Die Kamera

Wer ein Video drehen möchte, braucht nicht nur einen Plan für seinen Film, sondern auch die entsprechende Ausrüstung. Hier geht es nicht nur um einige Punkte, die Sie beim Kauf oder bei der Ausleihe einer Video-Kamera beachten sollten, sondern Sie erfahren auch einiges über die Arbeitsweise Ihres Geräts und seiner Zubehörteile.

Bis vor wenigen Jahren existierten im Prinzip drei Kameraklassen: Die Camcorder-Klasse, die Klasse der (professionellen) Schulterkameras und die Klasse der digitalen Kinokameras. Durch den fortwährenden technischen Wandel zählen nun unter anderem auch videofähige Spiegelreflexkameras, System-Digitalkameras, Bridge-Kameras, Action-Kameras, aber auch Pocket / Traveller-Kameras und das Smartphone zur Sparte der Video-Kameras.

HDV (1280 x 720 oder 1440 x 1080 Bildpunkte) beherrschen mittlerweile verhältnismäßig günstige Kameras, wogegen höherwertige Modelle mit FullHD bis hin zu 1920 x 1080 Pixeln aufwarten können. Im Bereich der digitalen Kinoproduktion  sind sogar Bildauflösungen von 4900 x 2580 Sensorpunkten möglich.

Auf eine Beschreibung professioneller Schulterkameras oder digitaler Kinokameras mit Preisen bis etwa 50.000 Euro verzichten wir an dieser Stelle, da diese in der Regel das Budget pädagogischer Einrichtungen bei Weitem übersteigen.

Handykameras

Selbst Smartphones verfügen inzwischen über Bildstabilisatoren und bieten die Möglichkeit zu HD-fähigem Videofilmen. Jedoch haben diese HD-Videos aufgrund der kleinen Blende Schwächen in puncto Tiefenschärfe. Um trotzdem Bilder oder Videos mit geringer Tiefenschärfe zu erstellen, existieren sogenannte DoF (Depth-Of-Field) Calculator-Apps.

Wenn Sie nur eine solche Kamera für Ihr Projekt zur Hand haben, sollten Sie sich unbedingt ein passendes (dreibeiniges) Stativ für Ihren Dreh besorgen.

Die klaren Grenzen zwischen Profi und Semi-Profi beziehungsweise Hobbyfilmer verschwinden immer mehr. Mittlerweile greifen sogar eingefleischte Kameraprofis auf die kostengünstigen und leichten Spiegelreflexkameras japanischen oder amerikanischen Ursprungs zurück. In Verbindung mit dem Videosystem DV beziehungsweise DVCAM und dem richtigen Licht lassen sich hiermit Ergebnisse erzielen, die schon sehr nah an die oben erwähnten Schulterexemplare für 50.000 Euro heran reichen. Solche Kameras sind im Übrigen auch zunehmend fürs Fernsehen im Bereich Dokumentation, Reportage und aktuelle Berichterstattung im Einsatz.

GoPro

Eine weitere kostengünstige Alternative, um in der pädagogischen Praxis Videos zu erstellen, bietet unter anderem die Action-Kamera „GoPro“. In unterschiedlichen Editionen (u.a. Outdoor, Motorsports, Surf, Silver, Black usw.) hat man als Nutzer dieser wasserdichten und stoßsicheren Kamera die Möglichkeit, professionelle Aufnahmen (Full-HD-Auflösung / 30 fps) aus der Ego-Perspektive zu filmen. Gerade wegen ihrer bescheidenen Größe (Maße der GoPro Hd2: 60 x 42 x 30 cm) und ihrem geringen Gewicht (GoPro Hd2: 99g; GoPro Hd3: 75g) findet sie in verschiedensten aktionsreichen Situationen (u.a. Einsatz am Auto, am Helm, am Flugzeug, usw.) Verwendung. Mit nur zwei Tasten kann man die Kamera betätigen und über einen kleinen Bildschirm auf der Kamerarückseite steuern. Mittlerweile gibt es sogar Apps für das Smartphone, die eine Navigation der GoPro ermöglicht.

