Definition von Hörspiel

Unter einem Hörspiel versteht man einerseits die Ausstrahlung gesprochenen Wortes. Es meint andererseits das Zusammentreffen signifikanter akustischer Signale (oder Pausen), das außerhalb einer semantisch decodierbaren Nachricht stattfindet. Musik, Geräusch und Ton, jenseits menschlicher Sprechsignale können als Hörspiel definiert werden, sofern sie innerhalb des Sendeplatzes „Hörspiel“ eingebunden sind.

Das gesprochene Wort kann sowohl als Handlungs- und Nachrichtenträger oder auch als Klangkörper verwendet werden. Mit dem gesprochenen Wort lassen sich Sinneseindrücke wiedergeben, Bezüge hergestellen oder konnotative Spannungsfelder hervorrufen. Mit Musik lässt sich Hörspielkompositionen neu chiffrieren. Das Wort ist im Hörspiel in aller Regel durch die menschliche Stimme selbst oder auch zum Beispiel einen Synthesizer vermittelt und fungiert dort als komplexes Laut- und Stimmereignis. Die menschliche Stimme kann beim Hörspiel auch „Vorsprachliches“ wie Lachen, Schreien oder Jammern wiedergeben und wird zum Instrument der engeren Verlautbarung des Wortes.

Die Musik im Hörspiel beansprucht traditionell eine zentrale Rolle, doch ist ihr Gewicht von sehr unterschiedlicher Qualität. Bis in die sechziger Jahre benutzte man Musik im Hörspiel, um bestimmte Szenen zu betonen oder inhaltliche und zeitliche Abläufe darzustellen. Seit Ende der siebziger Jahre konnte sich Musik als freies Hör- und Hörspielereignis etablieren, wobei das Wort, in Gegenströmung zur bisherigen Hörspieltradition, eine beiläufige oder sogar untergeordnete Rolle spielen konnte.

Mikrofon

GettyImages/Davizro

Musik im Hörspiel

Die Musik dient häufig lediglich als Hintergrund in Form kaum hörbarer Atmo. Sie kann weiterhin zur Fixierung des Ortes der Handlung durch Verwendung charakteristischer Motive und typischer Klangfarben dienen.

Darüber hinaus zeichnet die Musik psychische Situationen und deren Wandlungen durch melodische und akkordische Elemente. Auch die Intensität des Dialogs kann durch Dynamik, Tempo und Rhythmus unterstützt werden.

Die gängigste Verwendung von Musik zielt auf die Gliederung des Hörspiels oder Features durch Melodien und kleine Zwischenakt- und Rahmenstücke. Dies hat eine gewisse Tradition, denn: lange Zeit diente die Musik in Anlehnung an das Theater als Einleitung und „Vorhang“ zwischen den Akten.

Musik betont die Grundstimmung einer Szene oder des ganzen Stücks, sie stellt die Gemütszustände der Figuren dar. Zwischenmusik wirkt anstelle des Auftritts, pomphafte Musik anstelle einer Massenszene, Musik anstelle eines Bühnenbilds oder einer Landschaft.

Musik kann auch auf etwas Vergangenes verweisen, auf Erinnerungelemente von Personen, oder auf früher Geschehenes. Durch einen Musikwechsel werden Stimmungen in die unmittelbare Gegenwart des Hörstücks geholt. Wenn zeitgenössische oder Mode-Musik eingesetzt wird, gibt sie einen Eindruck vom „Zeitgeist“, zeichnet sozusagen ein Bild, um eine Handlung symbolhaft einzubetten.

Besonders Mauricio Kagel, Dieter Schnebel, Johannes Fritsch, Bruno Maderna, John Cage, Siegried Franz (Hörspiel: Der Tiger Jusuf), Hugo Pfister und Winfried Zillig haben sich als professionelle Musikkomponisten betätigt.

Christian Hörburger

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