Ein prominentes Beispiel: Weihnachtsgeld für Flüchtlinge

Im Oktober 2018 kursierte in den sozialen Medien eine Falschmeldung mit dem Titel „700 Euro Weihnachtsgeld für Flüchtlinge“. Fälschlicherweise wurde behauptet, in Deutschland lebende Flüchtlinge erhielten 700 Euro Weihnachtsgeld, um Weihnachtsgeschenke für ihre daheimgebliebenen Angehörigen kaufen zu können. Die Meldung wurde millionenfach geteilt. Der prominente Fall von Fake News zeigt: Im Alltag werden Nachrichten häufig schnell weitergeleitet und geteilt, ohne dass die Vertrauenswürdigkeit des Verfassers bzw. der Verfasserin oder der Wahrheitsgehalt der Nachricht mithilfe weiterer Quellen geprüft wird.

Zeitungsjunge mit Pinocchio-Nase bewirbt Fake News

Getty/Rich Vintage

Fake News als historisches Phänomen

Historisch betrachtet sind Fake News kein neues Phänomen: Sie stehen in einer Reihe mit irrtümlich oder gezielt verbreiteten „Zeitungsenten“, Gerüchten und Propaganda. Bereits im antiken Griechenland wurden bewusst falsche Informationen übermittelt, um die Städte Kleinasiens unter griechische Kontrolle zu bringen. Auch in den beiden Weltkriegen im letzten Jahrhundert wurden Nachrichten zu Zwecken der Kriegsführung gezielt manipuliert und gestreut. Dabei waren Kunstformen wie Film, Fotografie und Karikatur sowie Musik beliebte Vehikel für Propaganda.

Digitale Medien als Beschleuniger von Fake News

Doch durch die Nutzung mobiler Endgeräte, sozialer Netzwerke und digitaler Nachrichtenportale hat sich die Verbreitung von Fake News deutlich beschleunigt. Nicht nur schwelende politische und gesellschaftliche Debatten können dadurch befeuert werden. Festgefahrene Positionen, Vorurteile und Stereotype können sich in der Folge weiter verfestigen. Insbesondere kontroverse politische und gesellschaftliche Ereignisse bringen heutzutage ein erhöhtes Volumen von Falschnachrichten im Netz mit sich. Dazu gehören z. B. der Brexit, die europäische Flüchtlingskrise oder die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA. In der Endphase des US-Wahlkampfes 2016 wurden etwa die 20 erfolgreichsten Falschmeldungen häufiger geteilt, gelikt und kommentiert als die 20 erfolgreichsten Berichte seriöser Medien.

Auch populistische und extremistische Gruppierungen verbreiten über soziale Netzwerke gezielt Fake News, um ein breites Publikum zu erreichen und neue Anhänger zu rekrutieren. Anknüpfend an die Lebenswelt Jugendlicher, werden z. B. Propagandavideos im Stil moderner Videospiele verbreitet. Ein trauriges Beispiel für die Wirkmacht von Facebook-Propaganda ist die Vertreibung der inzwischen von Völkermord bedrohten muslimischen Minderheit Rohingya aus Myanmar: Laut Vereinten Nationen befeuerten gefälschte Fotos, Karikaturen und Berichte über mordende Muslime und ihre buddhistischen Opfer den Hass.

Tastatur mit roter Beschriftung Fake News

Getty/Andrey Popov

Diffamierung von politischen Gegnern und Presseorganen

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist der Begriff Fake News inzwischen derart etabliert, dass er auch genutzt wird, um wahre Nachrichtenmeldungen oder legitime politische Aussagen zu diffamieren. Die Bezeichnung „Lügenpresse“ wird in einer ähnlichen Weise verwendet. Durch die missbräuchliche Verwendung dieser Begriffe sollen politische Gegner oder Journalisten in ihrer Glaubwürdigkeit beschädigt werden. Dagegen sollen die eigenen Aussagen und Positionen in den Vordergrund rücken. Dies schafft ein Klima des Misstrauens in politische Vertreter und Presseorgane, die unter einen Generalverdacht der Lüge und Fälschung gestellt werden. Das Vertrauen in demokratische Strukturen kann dadurch mittelfristig ernsthaft beeinträchtigt werden.

Quellen

[1] Christian Schmidt (2019):

"Wissensblase Internet – Falsche Informationen (Fake News), Filterblasen und wie wir diese identifizieren", SocialMOOC über Fake News für das ZSL Bad Wildbad zurück nach oben

[2] F. Zimmermann/M. Kohring (2019):

Fake News als aktuelle Desinformation. Systematische Bestimmung eines heterogenen Begriffs. zurück nach oben

Anja Franz

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