Ein-Chip und Drei-Chip-Kameras

Die Bildaufnahme beziehungsweise die Wandlung des Bildes in digitale Daten übernehmen sogenannte CCD-Chips (Charged Coupled Device). Im Bereich der Kameraausstattung unterscheidet man zwischen Ein-Chip- und Drei-Chip-Kameras (3CCD Kamera). Bei der 3CCD-Variante kommt für jede Farbe (Rot-Grün-Blau, RGB) ein separater Chip zur Signalverarbeitung zum Einsatz. Mit solchen Kameras lassen sich deutlich bessere Ergebnisse erzielen als mit Ein-Chip-Varianten, bei denen sich die drei Farbsignale einen Bildchip teilen müssen. Ein Beispiel für diese Variante sind DV-Camcorder (Camcorder, die beim Speichern das DV-Format verwenden und analoge Kameragenerationen ablösten) der unteren Preisklasse.

Chipgröße

Auch die Größe der verwendeten Bildchips spielt eine große Rolle hinsichtlich der erzielbaren Bildqualität. Achten Sie beim Kauf oder bei der Ausleihe einer Kamera darauf, dass die (drei) Bildchips der Kamera die Größe von ¼-Zoll nicht unterschreiten. Schon sehr gute Ergebnisse liefern ⅓-Zoll- und ½-Zoll-Bildchips. Zum Vergleich: Professionelle Broadcastkameras verfügen über ⅔-Zoll-CCD-Bildchips oder sind mit CMOS-Sensoren ausgestattet, die neuerdings auch lichtempfindlicher sind.

SteadyShot

Die SteadyShot-Funktion in Videokameras dient der Bildstabilisierung, das heißt, sie „entwackelt“ die Aufzeichnungen. Bei dieser Funktion werden Bereiche auf den Bildchips für die Bildaufzeichnung „gesperrt“ beziehungsweise für das „Entwackeln“ reserviert. Die Benutzung dieser Funktion hat also (allerdings geringe) Einbußen in der Bildqualität zur Folge. Wenn es die Situation und die Ausrüstung (Stativ) erlauben, verzichten Sie auf die Funktion, also deaktivieren Sie sie im Kameramenü. Beachten Sie bitte, dass bei den meisten Kameras der SteadyShot als Standard aktiviert ist und Sie ihn deaktivieren müssen.

16:9-Modus

Der bisherige Fernsehstandard war 4:3. Das entspricht einer Auflösung von 720x576 Bildpunkten. Im Laufe des letzten Jahrzehnts setzte sich jedoch zunehmend das Breitbildformat 16:9 durch. Dies entspricht mindestens 960x576 Bildpunkten. Viele Videokameras bieten einen 16:9-Modus an, obwohl die in ihnen verwendeten Bildchips Aufzeichnungen eines echten 16:9-Formates gar nicht erlauben. Dabei wird das 4:3-Bild einfach oben und unten mit schwarzen Balken besetzt. Das Ergebnis erscheint auf einem 4:3-Fernsehgerät authentisch und auf einem 16:9 Gerät zu klein. Bei diesem Prinzip spricht man vom Letterbox-Verfahren. Dessen Pixelverhältnis entspricht 720x432 Bildpunkten.

Manche16:9-Fernsehgeräte vergrößern ein Letterbox-Bild automatisch auf die komplette Bildschirmgröße. Das hat eine Unschärfe des Bildes zur Folge. Wenn Sie unbedingt einen 16:9-Look mit Ihrer 4:3-Kamera erzielen wollen, dann kleben Sie sich Ihr Display entsprechend oben und unten ab (z.B. mit Gaffer-Band). Schneiden Sie sich zu diesem Zweck unbedingt Papierstreifen zurecht, die Sie dort am Klebeband anbringen, wo es direkt mit dem Display in Kontakt kommt, sonst könnte das Display Schaden nehmen.

Ältere Camcorder erlauben auch das Einblenden sogenannter 16:9-Guidelines. Das sind Hilfslinien, die während des Drehs helfen sollen, das Letterbox-Format einzuhalten. Treffen Sie einen Kompromiss zwischen 4:3 und Letterbox. Dann können Sie sich immer noch während des Schnitts für ein Format entscheiden, denn schwarze Balken können Sie auch dort noch hinzufügen. Schwarze Balken von der Kamera beziehungsweise einer Kamera-Letterbox können Sie aber nicht mehr rückgängig machen!

