Medienzentrenverbund: Gemeinsam für starke Medienbildung in Baden-Württemberg
Daniel Tuma und Dr. Peter Jaklin, Stabsstelle Medienzentrenverbund. Bild: Marlene Feller/LMZ
Im Gespräch mit Daniel Tuma und Dr. Peter Jaklin: „Herausforderungen im Land können wir nur gemeinsam lösen!”
Der Medienzentrenverbund ist ein wichtiger Baustein für die Bildung in ganz Baden-Württemberg – früher, heute und in Zukunft.
Warum er eine so große Rolle spielt, erklären der Leiter unserer Stabsstelle Medienzentrenverbund am LMZ, Daniel Tuma, und sein Team-Kollege Dr. Peter Jaklin, seit über 30 Jahren am LMZ, im Interview.
Medienzentren – kompetente Beratung vor Ort
Viele denken bei „Medienzentren“ zuerst an Geräteverleih, historisch bedingt. Was macht die Medienzentren heute aus?
Daniel: Mit dem Medienentwicklungsplan sind die Schulen inzwischen weitestgehend gut technisch ausgestattet. Es hat sich außerdem gezeigt, dass es keine Probleme löst, Schulen nur Geräte zu geben. Was wir brauchen, sind Beratung, Unterstützung, Fortbildungen und Workshops, um die Medienbildung zu stärken – regional, vor Ort. Diese Transformation weg vom klassischen Geräteverleih zum direkten Ansprechpartner für Schulen haben wir gemeinsam mit den Medienzentren geschafft: Heute sind sie auf 38 Standorte in ganz Baden-Württemberg verteilt.
Peter: Gerade, weil die Medienzentren vor Ort sind, sind sie für die Schulen ein wichtiger Unterstützer. Zumal die Leitungen der Medienzentren einen pädagogischen Hintergrund haben, haben sie ein anderes Verständnis dafür, was die Schule gerade benötigt.
Peter, du hast die Entwicklung vom Geräteverleih zur zentralen Anlaufstelle für Lehrkräfte miterlebt. Was waren die wichtigsten Schritte für diese Transformation?
Peter: Dass die Medienzentren im Laufe der Jahre wesentlich besser und enger zusammengearbeitet haben, hat ihrem gesamten Tun mehr Wirkkraft verliehen. Wir haben am LMZ gemeinsam die Stabsstelle Medienzentrenverbund unter Daniels Leitung geschaffen, die die organisatorischen Schwerpunkte sowie inhaltlichen Themen zusammenbringt. Auf diese Weise sind eine Vielzahl an Projekten wesentlich enger vernetzt, z.B. das Thema Making, Robotik und – für mich ein absolutes Highlight – das FSJ digital.
Daniel: Das stimmt. Wir lösen die Herausforderungen im Land nicht allein, sondern gemeinsam! Das zeigt sich auch in Zukunft, bspw. bei dem aktuellen Thema Handyregelung in Schulen. Trotz aller Digitalität brauchen wir als LMZ den Kontakt mit Schulen und den können wir nur durch die Medienzentren herstellen.
Werden wir konkret: Wie tragen die Medienzentren dazu bei, Chancengerechtigkeit in der Bildung zu fördern?
Daniel: Eine Kernkompetenz der Medienzentren, inklusive des Landesmedienzentrums, ist, dass wir uns selbst immer wieder neu erfinden müssen, um zu bestehen. Das bedeutet, dass wir uns fortlaufend mit neuen, aktuellen Themen zur Medienbildung beschäftigen und diese kostenfrei aufbereiten. Wir bieten somit die Chance, allen das gleiche Wissen zu vermitteln, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten. Schulen, die bspw. keinen Makerspace haben, können in die Medienzentren kommen, um dort Making mit ihren Schülerinnen und Schülerinnen zu erleben. Auf diese Weise schafft der Medienzentrenverbund Bildungsgerechtigkeit.
Peter: Die Schnelllebigkeit im Medienbereich macht diese Aufgabe nicht einfacher. Wenn ich überlege, wie lange sich der 16-Millimeterfilm gehalten hat, dann kam Video, dann CD – alles ging immer schneller – und jetzt sind wir beim Thema KI. Medienzentren müssen sich permanent an neue Medien heranwagen, um zeitgemäße Projekte anzubieten.
Die Zukunft unserer Medienbildung in Baden-Württemberg
Ihr wart beide als Lehrer tätig. Was habt ihr aus der Zeit als Lehrkraft und aus der Zeit am LMZ gelernt?
Daniel: Mit dem Blick aus der Praxis können wir Angebote entwerfen, die Lehrkräften echte Unterstützung bieten. Die Arbeit am LMZ hat mir den Teamgedanken verdeutlicht. Gerade Lehrkräfte sind häufig im Einzelkämpfermodus und im System allein gelassen. Die Projekte im Medienzentrenverbund können wir gar nicht im Alleingang umsetzen. Da geht es um Zusammenarbeit.
Peter: Was ich in den Jahren gelernt habe, ist der respektvolle Umgang mit Menschen jeden Alters. Wenn ich offen bin für Vorschläge, die nicht auf meiner Wellenlänge liegen, entstehen häufig neue Ideen – auch für mich selbst.
Daniel: Im Endeffekt dürfen wir nie vergessen, dass wir die Arbeit für die Lehrkräfte und vor allem für die Schülerinnen und Schüler machen und dass wir unser Ego deswegen auch mal hintenanstellen dürfen!
Welche Kompetenzen brauchen Kinder in Zukunft und wie kann der Medienzentrenverbund dabei unterstützen, diese zu erlangen?
Peter: Sie brauchen das Handwerkzeug zum kompetenten Umgang mit Medien; so dass sie wissen, wann sie welches Medium einsetzen, um ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Da gehört auch die Spielebene dazu. Unsere Aufgabe ist es, die Kinder auf ihrem Weg zu begleiten, anstatt alles zu verdammen.
Daniel: Für mich spielt Demokratiebildung eine große Rolle. Unser gesellschaftlicher Auftrag ist es, die Heranwachsenden zur Selbstständigkeit zu befähigen. Wir wollen, dass unsere Kinder mündige Bürgerinnen und Bürger werden, die Inhalte kritisch hinterfragen. Diesen Auftrag können weder Eltern noch die Schule allein bewältigen – das funktioniert nur im Zusammenschluss.
Peter: Das ist mein Wunsch für die zukünftige Medienbildung in Baden-Württemberg: Dass die verschiedenen Player – Politik, Schule, Eltern und wir als MZV – enger zusammenarbeiten, um gemeinsam diesen Weg zu meistern.
Gute Überleitung: Was braucht es, um die Medienbildung in Baden-Württemberg in Zukunft zu stärken? Was braucht der Medienzentrenverbund?
Peter: Die entsprechende Ressourcenausstattung ist wichtig, um Projekte langfristig und mit einer sauberen Perspektive zu denken.
Daniel: Ganz genau. Um die Medienzentren weiterhin zu stärken und unsere Aufgaben im richtigen Rahmen umsetzen zu können, brauchen wir dringend ein neues Medienzentrengesetz, das die Rollen und Aufgaben der einzelnen Parteien klar definiert. Denn die meisten Aufgaben werden nie beendet sein, sondern sich immer weiterentwickeln. Wenn das gelingt, dann werden wir als Medienzentrenverbund auch von allen Beteiligten wahrgenommen: als die Ansprechpartner, die Unterstützung zur Medienbildung bieten.
Herzlichen Dank für das Gespräch, lieber Peter und Daniel und danke für euer Engagement!

