Grundlagen des Filmschnitts

Der Schnitt dient der Komposition und Komprimierung zeitlicher und örtlicher „Film-Realitäten“ und Handlungen in ihnen. Das heißt Handlungen und Sachverhalte, die in der Wirklichkeit mehrere Stunden, Tage oder gar Monate und Jahre dauern würden, können im Film innerhalb einiger Szenen und Einstellungen binnen Sekunden und Minuten abgehandelt werden. Solche Sprünge müssen in einen logischen Zusammenhang, in eine stringente Reihenfolge gebracht werden, damit ihn die Betrachter richtig verarbeiten können.

Wenn es um Action geht, können schnelle Schnitte den Zuschauer entsprechend emotional „aufwühlen“, während bei einer ruhigen Filmsequenz eine hohe Schnittfrequenz schnell störend und irritierend wirkt.

Beim Schnitt ist wichtig in welchem Verhältnis direkt aufeinander folgende Bilder stehen und dadurch auf die Zuschauer einwirken. Der Zusammenhang einzelner Sequenzen spielt dabei eine enorme Rolle. Zusammenhänge werden durch (einheitliche) Lichtverhältnisse, Kulisse, Kamerapositionen und -Einstellungen bestimmt.

Kurze, direkt und ohne größere zeitlichen Sprünge aufeinander folgende Szenen sollten zum Beispiel immer im gleichen Verhältnis der Umgebungsparameter (Licht, Kulisse etc.) zueinander stehen.

Große Zeitsprünge müssen für den Zuschauer bildlich/szenisch identifizierbar beziehungsweise eindeutig sein. Eine neue Szene muss von den Zuschauerinnen und Zuschauern auch als solche möglichst direkt erkannt werden. Hierbei können auch Auf- und Ab-Blenden als Werkzeug dienen.

Filmschnitt

GettyImages/fabioderby

Schnittregeln

Wer die folgenden Regeln beachtet, bietet seinen Zuschauern Schnittfolgen, die den üblichen Sehgewohnheiten aus Kino und Fernsehen entsprechen.

  • Keine Kamerabewegungen aneinander schneiden: Schwenks, Zooms und echte Fahrten sollten immer durch eine stehende Einstellung getrennt sein.
  • Aufeinander folgende Einstellungen sollten aus einer deutlich anderen Kameraposition aufgenommen sein, wenn sie nicht mindestens eine Einstellungsgröße überspringen. Faustregel: Der Aufnahmewinkel sollte um mehr als 45 Grad differieren.
  • Unterschiedliche Blickrichtungen, wenn „Kopf auf Kopf“ geschnitten wird. Sehen Sie sich Dialogschnitte oder Umfragen an, dort schauen die Interviewten auch abwechselnd in die linke und rechte Bildhälfte.
  • Unterschiedliche Perspektiven bei Gebäude- und Architkturaufnahmen. Bei Einstellungen ähnlicher Größe sollte die Bilddiagonale abwechselnd von vorne rechts nach hinten links und umgekehrt verlaufen.
  • Möglichst in Bewegung umschneiden: Damit sind nicht Kamerabewegungen sondern Bewegungen der Akteure gemeint. Beispiel: In einer Naheinstellung steht jemand vom Stuhl auf. Schneiden Sie in der Hälfte der Bewegung um, das Ende der Bewegung kann dann zum Beispiel in einer Totalen gezeigt werden. Die Bewegung fesselt das Auge des Zuschauers so stark, dass der Schnitt 'unsichtbar' wird.
  • Auf Anschlüsse und Achsen achten.
  • Je statischer eine Einstellung desto geringer ihre Länge. Umgekehrt wird eine Szene mit viel Bewegung vor der Kamera eher länger die Aufmerksamkeit fesseln.
  • Je totaler eine Einstellung desto länger: Totale Einstellungen zeigen viele Bildinhalte, man benötigt daher mehr Zeit, um sie zu erfassen.

Der „unsichtbare“ Schnitt

Der sogenannte „unsichtbare“ Schnitt wurde im Hollywood-Kino der dreißiger und vierziger Jahre entwickelt. Ziel war es, einen Film flüssig, ohne harte Übergänge zu schneiden, um den Zuschauer nicht von der eigentlichen Filmhandlung abzulenken. Erreicht wurde dies, indem der Kameramann zunächst einen „Mastershot“ drehte, das heißt eine Szene wurde mit allen Dialogen und Bewegungen aus einer totalen Einstellung aufgenommen. Danach wurde die gleiche Spielhandlung in näheren Einstellungen nochmals aufgenommen, so dass man beim Schneiden beliebig zwischen unterschiedlichen Einstellungsgrößen wechseln konnte und immer ein harmonischer Übergang vorhanden war. Ebenfalls eine Erfindung dieser Hollywood-Epoche ist es, auf Blicke zu schneiden. Dabei wird eine Person groß im Bild gezeigt, die gerade etwas mit den Augen fixiert oder den Kopf wendet. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer ist klar, dass die nächste Einstellung genau das zeigt, was diese Person sieht. Auf-Blicke-Schneiden ist bei Profi-Cuttern sehr beliebt, da diese Schnitttechnik großen Gestaltungsfreiraum bietet: Eine Person kann ein Motiv in- oder außerhalb des Bildes ansehen, ebenso kann sie etwa in die Vergangenheit oder Zukunft schauen.

Der Bewegungsschnitt

Der Bewegungsschnitt ermöglicht ebenfalls weiche und flüssige Übergänge. Eine Person hebt eine Kaffeetasse vom Tisch und führt sie zum Mund. Im Moment des Aufhebens wird in eine nahe Einstellung des gleichen Vorgangs geschnitten. Man dreht, wenn es geht, immer in mehreren Einstellungsgrößen, um solche Bewegungsschnitte später zu ermöglichen. Es ist klar, dass die Person dabei den selben Vorgang mehrmals ausführen muss. Eine Überblendung signalisiert dem Zuschauer einen Orts- oder Zeitwechsel. Innerhalb einer Szene schneidet man hart. Für Überblendungen eignen sich besonders Einstellungen, die einen ähnlichen Bildaufbau aufweisen, da sich die Bildmotive in der Mitte der Überblendung kreuzen und so ein weicher Übergang von einer Szene in die nächste ermöglicht wird. 

Quellen

[1] Nach Vielmuth, Ulrich:

Ratgeber für Videofilmer, Köln 1998, S.294. zurück nach oben

Jan Stillhammer, Ralf Lambrecht und Berti Schwarz

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