Objektive

Früher bildeten im Semiprofessionellen und Hobby-Bereich unter anderem nur die Canon XL1s, XL2 und die JVC GY-DV5000/500 die Möglichkeit, echte Wechselobjektive beziehungsweise Objektive im eigentlichen Sinne zu nutzen. Für andere Camcordermodelle musste für diesen Zweck auf Zusatzobjektive zurückgegriffen werden. Diese werden auf die bestehenden fest eingebauten Optiken aufgeschraubt. Um mit einem kostengünstigen Camcorder den sogenannten 35mm-Kino-Filmlook zu erreichen, benötigte es erheblich mehr (Kosten-)Aufwand. Durch den Siegeszug der Digitalen Spiegelreflexkameras besteht jedoch mittlerweile die Möglichkeit, mit einer Spiegelreflexkamera mittlerer Preisklasse HD-fähige Filme zu drehen.

Sucher, Display und Monitor

Ob ein Sucher nun schwarz-weiss sein sollte oder farbig, daran scheiden sich die Geister. Im Endeffekt muss man seine eigenen Erfahrungen machen und für sich entscheiden, mit was man sich leichter tut und die besseren Ergebnisse erzielt. Zur letzten Bildkontrolle sollte auf alle Fälle der Kamerasucher und nicht das Display verwendet werden. Oftmals stimmt nämlich der Bildausschnitt am Display nicht mit dem auf dem Fernsehgerät oder Monitor überein. Am besten ist es, wenn Sie am Set einen kleinen Kontrollmonitor (z.B. mit Akkubetrieb) haben, der über eine Underscan-Funktion verfügt. Mit dieser Funktion lässt sich das tatsächlich erfasste Bildsignal komplett wiedergeben.

Kamera, Licht

GettyImages/lapandr

Stative und Zubehör

Eine Kamera allein macht noch keinen Videofilm. Damit die Aufnahmen gelingen und der Dreh reibungslos vonstatten geht, sind verschiedene Accessoires hilfreich und manchmal schlicht unverzichtbar. Wir nennen hier die Wichtigsten.

Stative

Es existieren unterschiedliche Hilfsmittel zur Stabilisierung bzw. ruckelfreien Video-Aufzeichnung. Stative sind vor allem beim Filmen mit großen Brennweiten (hohe Fokuseinstellungen) ein Muss. Da sich bei solchen Aufnahmen jede minimale Handbewegung gravierend auf die Aufnahme (verwackelte Bilder) auswirken kann.

Dreibeiniges Stativ

Zur Grundausrüstung beim Videodreh gehört das Dreibeinige Stativ. Dieses ist im Idealfall stabil, leicht, flink auf- und abbaubar wie auch schnell und effizient im Gesamthandling. Zum Gesamthandling gehört beispielsweise eine schnelle Verbindung von Kamera und Stativ, ein nicht zu kurzer Schwenkarm, ein vertikaler Schwenkradius von 360°, die Möglichkeit, das Stativ auch auf sehr geringer Stativhöhe gut einsetzen zu können und vertikale sowie horizontale Arretierungen mit denen sich gute Schwenkergebnisse erzielen lassen. Als Arretierung wird an Stativen die Möglichkeit bezeichnet, die dem Kameramann oder der Kamerafrau beim Schwenken mehr Druckwiderstand beziehungsweise Grip bietet. Für „Dreibeiner“ sind zudem Adapter-„Spinnen“ mit Rollen erhältlich. Sie können unter Umständen Kamerafahrten auf ebenem Untergrund erleichtern.

Einbeiniges Stativ

Hilfreich kann auch ein einbeiniges Stativ sein. Vor allem wenn es schnell gehen muss und die Zeit ein dreibeiniges Stativ aufzubauen und einzurichten zu kurz erscheint, haben „Einbeiner“ bei der Videoproduktion die Nase vorn. Bei der Produktion aktueller Fernsehberichterstattung kommen diese Stative beispielsweise zum Einsatz.

Schulterstützen

Sofern Sie nicht stolzer Besitzer einer großen Schulterkamera sind, kann eine Schulterstütze ebenfalls zur Grundausstattung ambitionierter Videofilmer gehören. Ein Schulterstativ unterstützt - wie alle anderen Kamerastative auch - die Aufzeichnung ruckelfreier Videobilder.

