Hatespeech – Hass im Netz

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – Artikel 1 des Grundgesetzes ist eine der größten Errungenschaften und wichtige Basis für das Miteinander in unserer Gesellschaft. Dieser Grundsatz gilt auch für das Internet. Dennoch verbreitet sich Hatespeech (Englisch für Hassreden) immer mehr in Kommentarfunktionen, Messenger-Diensten, Foren oder Sozialen Netzwerken. Hasserfüllte Kommentare treffen Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrer Glaubensrichtung, politischen Einstellung, sexuellen Orientierung, körperlichen Beeinträchtigung oder weil in Diskussionen Partei für Andere ergriffen wird. Die menschenverachtenden Aussagen sollen andere Menschen oder Gruppen abwerten. Dahinter liegt die Vorstellung, dass bestimmte Menschengruppen weniger wert sind als andere. Ob anonym oder unter Klarnamen, im Netz verlieren einige Menschen die Scheu und überschreiten Grenzen des Anstands und der Gesetze.

Hatespeech Buchstabenwürfel

GettyImages/Roman Didkivskyi

Was ist Hatespeech – Begriffsklärung

Der Begriff Hatespeech umfasst sprachliche Ausdrucksweisen von Hass mit dem Ziel der Herabsetzung und Verunglimpfung bestimmter Gruppen oder Gruppenzughöriger. Paul Sailer-Wlasits, ein Wiener Sprachphilosoph und Publizist, spezifiziert die Definition genauer als allgemeine, sprachliche Strategie zur Herabsetzung und Demütigung von Personen, Gruppen und Ethnien. Außerdem hebt er das Merkmal der Gewalt hervor, denn bei Hassreden handelt sich laut Sailer-Wlasits um eine Vorstufe zur physischen Gewalt. Die Amadeo Antonio Stiftung betont in ihrer Begriffsdefinition, dass Hater mit ihren menschenverachtenden Aussagen bestimmten Menschengruppen ihre Rechte absprechen. Die Abwertungen basieren auf der Annahme, dass andere weniger wert wären und erfolgen per Worte, Bilder oder Memes. Laut der Amadeu Antonio Stiftung ist Hatespeech auch als politischer Begriff zu verstehen, mit starken Bezügen zu juristischen Tatbeständen. Die Stiftung stuft Hassreden als sehr gefährlich für die ganze Gesellschaft ein, denn der gesellschaftliche Zusammenhalt leidet darunter. Die No Hatespeech Bewegung nennt in ihrer Definition zusätzlich Beispiele: Sexismus, (antimuslimischer) Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Neonazismus, Klassismus (Diskriminierung der „niedrigeren“ Schichten), Ableismus (Diskriminierung von Menschen mit Behinderung), Homo- und Transphobie. Die Betroffenheitsperspektive wird dabei betont und der Angesprochene selbst entscheidet darüber, ob es sich beim Angriff um Hatespeech handelt.

Wie Hatespeech das Internet erreichte

Entgleisungen im Netz sind nichts Neues. Das Phänomen hetzender Auswüchse begann bereits im allerersten Forum in den 70ern, weit bevor 1989 das World Wide Web erfunden wurde. So beschreibt es die Autorin Ingrid Brodnig aus Österreich in ihrem Buch „Hass im Netz – Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen im Netz tun können“. Die Journalistin schreibt über das erste digitale Forum: Es nannte sich „CommuniTree“, das Wort wurde aus den Begriffen Community (englisch für Gemeinschaft) und Tree (englisch für Baum) gebildet. Die Mitglieder des Forums waren in universitären Bereichen der Wissenschaft und Forschung tätig und wollten anspruchsvolle Diskussionen führen. Es gab kein Moderationstool und einzelne Beiträge konnten auch nicht gelöscht werden. Ab den 80ern wurde das Forum einigen amerikanischen Highschools zur Nutzung geöffnet und prompt überschwemmten Teenager das Forum mit obszönen Botschaften und Beschimpfungen. Schnell waren die damals noch geringen Speicher voll, mehrmals wurde das System neu aufgesetzt und jedes Mal erneut gekapert. Die Sicherheitsmechanismen waren ungenügend. Das war ein entscheidender Moment der Netzgeschichte. Denn seither besteht die Erkenntnis, dass Netzwerke ohne eine soziale Kontrolle nur schlecht funktionieren.

Beispiele für Hatespeech

Kraftausdrücke, die Stereotypisierungen oder Zuschreibungen und eine Abwertung des Opfers beinhalten, sind eindeutig als Hatespeech identifizierbar. Dies sind zum Beispiel Aussagen wie „Seht, wie sich dieses Dreckspack benimmt“ mit konkreten Beschimpfungen und Beleidigungen. Oder Bezüge und Unterstellungen, durch die – ohne Zusammenhang mit der vorherigen Diskussion – Menschen herabgesetzt werden sollen: „Die Schwuchtel mit seiner Homo-Lobby“. Neben diesen deutlichen sprachlichen Erscheinungsformen kommt es auch zu Äußerungen, die ohne direkte beleidigende Begriffe auskommen und dennoch eine herabwürdigende Aussage enthalten. Wie geht das? Durch eine Verallgemeinerung kann beispielsweise den „Deutschen“ eine Eigenschaft zugeschrieben und „dem Rest“ wird dieselbe Eigenschaft aberkannt. „Deutsche sind pünktlich“, ist dafür ein Beispiel. Manchmal erscheinen Aussagen auf dem ersten Blick harmlos, beinhalten dennoch Herabsetzungen: „Er ist zwar Grieche, aber trotzdem fleißig“. Hier wird eine Grundannahme vorausgesetzt, die beleidigend ist, die angebliche Faulheit der Griechen. Politische Gruppierungen verwenden diese Methode häufig. Die Verbreitung von Fake News ist beliebt, um ganze Gruppen zu diskreditieren: „Flüchtlinge plündern Supermarkt“ ist dafür ein Beispiel und wird nicht immer sofort als Fälschung erkannt. „An den Galgen“ oder „Die sollte man verbrennen“ und ähnliche Aussagen sind hingegen sehr deutlich als volksverhetzend einzustufen, da sie Aufrufe zur Gewalt beinhalten. Die Verbreitung hassgeprägter falscher Nachrichten kann Menschen zutiefst verunsichern und mitunter auch Wahlen entscheiden. Die No-Hate-Speech-Bewegung in Berlin zählt zu den verbalen Angriffen die Bildsprache hinzu. Denn auch Bilder werden inzwischen als Waffe eingesetzt, um Menschen abzuwerten, anzugreifen oder zur Gewalt aufrufen. Entsprechend setzen Mitglieder der No-Hate-Speech-Bewegung selbst gern Bilder ein, um gegen Hass vorzugehen. Auf deren Website können Nutzerinnen und Nutzer sogenannte Memes – das sind beispielsweise montierte Bild-Word-Kombinationen – herunterladen und für Antworten auf Hatespeech verwenden.

Quellen

[1] Hate Speech und Fake News – Fragen und Antworten:

[5] Brodnig, Ingrid:

Hass im Netz – Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen tun können. Wien 2016. S. 97ff. zurück nach oben

Anja Franz

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