Deutschlands erstes Hörspiel

Hand aufs Herz und munter geraten: Wann wurde das erste deutsche Hörspiel über die Ätherwellen ausgestrahlt? Es war der 24. Oktober 1924. Der Frankfurter Sender strahlte auf Welle 467 am Abend eine „Senderspielgroteske“ aus, die der Sendeleiter, Dr. Hans Flesch, höchst persönlich geschrieben und zu Papier gebracht hatte. „Der Sender ist verrückt! Chaos, Stimmengewirr, Trommelfellangst“, schrieb ein Kritiker der Sendung später amüsiert. Flesch hatte einen ersten Versuch unternommen, mit den technischen Gegebenheiten des neuen Mediums zu spielen. So veranstaltete er eine „Zauberei auf dem Sender“, bei der es im wahrsten Sinne des Wortes drunter und drüber geht: eine Märchentante löst den abendlichen Spuk im Äther aus, sie will unbedingt auch einmal um diese Zeit ein Märchen erzählen. Während sie erzählt, ertönen auf einmal Zahlen, Tanzmusik und allerlei anderer akustischer Schabernack. Die Rundfunkleute sind verzweifelt und genervt und haben allerhand durchzustehen, bis schließlich am Schluss dann doch Ordnung über Unordnung siegt und der Donauwellenwalzer erklingt.

Das amüsante Hörspiel von Hans Flesch wurde 1962 vom Hessischen Rundfunk neu produziert. Die hrMEDIA hat uns die Produktion freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Unter anderem wirken als Sprecherinnen und Sprecher mit: Hans-Helmut Sievert, Fred Metzler, Heinz Pielbusch und Adelheid Böttcher.
In einer zeitgenössischen Radiokritik von 1924 schrieb der Rezensent:

„Geheimnisvoll fährt der Lift zur Sendestation empor. Irgendetwas Besonderes ist los. Man merkt es an der scheinbaren Ruhe des Leiters, des Ansagers, der Sängerin – und selbst die Trommel kratzt sich neugierig ihr Fell. Punkt halb 9 Uhr beginnt es. Mit einer höllischen Fra Diavolo-Ouvertüre. Alle Rundfunkteilnehmer fahren entsetzt in die Höhe. Aber was ist das? Dr. Flesch, der Herrscher des Sendereiches, wird in seinem Programm gestört... Von der Märchentante, die auch einmal abends ein Märchen erzählen will. Und während noch gütlich mit ihr verhandelt wird, ertönen Zahlen nichts als Zahlen...“

Hörprobe

Hören Sie hier das Stück „Zauberei auf dem Sender“ von Hans Flesch in der 1962 vom Hessischen Rundfunk neu produzierten Fassung.

Links

Deutsches Rundfunkarchiv

Website mit ausführlichen Informationen zur Geschichte des Hörspiels.

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Handouts

Christian Hörburger: Hörspiel

2006 | SWR
Trotz des vielseitigen Angebots des Fernsehens und der Unterhaltungsindustrie ist das Hörspiel im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nach wie vor beliebt. Denn das Spiel mit Stimmen und Klängen, Tönen und Geräuschen fasziniert sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum. In seinem Text stellt Christian Hörburger die geschichtliche Entwicklungen des Hörspiels dar und zeigt auf, warum sich diese Kunstform gerade auch für den schulischen Gebrauch hervorragend eignet. So kann beispielsweise die Wahrnehmung der Schülerinnen und Schüler für akustische Zeichen wie Sprache, Klänge, Geräusche und Stille sensiblisiert werden.

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Christian Hörburger

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