Saugstative

Saugstative werden benötigt, um Kameras an glatten Oberflächen (meist Autofenster oder -türen) zu befestigen. Wenn Sie also für Ihren nächsten Actionstreifen wilde Auto-Verfolgungsjagden mit spektakulären Kameraeinstellungen planen, planen sie Saugstative ebenfalls gleich mit ein.

Steadybag

Der Steadybag ist ein Sack gefüllt mit Reis oder Sand auf dem eine Kamera platziert werden kann. Durch die Formbarkeit der Unterlage ist ein Steadybag ein äusserst flexibles Werkzeug für schwierige Aufnahmesituationen. Alternativ können Sie sich solch einen Steadybag auch selbst basteln: Hierfür nehmen Sie zum Beispiel ein Lederkissen mit starkem, belastbarem Reisverschluss und befüllen es mit Sand; achten Sie beim Verschließen darauf, dass sich kein Sand im Reisverschluss befindet - Steadybag fertig.

Steadycam

Bei einem Steadycam handelt es sich um ein Schwebestativ. Es erlaubt die Aufnahme von ruhigen, ruckelfreien Bildern, auch wenn sich der Kameramann bewegen muss. Dabei wird die Kamera durch ein Gurtsystem am Körper des Kameramanns befestigt und durch (Gegen-)Gewichte am Schwebestativ stabilisiert. Eine kostengünstigere Variante, um den „Schwebe-Look“ zu erhalten, bietet das  Einbeinstativ. In diesem Fall ist das zusammengeschobene Stativ an der Kamera montiert. Ausgleichende Gewichte müssen zusätzlich für eine Schwerpunktverlagerung sorgen.

Kamerafernbedienung

Um gefühlvolle und „gut dosierbare“ Zoomfahrten realisieren zu können sind Kamerafernbedienungen das richtige Werkzeug. Aber Fernbedienung ist nicht gleich Fernbedienung. Achten Sie darauf, dass Sie zur Steuerung von Zoom-Bewegung und -Geschwindigkeit Ihren Daumen in der Fernbedienung einlegen können. Befestigen Sie die Fernbedienung am Stativarm und stellen Sie über die LANC-Buchse eine Verbindung mit Ihrem Camcorder her.

Mikrofonstative & Angeln

Wie für Kameras sind auch für Mikrofone verschiedene Hilfsmittel für die Arbeit am Set erhältlich. Das am häufigsten verwendete Hilfsmittel ist die Mikrofonangel. Sie erlaubt es, auch weite Distanzen (Abstand Protagonisten und Kamera) zu überbrücken. Denken Sie bitte beim Dreh (bzw. bei der Drehplanung) daran, dass trotz leichter Mikrofone und Bauweise der Angel selbst, durch die Hebelwirkung auf Dauer mittlere bis große Kraftreserven der tragenden Person notwendig werden können.

Belichtungsmesser, Gaffer-Band und Klappe

Ausgehend von der gewählten Verschlusszeit, können Sie mit Hilfe eines Belichtungsmessers Ihr Licht beziehungsweise die Blendeneinstellung an der Kamera optimal auf die jeweilige Situation einrichten.

Gaffer-Band

Gaffer-Band ist die Wunderwaffe am Set. Überall wo fixiert, abgeklebt, beklebt und markiert werden muss, darf Gaffer-Band nicht fehlen. Vor allem dient es auch der Vermeidung von Stolperfallen etwa durch Kabel auf dem Boden.

Klappe

Wenn Sie Bild und Ton getrennt aufnehmen möchten und sich viel Nachbearbeitungszeit in Sachen Bild- und Tonsynchronisation (Bild und Ton zeitlich exakt aufeinander abstimmen bzw. gleichrichten) sparen möchten, benötigen Sie eine Klappe. Die Person, die die Klappe bedient, hat bei jedem „Take“ die Szene und den „Take“ (Nummer) anzusagen. Anschließend wird die Klappe vor der Kamera geschlagen. Natürlich müssen Bild- und Tonaufzeichnungsgerätschaften zu diesem Zeitpunkt bereits aufnehmen. Das akustische Signal des Schlags muss hiernach nur noch mit dem Aufeinandertreffen der Schlag-Enden im Bild synchronisiert werden anstatt Lippenbewegungen o.ä. aufwändig mit dem Ton zu synchronisieren.

