Verfolgt von Werbung?

Wer das Internet nutzt, stößt trotz Werbeblocker hier und da auf Werbung. Wir gehen hier auf das Beispiel Facebook ein, denn dort ist das besonders auffällig. Allerdings machen es auch Plattformen wie Instagram oder YouTube nicht viel anders. Mit Werbung erzielt das amerikanische Unternehmen Facebook seinen Umsatz. Doch woher weiß das Soziale Netzwerk manchmal so genau, was einzelne Nutzerinnen und Nutzer interessiert?

Manchmal hat man den Eindruck von Zauberei und es kommt einem schon seltsam vor, wenn Facebook Werbung für genau die Schuhe anzeigt, die man vor wenigen Tagen erst im Laden erworben hat. Nach dem Besuch einer Website auf dem Computer wird plötzlich Werbung für Produkte des besuchten Unternehmens auf Facebook angezeigt. Und es bleibt nicht bei Facebook. Dieselbe Werbeanzeige erscheint plötzlich auch auf anderen Webseiten. Woran das liegt und was man dagegen tun kann, erklären wir Ihnen hier.

Mädchen mit Laptop und Katze

GettyImages/Jakkapan21

Standort und andere Faktoren

Es ist inzwischen weitgehend bekannt, dass Werbetreibende mit Profilen arbeiten. Sie legen fest, wer ihr Zielpublikum ist und entscheiden so, wer ihre Anzeigen sehen soll. So auch Facebook. Leicht zuzuordnen sind Werbeanzeigen, die direkt von Seiten kommen, denen man selbst oder ein Facebook-Freund folgt. Auch bei Orten, von denen man angegeben hat, dass man dort war, leuchtet es ein, dass das Soziale Netzwerk Werbung schaltet.

Facebook gibt aber auch Informationen wie Alter, Geschlecht, Interessen, Wohnort und welches Gerät der Facebook-User verwendet, zur Profilerstellung an Werbetreibende weiter. Dass man eine Werbeanzeige für einen deutschsprachigen Fitnessvideokanal zu sehen bekommt, könnte also beispielsweise daran liegen, dass man zwischen 20 und 50 Jahre alt ist, in Deutschland lebt und weiblich ist. Über den kleinen Pfeil rechts über einem Beitrag im sogenannten Newsfeed kann man sich genau diese Faktoren anzeigen lassen.

Facebook besitzt mehr Informationen, als man bewusst angibt. So kann beispielsweise der Standort durch die IP-Adresse, GPS oder andere Standortdaten ausgelesen und mit anderen Informationen verknüpft werden. So erhält man Werbung für lokale Mietwagen unter Umständen nur im Urlaub angezeigt, da Facebook erkennt, dass der Nutzer oder die Nutzerin sich nicht in der Heimatregion befindet.

Facebook ist überall im Internet

Facebook nutzt auch seine anderen Produkte, um mehr Informationen über seine Nutzer/innen zu sammeln. Instagram und WhatsApp gehören ebenfalls zur Facebook-Gruppe. So kann es passieren, dass durch Informationen von Instagram entsprechende Werbung auf Facebook angezeigt wird. Auch das Facebook-Konto für andere Tools und Apps als Anmeldung zu nutzen, verschafft dem Unternehmen weitere Informationen.

Das Soziale Netzwerk ist auch auf firmenfremden Webseiten vertreten. Mit dem sogenannten Facebook-Pixel bietet der Konzern ein Tool an, mit dem es direkt auf den Webseiten von Werbetreibenden Informationen über den Besucher sammelt und Statistiken erstellt. Wer die Webseite besucht oder dort sogar etwas gekauft oder ein bestimmtes Produkt genutzt hat, erhält mit höherer Wahrscheinlichkeit auch Werbung dafür, es wieder zu nutzen. Die Zielgruppe für eine Werbeanzeige kann so genauer festgelegt werden.

