Kunstunterricht am PC

Die Arbeit mit Ausschnitten bekannter Kunstwerke erfreut sich großer Beliebtheit im Grundschulunterricht: Die Kinder vervollständigen das Bild mit eigenen Ausdrucksmitteln und setzen sich dabei gleichzeitig mit dem Original auseinander. Monika Lüthje-Lenhart, Grundschullehrerin und pädagogische Referentin am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ), hat diese klassische Methode mit der Arbeit am Computer verknüpft. Zum Einsatz kamen dabei das Malprogramm MS Paint und die Textverarbeitungssoftware MS Word.


Sie zeigte den Kindern ihrer 4. Klasse an der Grundschule Wössingen am Beamer einen Ausschnitt des Gemäldes Ich und das Dorf von Marc Chagall. Sie erhielten den Auftrag, sich zu dem Bild eine Geschichte zu überlegen: „Worum geht es in dem Bild? Was denkt der Maler?“ Danach wurde das Malprogramm MS Paint geöffnet und eine Datei  mit dem Bildausschnitt und entsprechender Freifläche zur Verfügung gestellt. Es stand den Kindern frei, alleine oder zu zweit an einem PC zu arbeiten. Entgegen sonstiger Gewohnheiten in der Klasse, entschieden sich hier die meisten für die Einzelarbeit. Wichtig war der Lehrerin, dass die Kinder die Grenzen zwischen dem Ausschnitt und ihren eigenen Ergänzungen möglichst stimmig gestalteten, so dass Farben und Stilmittel eine harmonische Gesamtwirkung ergaben.

Kind mit Tablet und Malsachen

GettyImages/DragonImages

„Wunderschöne, fast lyrische Ergebnisse“

An der Schule ist es üblich, nach der freien Heranführung an das Malprogramm im Anfangsunterricht Jahr für Jahr aufeinander aufbauend neue Werkzeuge einzuführen. Zu diesem Anlass war dies der „Kopierstempel“ im Bildbearbeitungsprogramm, der sich gerade zum Gestalten der Übergänge gut eignet. „Diese Arbeitsphase dauerte etwas über eine Schulstunde, die Kinder arbeiteten sehr konzentriert, es war ganz ruhig im Raum und wir haben Musik laufen lassen. Schließlich hat es ganz wunderschöne, fast lyrische Ergebnisse gegeben“, berichtet Monika Lüthje-Lenhart begeistert.


Im Anschluss sollten die Kinder ihren Werken eigene Namen geben und den anderen mitteilen, wie es zu den Bildern kam und was sie darstellen. „Da kamen ganz rührende Sachen zur Sprache, eine Schülerin etwa beschrieb ihr Bild: ‚Der hat ’nen Schutzschild und befreit das Mädchen‘, für einen anderen war es dagegen ein Urlaubsbild“, so die Lehrerin. Die Präsentation der Ergebnisse erfolgte so, dass jedes Kind sein Bild reihum allen anderen vorstellen und erläutern konnte, wie bei einem Museumsbesuch. Mit einem Gong wurden die Präsentationszeiten getaktet und es ging weiter zum jeweils nächsten Bild.

„Original und Fälschung“

Zuletzt erhielten die Kinder die Aufgabe, im Internet auf einer vorgegebenen Seite (kidsnet.at) nach dem Originalbild zu suchen und seinen Titel und den Namen des Künstlers herauszufinden. Dieses Bild sollten sie dann in ein Word-Dokument einfügen und ihrem Bild gegenüberstellen. Zudem sollte jeweils der Titel des Bilds darüber vermerkt werden. Monika Lüthje-Lenhart beobachtete, dass die Kinder oft „Original“ und „Fälschung“ oder „Chagalls Bild“ und „Mein Bild“ über die Bilder schrieben, sie setzten sich also mit Aspekten wie Kopie, Verfremdung und Urheberschaft auseinander.


Eine weitere Rechercheaufgabe war es, auf der genannten Seite die wichtigsten Lebensdaten Chagalls zu recherchieren und in Word einen kleinen Text dazu zu verfassen. Monika Lüthje-Lenhart hat für die SESAM-Mediathek Aufgabenblätter mit Arbeitsaufträgen angelegt, die dort zusammen mit einer Beschreibung der Unterrichtsidee heruntergeladen werden können.


Zusätzlich hat Monika Lüthje-Lenhart die Bilder der Schülerinnen und Schüler mit Windows Movie Maker zu einem kleinen Film zusammengestellt, den man sich auf der Internetseite der Grundschule Wössingen anschauen kann.

Beispiele

Dorfszene mit Hunden und Meerjungsfrau

Rechts bis zur Nasenspitze das Original, links die Ergänzung.

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Dorfszene mit Hund ohne Meerjungfrau

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Unterrichtsmaterial bei SESAM

Sie können die Materialien zu dieser Unterrichtsidee in der SESAM-Mediathek herunterladen.

SESAM-Mediathek

Jiří Hönes

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