Licht

Neben der Kamera ist Licht und die Gestaltung mit diesem das tragende Element der Film- und Videoproduktion. Das Spiel mit Licht und Schatten verleiht Objekten und Protagonisten im Bild Tiefe und Ausdruck. Zum Ausleuchten der Personen und Gegenstände sollten daher genügend flackerfreie Lichtquellen („weiches Licht“ oder „hartes Licht“) zur Verfügung stehen.

Es wird unterschieden zwischen Kunstlicht und Tageslicht. Diese haben unterschiedliche Farbtemperaturen. Daher sollte man die Vermischung von Tageslicht (bei Außenaufnahmen die Sonne) und Kunstlicht vermeiden, da dies dem Bild in der Regel einen Blau-Stich, das heißt eine blaue Färbung verleiht. Natürlich kann eine Vermischung von Kunst und Tageslicht als Effekt eingesetzt werden. Man sollte sich aber unbedingt darüber im klaren sein, dass dieser Effekt nicht rückgängig gemacht werden kann.

Damit man Kunstlicht auch draußen oder in Räumen mit viel Tageslicht zum Dreh einsetzen kann, muss man Filter einsetzen. Diese Kunstlichtfilter werden vor den Lampen angebracht und filtern den Blauanteil des Kunstlichts. Außerdem ist der sogenannte „Frost“ ein wichtiges Werkzeug. „Frost“ ist ein Filter, der das Licht aufweicht und dadurch harte Reflexionen auf Oberflächen reduziert. „Frost“ sieht aus wie Butterbrotpapier ist aber im Gegensatz zu diesem feuerresistent. Da Butterbrotpapier leicht entflammbar ist, wird vom Einsatz als Lichtfilter vor heißen Lampen dringend abgeraten. Als teure aber elegante Alternative zu „Frost“ kann auch eine sogenannte „Softbox“ eingesetzt werden.

Eine sehr gute Kunstlicht-Basisausrüstung bieten die Hersteller Sachtler und Arri mit Sets bestehend aus drei bis vier Lampen, passenden Stativen und Filtern. Zum Transport wird noch ein passender Koffer mitgeliefert. Solche Sets sind wie so vieles im Bereich der Videoproduktion leider aber nicht ganz günstig. Man muss für einen solchen Lichtkoffer mit rund Euro 1.200 rechnen.

Bei diesen professionellen Lampensets kann man am Lampengehäuse selbst auch den Härtegrad des Lichts durch Bündelung (Spot) und Streuung (Flood) des Lichtkegels regeln. In Kombination mit Handdimmern zur Regelung der Gesamt-Lichtintensität der Scheinwerfer und den oben genannten Basisfiltern kann man schon sehr professionell anmutende Ergebnisse erzeugen.

Ebenfalls interessant sind Reflektoren. Sie können oftmals den Einsatz von Lampen und Scheinwerfern reduzieren und so helfen Geld zu sparen. Alternativ zu professionellen Reflektoren können auch Styroporplatten und Alufolie zum Einsatz kommen.

Lichtgestaltung

Die Lichtgestaltung gehört zu den anspruchvollsten Aufgaben beim Film. Oft beansprucht das Ausleuchten einer Szenerie mehr Zeit als die eigentlichen Dreharbeiten. So viel Aufwand kann und soll in der Schule natürlich nicht betrieben werden, befolgt man jedoch ein paar Grundregeln der Lichtgestaltung, so führt dies sofort zu sichtbar besseren Ergebnissen.

Grundsätzlich dient das eingesetzte zusätzliche Licht dazu, das vorhandene Licht am Drehort dezent zu verstärken, da dies den Sehgewohnheiten der Zuschauer am meisten entgegen kommt. Gibt es natürliche Lichtquellen im Bild zu sehen, Fenster oder Lampen etwa, so sucht man beim Lichtaufbau die Richtung nachzuahmen, aus der dieses sichtbare Licht kommt.

Führungslicht

Die stärkste Lichtquelle heißt Führungslicht und befindet sich seitlich von der Kamera, möglichst hoch positioniert. Das Führungslicht sollte nicht direkt hinter der Kamera aufgebaut sein, da frontal angestrahlte Gegenstände oder Personen flach und konturenlos wirken.
Indirekte Beleuchtung

Eine sehr empfehlenswerte und in der Profi-Praxis häufig eingesetzte Methode, die vorhandene Lichtstimmung unauffällig zu verstärken, ist die indirekte Beleuchtung. Dazu wird ein Scheinwerfer gegen die – möglichst helle – Zimmerdecke gerichtet, was die Grundhelligkeit am Schauplatz blendungsfrei erhöht.