Das Facebook-Pixel ist auch in mobilen Apps Facebook-ferner Konzerne eingebunden. So kann über die Nutzung einer App am Smartphone auch Werbung am PC bei der Nutzung von Facebook angezeigt werden. Durch Facebooks Audience Network können allerdings auch Werbeanzeigen durch Facebook auf anderen Webseiten geschaltet werden. So können Nutzerinnen und Nutzern Werbung auf einer Webseite am Computer angezeigt werden, die Facebook durch die Nutzung einer App am Handy generiert hat. Dieselbe Werbeanzeige erscheint plötzlich überall.

Facebook beim Einkauf im Einzelhandel

Facebook arbeitet auch mit anderen Firmen zusammen, die mit Daten Geld machen. Datenanbieter generieren ihre Informationen zum Beispiel durch Cookies auf Webseiten oder durch Umfragen. So können durch die Weitergabe der eigenen E-Mail-Adresse oder Telefonnummer an Treueprogramme, Kundenkarten und Kundenkonten Informationen zu Facebook gelangen, die der Konzern dann für Werbeanzeigen nutzt. Es muss nicht erst das gekaufte Produkt auf Facebook geteilt werden, damit der Konzern weiß, dass der Kunde Facebook nutzt. Der Lebensmittel- oder Drogerieeinkauf kann so Einfluss auf die angezeigten Werbeanzeigen haben.

Beeinflussen welche Werbung ich sehe

Ebenso wie Facebook auf sehr unterschiedliche Arten das Zielpublikum für eine Werbeanzeige generiert, können auch Nutzerinnen und Nutzer auf verschiedene Weise beeinflussen, was sie angezeigt bekommen. Mit höherem Aufwand lässt sich die Werbung unter Umständen zeitweise sogar ganz ausschalten.

Direkt im Newsfeed können über das kleine Häkchen am oberen Ende der Meldung verschiedene Einstellungen getätigt werden. So kann, wie bereits erwähnt, erfragt werden, aufgrund welcher Faktoren eine Werbeanzeige angezeigt wird. Man kann dort außerdem eine Werbeanzeige verbergen lassen und somit keine Werbung mehr für ein bestimmtes Produkt angezeigt bekommen. Im Gegenteil kann man aber auch angeben, dass diese „Werbeanzeige nützlich ist“ und somit mehr Werbung aus diesem Bereich zu sehen bekommen.

Eine weitere Möglichkeit, die man nutzen kann, ist der umfangreiche Bereich zu „Werbeanzeigen“ in den Kontoeinstellungen. Darin ist es möglich unterschiedliche Einstellungen vorzunehmen, um bestimmte Informationen für zielgruppenspezifische Werbung auszuschließen. Genauere Informationen dazu enthält der folgende Abschnitt.

Kontoeinstellungen zu Werbeanzeigen

Zunächst einmal gibt es den Reiter „Deine Interessen“, in denen eigene Interessengebiete, die Facebook für Werbung generiert hat, angesehen und ausgeschlossen werden können. Hier kann man sich auch Beispiele für Werbung anzeigen lassen, die man aufgrund eines Interessenfeldes zu sehen bekommt. Ähnliches gilt für den nächsten Bereich, in dem ersichtlich wird, von welchen externen Unternehmen, Webseiten und Apps Informationen an Facebook fließen. Auch speichert Facebook hier, welche Werbeanzeigen bereits angeklickt wurden. Unter „Werbethemen verbergen“, können die Themen Alkohol und Erziehung für einen gewissen Zeitraum oder permanent verborgen werden.

Besonders interessant ist der Bereich „Deine Informationen“. Hier können Themen aufgrund des Beziehungsstatus, des Arbeitgebers, der Berufsbezeichnung oder der Ausbildung ein- bzw. ausgeschaltet werden. Außerdem wird ersichtlich, in welche Kategorien Facebook seinen Nutzer oder seine Nutzerin eingeordnet hat. Diese Einordnungen müssen nicht immer stimmen, es werden jedoch interessante Rückschlüsse sichtbar. Auch hier lassen sich Kategorien entfernen.

