Cybermobbing – was ist das?

Cybermobbing, seltener auch Cyberbullying, beschreibt absichtliches, systematisches und meist längerfristiges aggressives Handeln gegenüber anderen Personen mittels digitalen Kommunikationsmedien. Es reicht von Beschimpfungen und Beleidigungen per Chatnachricht über die Verbreitung von Lügen und Gerüchten in Messengergruppen bis hin zur Veröffentlichung privater Fotos, Videos oder Chatverläufe von Betroffenen auf sozialen Netzwerken. Für diese Form des Mobbings nutzen Täter/-innen Smartphone, Tablet, Computer oder Spielekonsole – kurzum, alle internetfähigen Endgeräte.

Im öffentlichen Diskurs wird Cybermobbing oft als ein Problem unter Jugendlichen dargestellt. Allerdings werden auch Erwachsene regelmäßig zu Cybermobbing-Tätern oder -Opfern. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Kolleginnen oder Kollegen online bloßgestellt, öffentliche Personen durch E-Mail-Shitstorms belästigt oder Ex-Partner/-innen auf Social Media diffamiert werden.

Trauriger Teenager mit Smartphone auf einer Parkbank

E+/Roshinio/Getty Images

Cybermobbing vs. Alltagskonflikt

Online-Medien als Interaktionsraum

Durch die rasant angestiegene Nutzung von mobilen Endgeräten haben sich Online-Kommunikationsmedien als zentrale Räume der Interaktion, Information, Unterhaltung und Beteiligung etabliert. Dies gilt in besonderem Maße für den Medienalltag Heranwachsender. Das Internet dient ihnen als eine Plattform, auf der sie ihre Persönlichkeit präsentieren, sich mit ihren Peers austauschen und soziale Beziehungen pflegen können.

Diese Erweiterung der Face-to-Face- durch Online-Kommunikation hat zur Folge, dass auch Diskussionen online geführt und Auseinandersetzungen online ausgetragen werden. Dort auftretende Konflikte sind unter Heranwachsenden alltäglich. Sie gehören zur Identitäts- und Beziehungsarbeit, indem die oder der Einzelne sich in der Gruppe positioniert. Aus diesem Grund ist es wichtig, nicht sämtliche Formen des Konflikts vorschnell unter der Kategorie „Cybermobbing“ zusammenzufassen, sondern sie differenziert zu betrachten.

Einschätzung der Betroffenen ist entscheidend

Entscheidend ist die Einschätzung der Betroffenen, was noch als Scherz oder normaler Streit und was hingegen als Mobbing empfunden wird. Die Grenze zwischen dem einen und dem anderen ist fließend. Einerseits kann schon ein lustig gemeinter Kommentar zum Konflikt führen, wenn die Empfängerin oder der Empfänger ihn nicht als Scherz wahrnimmt. Andererseits können auch Beleidigungen oder Beschimpfungen als Spaß oder einfacher Streit durchgehen, wenn sie als legitime Handlungsmöglichkeiten im sozialen Umfeld gelten.

Besonderheiten des Cybermobbings

Kein Machtungleichgewicht notwendig

Beim „klassischen“ Mobbing besteht in der Regel ein Machtungleichgewicht zwischen Täter/-in und Opfer. Beim Cybermobbing muss dies nicht zwangsläufig vorhanden sein. Die körperliche Distanz zwischen den Konfliktparteien und eine vermeintliche Sicherheit durch Anonymität können als eine Art Schutzraum fungieren. Dadurch wagen es auch Schwächere, selbst aktiv zu werden und aggressive Handlungsoptionen anzuwenden. Dies ist eine mögliche Erklärung dafür, warum jedes fünfte Cybermobbing-Opfer selbst zur Täterin oder zum Täter wird (siehe „Verbreitung von Cybermobbing“).

Entgrenzung von Zeit, Ort und Reichweite

Im Gegensatz zum persönlichen Mobbing von Angesicht zu Angesicht kann Cybermobbing jederzeit auftreten und Betroffene rund um die Uhr verfolgen. Da digitale Medien zeit- und ortsunabhängig sind, wird das Mobbing vom Schul- oder Arbeitsalltag oder gar von komplett Außenstehenden in die Familien- und Freizeit hineingetragen. Für die Opfer bedeutet dies, dass es keinen sicheren Rückzugsort mehr gibt. Dies kommt einem massiven Eingriff in die Privatsphäre gleich.

Problematisch ist außerdem, dass online veröffentlichte Inhalte potenziell eine sehr hohe Reichweite erlangen können. Einmal online, können andere sie beliebig speichern, teilen und vervielfältigen – und damit einer unüberschaubaren Öffentlichkeit zugänglich machen. Das führt dazu, dass Betroffene die Verbreitung der Inhalte kaum noch selbst kontrollieren können. Unter Umständen sind beleidigende Kommentare, bloßstellende Fotos oder entwürdigende Videos auch nach Jahren noch im Netz zu finden. Eine vollständige und dauerhafte Löschung ist nahezu unmöglich, da die Inhalte sowohl auf den Endgeräten der Sender/-innen und Empfänger/-innen als auch auf den Betreiberservern gespeichert sind. Kurz gesagt: Das Internet vergisst nichts.

Anonymität verändert Kommunikation

Auch die gefühlte Anonymität des Internets, in dem man sich hinter Pseudonymen und Nicknames verstecken kann, verändert die Kommunikations- und Streitkultur von Nutzerinnen und Nutzern. Die Hemmschwelle für negatives, aggressives Verhalten ist hier niedriger als im direkten Gespräch. Das fehlende emotionale Feedback des Gegenübers (Mimik, Gestik, Stimmlage) bewirkt, dass Täter/-innen die realen Folgen ihres virtuellen Fehlverhaltens oft nicht reflektieren. Durch eine derbe Wortwahl oder mangelnde Umgangsformen können auf diese Weise unbedeutende Konflikte schnell eskalieren. Dies gilt besonders für Situationen, in denen unbeteiligte Dritte in das Mobbing einsteigen können.
 

Katy Gillner

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