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Typisch anders! - Russische Spielfilme und Bildungsplan 2016

Anfang November lief im Stadtmedienzentrum Stuttgart ein ungewöhnlicher Film. Vor ungewöhnlichem Publikum. Gezeigt wurde „Das Projekt des Ingenieurs Pright“, ein russischer Stummfilm aus dem Jahr 1918. Im Publikum des Lehrerweiterbildungsseminars befanden sich sechs russische Deutschstudentinnen aus Samara, der Partnerstadt von Stuttgart.

Das nachmittägliche Seminar war Teil der Weiterbildungsreihe „Typisch anders“, die Elisabeth Rangosch-Schneck mit sieben russischen Spielfilmen konzeptionierte, die innerhalb einer Woche an unterschiedlichen Orten gezeigt wurden. Die Auswahl auch eines zunächst ungewöhnlich erscheinenden Films erfüllte ihren Zweck. „Überraschend ist für mich“, sagte eine Studentin, „dass man in einem solch alten Film aktuelle Sachen finden kann.“ Eine andere bemerkte „die Vielfalt der Themen, die wir im Rahmen des Seminars über einen Stummfilm angesprochen haben“.

 

Die Reihe verband schulfachspezifische Aspekte mit denen der Filmbildung. Der Film „Das Projekt des Ingenieurs Pright“ wurde von Lew Wladimirowitsch Kuleschow gedreht, dessen Name mit dem Kuleschow-Effekt verbunden ist. Zum Zeitpunkt der Produktion erst 19 Jahre alt, nutzte er die unruhige Zeit während des Weltkrieges und der Oktoberrevolution, um einen Film zu drehen, der zwar in Russland entstand, der jedoch in Amerika spielt. In Arbeitsgruppen analysierten die Teilnehmer den Film unter den Stichwörtern „Symbole“, „Wirtschaft“ und „Ideale und Normen“. Erstaunlich, was sich dabei – über das rein Historische hinaus – auch an zeitgemäßen Inhalten finden ließ. Martin Löhle, Realschullehrer und Fachberater im Staatlichen Schulamt Stuttgart, meinte: „Der Film ‚Das Projekt des Ingenieurs Pright‘ scheint näher an der Jetztzeit hier in Deutschland angedockt als an der damaligen russischen Realität. Stichworte: Umweltschutz (Energie sparen), Emanzipation, Kapitalismus-Kritik.“ Und er ergänzt: „Ich finde, der Film wirkt bei der Auseinandersetzung mit diesen Stichworten mehr als Spiegel der Zeit von vor 100 Jahren als es Dokumentarfilme mit Originalmaterial und auch Spielfilme über diese Zeit könnten.“ Allerdings bedarf es dazu mehr als nur des reinen Betrachtens. Weitere Infos von Herrn Löhle

Ausgestattet mit einer Einführung und den von Frau Rangosch-Schneck vorgegeben Stichwörtern entstand nach der Analysephase eine angeregte Diskussion darüber, wie ein solcher Film als Fenster in die Vergangenheit ebenso dienen kann wie als Kristallisationspunkt aktueller Diskurse.

Mehr zu den Workshops und deren Inhalten unter www.typischanders.de

 

Bericht: Constantin Schnell, Landesmedienzentrum BW, cschnell@lmz-bw.de

 

Projektbetreuerin:

Elisabeth Rangosch-Schneck

E-Mail: lehrer.bildung.migration@gmail.com oder rangosch-schneck@hdm-stuttgart.de

 

 

Weitere Infos unter

http://schulamt-stuttgart.de/,Lde/Startseite/Fortbildung/Migranten+machen+Schule_

 

 

20.12.2017, Ki