Werbeanzeigen, die wegen der Nutzung anderer Websites und Apps angezeigt oder sogar dort geschaltet werden, lassen sich unter „Einstellungen für Werbeanzeigen“ ausschalten. Auch lässt sich hier einstellen, ob die Freunde sehen können, welche Anzeigen vom Nutzer angeklickt wurden. Bei der Verwendung von Kundenkonten bietet es sich an, unterschiedliche E-Mail-Adressen zu nutzen oder eine extra E-Mail-Adresse nur für Facebook einzurichten, um die Herstellung einer Verbindung zwischen den Konten von vornherein zu vermeiden.

Werbeblocker gegen Facebook

Auf vielen Webseiten lassen sich aufdringliche Werbeanzeigen durch Werbeblocker im Browser vermeiden. Das führt dazu, dass manche Webseiten ihre Nutzung verweigern, solange der Werbeblocker aktiv ist. Facebook arbeitet ständig daran, dass die Werbung in die normale Nutzung integriert wird. Durch die transparenten Einstellungsmöglichkeiten möchte das Unternehmen zeigen: Werbung kann auch nützlich sein. Wer jedoch auf Werbung komplett verzichten möchte, hat es eher schwer.

Es gibt Werbeblocker, die auch Werbung auf Facebook im Newsfeed ausblenden beziehungsweise überspringen. Bekannte Beispiele sind der Social Fixer und AdBlockPlus. Diese befinden sich jedoch in einem ständigen Katz-und-Maus-Spiel mit dem werbefinanzierten Konzern, der ständig seinen Code ändert, um die Werbeblocker nutzlos zu machen.

Es gibt also eine Lösung, man muss jedoch ständig up to date bleiben, damit diese funktioniert und auch dann kann man sich nicht darauf verlassen, wie ein Test der Redaktion zeigt. Auch nutzt diese Lösung nur etwas, wenn man Facebook browserbasiert am Computer nutzt. Ad Blocker für das Smartphone sind meist aufwendig und teilweise nur bei gerooteten Handys installierbar. Die Facebook-App erreicht man mit diesen Lösungen nicht.

Fazit: Es ist (nicht ganz) so einfach

Facebook arbeitet ständig daran, seine Werbeinnahmen zu maximieren. Neuerdings kündigte das Unternehmen nun auch Werbung im Facebook Messenger an. Auch die AGBs von WhatsApp erlauben dem Konzern die Einbindung von Werbung. Klar, dass das Unternehmen den Nutzerinnen und Nutzern das einfache Blockieren von Werbung so kompliziert wie möglich gestaltet.

Aber sie üben sich in Transparenz und so können Nutzerinnen und Nutzer immerhin teilweise entscheiden, was sie sehen möchten und was nicht sowie welche Informationen über sie dazu verwendet werden. Nutzer/innen haben die Möglichkeit hinter die Kulissen zu schauen. Details und Einstellungsmöglichkeiten bei der Erstellung einer Werbeanzeige können eingesehen werden.

Wer sich das also noch genauer anschauen möchte, der sollte einfach probeweise eine Werbeanzeige auf Facebook erstellen und so dieselben Schritte wie echte Werbetreibende durchlaufen.

Im Menü links vom News Feed befindet sich unter der Überschrift „Erstellen“ der Reiter „Werbeanzeige“. Hier kann man einmal ausprobieren, welche Einstellungsmöglichkeiten Werbetreibende haben.

Weitere Informationen zu Social Media und zum Thema Werbung finden Sie im jeweiligen Themenbereich.

Links

Facebooks Zielgruppenoptionen

Dieser Link führt zu den Zielgruppenoptionen im Facebook Business-Bereich.

Zur Website

Kontoeinstellungen Werbung

Hier geht es zu Ihren persönlichen Kontoeinstellungen auf Facebook. Dieser Link funktioniert nur, wenn Sie in diesem Browser auch auf Facebook angemeldet sind.

Zur Website

Nora Brockamp

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