgehen. Wer anderen jedoch etwas weitergeben möchte, kann das nun tun ohne selbst darauf verzichten zu müssen.

Ausgehend von der Open-Source-Bewegung ist so mit dem Internet ein anderer Umgang mit dem Urheberrecht und eine neue Kultur des Teilens entstanden. Die Erfolgsgeschichte der freien Enzyklopädie Wikipedia als prominentestes Beispiel zeigt eindrücklich, welches Potential in gemeinschaftlich erstellten veränderbaren Wissensbeständen liegt. Die Bedeutung von Open-Source und Open-Content zeigt sich besonders vor dem Hintergrund eines immer restriktiver gehandhabten Urheberrechts, der Diskussion um Patentrechte und der zunehmenden Kommerzialisierung von Informationen.
 
Von der Open-Content-Bewegung können auch Pädagoginnen und Pädagogen profitieren, die bei ihrer Arbeit schnell an die engen Grenzen des Urheberrechts stoßen oder sich in einem urheberrechtlichen Graubereich befinden. Besonders bei der aktiven Medienarbeit ist es ein unschätzbarer Vorteil, auf den riesigen Pool an freien Bildern oder freier Musik zurückgreifen zu können, der mittlerweile im Internet zur Verfügung steht.

Open

GettyImages/Gwengoat

Was ist Open Content?

Mit dem Begriff Open-Content werden Inhalte wie Texte, Töne, Bilder oder Filme bezeichnet, deren Verwendung und Verbreitung ausdrücklich erwünscht ist. In Anlehnung an Lizenzmodelle von Open-Source-Software wurden Open-Content-Lizenzen entwickelt, die in erster Linie durch umfassende Einräumung von Nutzungsrechten gekennzeichnet sind.

Inhalte, die als Open-Content lizenziert sind, dürfen kopiert, verbreitet und je nach Lizenz auch verändert und weiterentwickelt werden, wenn auf den Urheber oder die Urheberin hingewiesen wird.

Open-Content-Lizenzen

Musik, Texte, Filme oder Bilder, die einer Open-Content-Lizenz unterliegen, dürfen frei verbreitet, kopiert und öffentlich aufgeführt werden. Je nach Lizenz dürfen diese Werke auch verändert, weiterentwickelt und sogar verkauft werden.

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Open-Content-Lizenzen, wobei die Creative Commons License am weitesten verbreitet ist. Außerdem hat noch die GNU Free Documentation License eine Bedeutung, die ursprünglich für Handbücher zu Open-Source-Software entwickelt wurde. Auch die Wikipedia stand unter dieser Lizenz, hat inzwischen aber zur Creative-Commons-Lizenz gewechselt.

Die Creative-Commons-Lizenz wurde 2001 im Rahmen einer Initiative entwickelt, die der US-amerikanische Juraprofessor Lawrence Lessig entscheidend mitgeprägt hat. Dem üblichen „All rights reserved“ wird ein „Some rights reserved“ gegenüber gestellt. Nach dem Baukastenprinzip können die Autorinnen und Autoren bei der Lizenzierung entscheiden, wie ihre Texte genutzt werden können: Ob eine kommerzielle Nutzung erlaubt oder verboten ist und ob das Werk verändert werden darf.

Schwierigkeiten der Lizenzvielfalt

Nachteil dieser Lizenzvielfalt ist die Schwierigkeit, unterschiedlich lizenziertes Material miteinander zu kombinieren. Die komplizierte rechtliche Lage steht dem Ursprungsgedanken des freien Austauschs von Wissen entgegen, der durch „Lizenzinkompatibilitäten“ wieder behindert werden kann. So kann zum Beispiel Material, dessen Creative-Commons-Lizenz eine kommerzielle Nutzung ausschließt, nicht im Rahmen der Wikipedia verwendet werden.

Copyleft

Als Copyleft bezeichnet man ein Verfahren, dass freie Software und freie Inhalte schützen und frei erhalten soll. Computerprogramme, Texte, Musik oder Bilder dürfen kopiert, verteilt und verändert werden, wenn die veränderten Werke unter gleichen Bedingungen weitergegeben werden. Dieses Verfahren ist zum Beispiel Bestandteil der Gnu General Public License (GPL) und derjenigen Creative-Commons-Lizenzen, die den Zusatz „share alike“ bzw. „Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ enthalten.

Selbst Inhalte als Open-Content anbieten

Wer selbst Inhalte als Open-Content zur Verfügung stellen möchte, dem bieten die Creative-Commons-Lizenzen eine sehr komfortable Möglichkeit. Mit wenigen Klicks kann man sich ein Lizenzmodell auswählen, auf das dann einfach verwiesen wird. Die Creative-Commons-License ist auch für juristische Laien gut verständlich, wurde in viele Sprachen übersetzt und der jeweiligen Rechtsprechung angepasst.

Bei der Lizenzwahl sollte jedoch bedacht werden, welche Konsequenzen ein Verbot kommerzieller Nutzung hat und ob die Weitergabe unter gleichen Bedingungen („share alike“) nicht ausreicht.

Freie Inhalte finden

Es gibt freie Filme, CDs mit freier Musik, freie Bücher, Fotos, Software oder Notenblätter. Wir geben Ihnen Tipps, wo Sie gezielt nach Inhalten suchen können, die als Open-Content lizenziert wurden oder bei denen das Copyright bereits erloschen ist. Die Liste finden Sie hier.

„Wenn du einen Apfel hast, und ich habe auch einen Apfel und wir tauschen diese Äpfel aus, dann haben wir immer noch jeder einen Apfel. Aber wenn wir beide eine Idee haben und tauschen sie aus, dann hat jeder von uns zwei Ideen.“ (George Bernhard Shaw)

Allgemeine Links

Creative Commons

Die deutschsprachige Website der Creative-Commons-Initiative.

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Wikiversity

Online-Projekt des Wikimedia-Vereins für Lehrende und Lerndende in Schule und Hochschule zum Austausch, für gemeinsame Projekte und die Entwicklung von freien Lern- und Lehrmaterialien.

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CC your EDU

Ein Blog, der allen in der Bildung tätigen Personen Creative Commons nahebringen möchte.

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Digitale Lehrmittelfreiheit

Blog zur Kampagne für „Digitale Lehrmittelfreiheit“ des Vereins D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt e.V.

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Posten, Liken, Teilen – aber sicher! (Teil 1)

Tipps zum Urheberrecht in Sozialen Medien von den Rechtsanwälten Henning Krieg und Thorsten Feldmann (Produktion des WDR).

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Posten, Liken, Teilen – aber sicher! (Teil 2)

Tipps zu Fotos und Bildrechten in Sozialen Medien von den Rechtsanwälten Henning Krieg und Thorsten Feldmann (Produktion des WDR).

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Posten, Liken, Teilen – aber sicher! (Teil 3)

Impressum, Abmahnung, Äußerungen in Sozialen Medien von den Rechtsanwälten Henning Krieg und Thorsten Feldmann (Produktion des WDR).

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Henriette Carle und Michael Schaller

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