Sehnsucht, Neugier, Kicks

Was Jugendlichen früher auf den Unterwäscheseiten im Neckermann-Katalog suchten, finden sie heute auf Youporn oder Badpinkgirl: Nackte Körper, Erotik, Sex, Pornografie – und das ganz anonym, kostenlos und leicht zugänglich. Diese Fülle sexueller und pornografischer Inhalte im Internet, die Niedrigschwelligkeit des Angebots und die Unkontrollierbarkeit des Mediums rufen bei Erwachsenen allerdings häufig Ängste auf den Plan: Führt die Allgegenwart nackter Körper und pornografischer Darstellungen zu sexueller Verwahrlosung, Gewalt und Werteverfall?

Dass Jugendliche sich mit sexuellen oder pornografischen Inhalten beschäftigen, ist normal und Teil ihrer Entwicklungsaufgabe, nämlich die Auseinandersetzung mit der eigenen und fremden Sexualität. Sexseiten im Internet bieten ihnen dabei die Möglichkeit sich zu orientieren, Sehnsüchte und die eigene Neugier zu befriedigen und erste Erfahrungen zu sammeln, wie „es“ gehen könnte. Hinzu kommt der Kick, etwas Verbotenes zu tun. Das muss nicht zwangsläufig zu abwegigen Sexualvorstellungen, sexueller Frühreife oder grundfalschen Geschlechterbildern führen. Entscheidend ist vor allem, dass Erwachsene Jugendlichen die Möglichkeit geben, die gesehenen Bilder zu verarbeiten und entsprechend einzusortieren.

Neon-Kussmund

GettyImages/piratedub

Medienpädagogischer und sexualpädagogischer Handlungsbedarf

Problematisch wird es allerdings, wenn Kinder und Jugendliche unfreiwillig auf Inhalte stoßen, die sie ekeln, erschrecken oder verstören, oder wenn sie in Chats mit Pädophilen in Berührung kommen. Aus pädagogischer Sicht ist es daher unerlässlich, Heranwachsende in diesem Prozess nicht alleine zu lassen, sondern sie kompetent, offen und unaufgeregt zu begleiten und zu unterstützen. Kinder und Jugendliche brauchen Werte und Normen, um sexuelle oder pornografische Bilder einordnen und eine aufgeklärte Vorstellung von Sexualität entwickeln zu können, und Erwachsene, die ihnen bei der Herausbildung eines entsprechenden Urteilsvermögens behilflich sind.

 

Links

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)

Die Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert über Medien und Maßnahmen zur Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung. Lehrkräfte können sich Material für ihren Unterricht bestellen.

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BzgA Infomaterial

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat eine Broschüre „Medien“ zum Thema Sexualität und Medien herausgegeben die hier downloadbar ist.

 

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Forum Sexualaufklärung

Der Informationsdienst der BZgA bietet einen Überblick über Medien, Projekte und Maßnahmen zur Sexualaufklärung und Familienplanun

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Loveline

Das Jugendportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet Schülerinnen und Schülern Informationen rund um die Themen Liebe und Sexualität.

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pro familia

SexnSurf ist die Fachstelle der pro familia für Jugend, Medien und Sexualität

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Institut für Sexualpädagogik

Die Internet-Seite des Instituts für Sexualpädagogik in Dortmund bietet Informationen zu Weiterbildung, Seminaren, Workshops sowie Vorträge und Fachtagungen.

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Jugendschutz.net

Diese Initiative kontrolliert das Internet und sorgt für die Einhaltung des Jugendschutzes, bietet Hilfe für Eltern, stellt Material zur Verfügung und nimmt Hinweise auf Verstöße entgegen.

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Handysektor

Handysektor will Jugendliche bei einem kompetenten Umgang mit mobilen Medien unterstützen. Die sichere Nutzung von Handys und Smartphones steht dabei im Vordergrund. Das Internetangebot stellt auch Informationen zu Pornografie und Gewalt auf mobilen Medien bereit.

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Literatur

  • Dobrick, Barbara/Schoonbrood, Esther: Erklär mir die Liebe! – Worüber Frauen mit Mädchen sprechen sollten. München 2008
  • Gernert, Johannes: Generaton Porno – Jugend, Sex, Internet. Köln 2010.
  • Redd, Nancy Amanda: Body Drama: Echte Frauen. Echte Körper. Echte Probleme. Echte Antworten. Köln 2009.
  • Rogge, Jan Uwe: Von wegen aufgeklärt! Sexualität bei Kindern und Jugendlichen. Reinbek 2006.
  • Starke, Kurt: Pornografie und Jugend. Jugend und Pornografie. Eine Expertise. Lengerich 2010.

Anja Lochner

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