Ist Word unfehlbar?

Kinder im Grundschulalter halten die Rechtschreibprüfung von Textverarbeitungsprogrammen wie Microsoft Word oft für unfehlbar. Sie verlassen sich gerne blind auf die Unterstreichungen, auch wenn es sich dabei um Eigennamen handelt, die das jeweilige Programm nicht kennt. Monika Lüthje-Lenhart hat dieses Phänomen häufig im Unterricht beobachtet. Die Grundschullehrerin und Pädagogische Referentin am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) hat daher eine kleine Unterrichtseinheit entworfen, bei der die Kinder angeregt werden, die Rechtschreibprüfung zu hinterfragen.

Sie hat dazu ein digitales Arbeitsblatt erstellt, das den Kindern einen Denkanstoß gibt: Nachdem zunächst kurz und knapp die Funktionsweise der Rechtschreibprüfung erklärt wird, folgen drei Sätze. Einer ist richtig, enthält jedoch eine Fehlermeldung, einer ist falsch und enthält keine Fehlermeldung und der letzte enthält zu Recht eine Fehlermeldung, der zweite Tippfehler wurde aber nicht gefunden.

„Das kommt sehr gut an, wenn man den Kindern an dieser Stelle eine Detektivaufgabe stellt, so etwa: ‚Welcher Satz ist richtig? Wo sind Fehler?‘“, so die Lehrerin. „Das motiviert unheimlich, die wollen dann unbedingt herausfinden, wo der Haken an der Sache ist.“ Es dauere oft eine ganze Weile, bis sie auf die Idee kommen, dass der Ortsname Wössingen tatsächlich richtig geschrieben sein kann und der Fehler bei der Software liegt. „Da herrschte immer eine sehr aufgeregte, spannende Atmosphäre.“

Lüthje-Lenhart  unterrichtet an der Grundschule Wössingen bei Karlsruhe. Die Schule verfügt über einen Computerraum mit 14 Schüler-PCs und einem Beamer. Die Unterrichtseinheit hat sie meist in Gruppenarbeit durchgeführt. Vier oder fünf Kinder arbeiteten zusammen an der Suche nach der Lösung, die „Ideallösung“ wurde dann auf dem Beamer präsentiert. „Hier eignet sich ein Schulnetz wie die paedML besonders gut, man kann dann auch die entsprechende Datei an die anderen Gruppen verteilen“, so die Lehrerin.

Mädchen am Laptop

GettyImages/vgajic

Auch als Lernstation denkbar

Sie hat meist eine bis zwei Schulstunden mit Pause dazwischen für das Vorhaben eingeplant, die dann komplett im Computerraum verbracht wurde. Man könne die Aufgabe genauso gut in eine Stationenarbeit einbetten. Neben einem Textverarbeitungsprogramm eigne sich auch die Autokorrekturfunktion von Smartphones, um die Unfehlbarkeit der Technik in Frage zu stellen.

Durchgeführt wurde die Einheit meist in der dritten Klasse. „Die Kinder sollten über gewisse Grundfertigkeiten in der Rechtschreibung, im Verfassen von Texten und im Umgang mit Computer und Tastatur verfügen“, so Monika Lüthje-Lenhart.

Die Regeln der Groß- und Kleinschreibung sollten sie kennen, da sie sonst mit der Rechtschreibüberprüfung überfordert wären. Auf die Unterscheidung nach Rechtschreibungs- und Grammatikfehlern (blaue oder rote Unterstreichung im Word) ist sie jedoch nicht eingegangen. „Das wäre für die meisten Kinder zu viel gewesen.“

Die simple Unterrichtsidee sorgte für interessante Denkanstöße bei den Kindern. Sie erkannten, dass auch Computer nicht unfehlbar sind. Die Frage „Wer ist schlauer, der Computer oder wir?“ konnten sie eindeutig beantworten: Wir!

Dem Computer auf die Sprünge helfen

Als Tüpfelchen auf dem i fanden die Drittklässler zum Schluss heraus, wie sie selbst dem Computer beibringen konnten, zukünftig „Wössingen“ zu kennen. Mit „Hinzufügen zum Wörterbuch“ haben sie ihm etwas beigebracht, ein tolles Gefühl.

Wer die Einheit selbst durchführen möchte, kann bei SESAM das Arbeitsblatt als Word-Dokument herunterladen und nach individuellen Bedürfnissen umgestalten.

Unterrichtsmaterial bei SESAM

Sie können die Materialien zu dieser Unterrichtsidee in der SESAM-Mediathek herunterladen.

SESAM-Mediathek

Jiří Hönes

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