Aufhellicht

Wirft das direkt gerichtete Führungslicht zu starke Schatten, so wird eine weitere Lampe als Aufhellung eingesetzt, um den Kontrastumfang zu senken. Um eine doppelte Schattenbildung zu vermeiden, wird das Aufhelllicht meist mit Gaze, einem lichtdurchlässigen weißen Stück Stoff, gedämpft, die an den Flügeltoren der Lampe mit Klammern befestigt ist. Eine Aufhellung ist manchmal auch bei Interviews im Freien notwendig, wenn etwa im harten Mittagslicht gedreht wird und dabei eine Gesichtshälfte zu sehr im Schatten versinkt. Man setzt dann entweder ein zusätzliches Akkulicht ein oder reflektiert die Sonne mit einer weißen Fläche z.B. einer Styroporplatte.

Hinterlicht

Das Hinterlicht dient dazu, eine Person vom Hintergrund abzuheben und dadurch mehr Raumtiefe zu gewinnen. Dazu wird ein Scheinwerfer hoch über der Person als Gegenlicht angebracht und gezielt auf Kopf und Schultern gerichtet. Ebenfalls hilfreich für die räumlichen Wahrnehmung des Zuschauers ist es, im Bildhintergrund noch eine Lichtquelle zu positionieren oder einen Gegenstand aufzuhellen.

Bei Dreharbeiten im Freien sollte das harte Mittagslicht wegen der starken Kontraste gemieden werden. Die schönsten Aufnahmen gelingen am frühen Morgen oder im weicheren Nachmittagslicht. Besonders reizvoll ist die „Blue Hour“ kurz vor Sonnenuntergang, die allerdings nur ein paar Minuten dauert.

Ton

Wenn Sie den Ton per Kamera aufnehmen möchten, machen Sie sich vorher ein Bild von den Anschlüssen, die Ihnen an Ihrer Kamera zur Verfügung stehen. Bei professionellen Geräten stehen Ihnen XLR-Anschlüsse zum Aufzeichnen von Tönen und Geräuschen zur Verfügung. Die meisten Kameras im Consumer- und Hobbyfilm-Bereich haben Miniklinken-Buchsen. Es können aber optional als Zubehör XLR-Anschlüsse nachgerüstet werden.

Im Grunde ist nur wichtig, das Mikrofon mit dem Anschluss an der Kamera zu verbinden. Hierzu müssen entsprechende Adapter besorgt werden. Überprüfen Sie daher genau die Anschlüsse Ihres Camcorders und die des Mikrofons bereits bei den Drehplanungen.

Bitte beachten Sie auch, dass die meisten Kameras keine eigene Stromversorgung für das Mikrofon (48V-Phantom-Speisung) besitzen. Entsprechend müssen Batterien für das Mikrofon vorhanden sein.

Damit Sie das Tonsignal, das an der Kamera anliegt, vor Ort überprüfen können, packen Sie zum Dreh einen Kopfhörer ein. Dabei ist ein „geschlossenes“ Modell empfehlenswert. Dieses minimiert Einstreuungen von außen auf Ihre Ohren.

Beim Dreh sollten Sie Richtmikrofone (Super-/Hyperniere) verwenden. Diese haben einen sehr begrenzten Aufnahmeraum/-radius. So können Sie die Aufnahme sämtlicher Umgebungsgeräusche vermeiden. Am Mikrofon ist meist die Richtcharakteristik angegeben.

Weitere Informationen zu Mikrofonen finden Sie hier.

Nehmen Sie Umgebungsgeräusche (die sogenannte „Atmo“) gesondert auf und mischen Sie sie Ihrem Video später im Schnitt bei. Oder: Sie gestalten Ihre eigene Klangkulisse unter Zuhilfenahme von Audio-CDs mit unterschiedlichen Geräuschen. Achten Sie zudem darauf, dass Ihre Mikrofone mit einem Windschutz (für das Tonstudio: Popschutz) ausgerüstet sind.

Jan Stillhammer und Raphael Frank

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