Schönheitsideale in Social Media

Heranwachsende suchen gerade in der Pubertät Vorbilder und Orientierungshilfen zur Festigung ihres eigenen Körperbildes und ihrer Identität. Dazu bedienen sie sich unter anderem diverser Medienangebote, um sich mit Stars, medialen Figuren und Influencer/-innen zu vergleichen. So auch die sozialen Netzwerke, denn dort finden sie täglich neue Inspiration und visuelle „Vorlagen“ für ein Körperbild, das in der Öffentlichkeit sozial akzeptiert und entsprechend nachahmenswert erscheint. Gerade Influencer/-innen sind dabei weitaus mehr als ein reines Vorbild. Durch die zahlreichen Ausschnitte aus dem persönlichen Privatleben und oftmals auch die direkte Kommunikation mit den Fans, gehören sie zu der Gruppe, denen die Jugendlichen tiefes Vertrauen schenken. Sie wirken wie ein guter Kumpel, manchmal sogar wie ein großer Bruder oder eine große Schwester und schaffen daher eine langfristige und engere Vertrauensbasis als so mancher Fernsehstar.

Die stets perfekten Körper und Leben, die auf den sozialen Netzwerken suggeriert werden, bilden entsprechend großes Nachahmungspotenzial bei den Heranwachsenden und prägen nachhaltig das Verständnis von Schönheit. Auch wenn vielen Jugendlichen bewusst ist, dass die Bilder der Prominenten meist nicht auf natürlichem Weg, sondern mit aufwändigen Retuschen entstehen, ist das Bedürfnis vorhanden, dem Ideal bestmöglich nachzueifern. Auch Fernsehformate wie „Germanys next Topmodel“ oder „Der Bachelor“ fordern Jugendliche geradezu auf, strenge Essenspläne aufzustellen, den Muskelaufbau zu fördern und all seine Kraft auf rein äußerliche Werte zu legen. Der Körper ist etwas geworden, was wir nach unseren Vorstellungen formen und verändern können. Es zeugt offenkundig von Disziplin, dem übermäßigen Essensangebot zu entsagen und passt so perfekt in unsere Leistungsgesellschaft. Somit ist volles und glänzendes Haar, gebräunte Haut, ein makelloser, schlanker Körper auch heute noch die Vorstellung eines Schönheitsideals im Rahmen zahlreicher Medienangebote.

Schönheitsideale

GettyImages/CoffeeandMilk

Neue Körperpositivität

Doch ist unsere Welt heute auch offener geworden. Über Jahre wurde dies gefordert und dafür prostiert, den Begriff und die Vorstellung eines Schönheitsideals zu überdenken und nicht nur einseitige und äußere Werte in den Mittelpunkt zu rücken. Denn was ist eigentlich „perfekt“? Löst man sich einmal von einschlägigen Fernsehformaten oder allseits bekannten Influencer/-innen, tut sich uns auf einmal eine völlig neue Welt auf. Eine Welt, in der alle Menschen schön sind, in der Natürlichkeit und Individualität an der Tagesordnung stehen. Immer häufiger findet man Models im Fernsehen oder in Zeitschriften, die kurviger gebaut sind, die eine Behinderung haben oder die einfach nicht der typischen Vorstellung eines „Schönheitsideals“ entsprechen. Auch viele Influencer/-innen zeigen sich vermehrt ungeschminkt und natürlich, um deutlich zu machen, dass jeder Mensch auf seine einzigartige Weise ideal ist und eben nicht den verzerrten Körperidealen entsprechen oder diesen gar nacheifern muss.

Fake-Mentalität und Body-Challenges im Netz

Trotz der Entwicklungen hin zu mehr „Body Positivity“, bleibt das Streben nach dem perfekten Körper weiterhin präsent und spiegelt sich im Online-Verhalten der Heranwachsenden wider. Sie posten Bilder und Clips in oftmals freizügigen Posen, um lobende und anerkennende Kommentare für den eigenen Körper zu sammeln oder wetteifern in diversen Challenges, um die schlanksten Oberschenkel oder das sportlichste Erscheinungsbild. Durch die Möglichkeit rund um die Uhr auf die sozialen Netzwerke und das Material der Vorbilder zugreifen zu können, steigt ebenfalls der persönliche Druck selbst zu einem perfekten Schönheitsideal zu werden. Doch genau dies birgt zahlreiche Risiken wie Essstörungen, (Cyber-)Mobbing, Belästigungen oder Probleme im Rahmen des Datenschutzes.

Was können Eltern tun?

In der Folge finden Sie einige Tipps, wie Sie Ihre Kinder bei der Auseinandersetzung und Sensibilisierung im Umgang mit Schönheitsidealen unterstützen können.

  • Auch schon für jüngere Kinder: Auf die Auswahl der Medienheld/-innen achten (Wie werden sie dargestellt? Welche Inhalte und Botschaften werden vermittelt? Basieren die Medienheld/-innen auf reinen geschlechtertypischen Klischees oder brechen sie aus den typischen Geschlechterrollen aus?).
  • Interesse für die Medienwelten der Heranwachsenden zeigen und ebenjene Begeisterung, beispielsweise auch für eine/-n bestimmte/-n Influencer/-in, hinterfragen.
  • Offen bleiben: in offenen, ehrlichen Gesprächen mit den Heranwachsenden über Gesehenes, aber auch über stereotype Rollenbilder und die Problematik zwischen Realität und Fake-Darstellungen sprechen und es gemeinsam reflektieren.
  • Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen der Heranwachsenden stärken.
  • Es kann zu einem besseren Körpergefühl beitragen, dem Kind Instagram-Accounts vorzuschlagen, welche vom Mainstream abweichen. Die Inhalte tauchen dann ganz selbstverständlich in der eigenen Timeline auf und bieten mehr Vielfalt. Beispiele hierfür sind
  1. celestebarber
  2. Fine.bauer
  3. maedelsabende
  4. hanna bohnekamp
  5. Saggysara
  6. tesfu_tarik
  7. Chessiekingg
  8. pinkstinks_de

Jennifer Madelmond

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