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Finfluencer: Wenn Instagram Tipps für die Altersvorsorge gibt

Sascha Schmidt

Das Thema Geldanlage in sozialen Medien

Themen wie Geld anlegen und private Altersvorsorge waren lange Zeit kein allzu spannendes Thema für jüngere Altersgruppen. Dies scheint sich allmählich zu ändern, denn jüngst verzeichnen sogenannte „Finfluencer“ in sozialen Medien wie Instagram immer größere Erfolge. Sie teilen Tipps und Erfahrungen rund ums Thema Finanzen. Was dahinter steckt und wo die Herausforderungen liegen.

Finanzwissen einfach und niederschwellig erklärt

„Gemeinsam zur finanziellen Freiheit“ – Slogans wie diese prangern derzeit in den Profilbeschreibungen vieler Social Media Profile. „Finfluencer“ nennen sich die Profilbetreiber/-innen, die ihre Finanzen und Anlagestrategien auf Instagram und Co. offenlegen. Der Begriff „Finfluencer“ setzt sich zusammen aus „Finanzen“ und „Influencer“. Er bezieht sich also auf reichweitenstarke Profile, die sich inhaltlich mit der Finanzwelt beschäftigen. Auf den Profilen erklären die Betreiber/-innen ihr Finanzwissen einfach, übersichtlich und leicht verdaulich. So werden in Beiträgen beispielsweise Begriffe aus dem Finanzwesen mit Kurztexten, einfachen Schaubildern und Memes erläutert, in Live-Übertragungen Fragen aus der Community beantwortet oder in den Instagram Stories aktuelle Investments veröffentlicht. Einen beruflichen Hintergrund im Finanzwesen bringen die wenigsten Finfluencer mit. Für die meisten ist Investieren ein Hobby, welches sie über Social Media vermarkten können. Die Follower der Finfluencer-Profile sind laut Betreiber/-innen größtenteils jung, Anfang 20 bis Anfang 30, überwiegend männlich. Aber auch in den Klassenzimmern der Sekundarstufe II weckt das Thema gerade unter Jungs zunehmend Interesse, wie Lehrkräfte dem Landesmedienzentrum (LMZ) berichten.

„Keine Anlageberatung“ – Dieser Hinweis prangert in den meisten Profilbeschreibungen und/oder den Beiträgen der Finfluencer. Damit möchten sich die Profil-Betreiber/-innen absichern, sodass sie nicht für das Nachahmen von möglichen Fehlinvestitionen belangt werden können. Denn inhaltlich geht es um ein heikles Thema, nämlich Geld. Investiert wird beispielsweise in Aktien, Fonds oder Kryptowährungen. Dabei hat jede/-r Finfluencer ihre/seine ganz persönlichen Investment-Präferenzen. Auf den Profilen werden regelmäßig Depots der Betreiber/-innen öffentlich gezeigt und nicht selten sind hier 6- oder 7-stellige Summen in bestimmte Anlageklassen investiert. Schnell wird mit hohen Renditen geworben. Verluste oder Fehlinvestments werden längst nicht auf allen Profilen thematisiert. Viele erfolgreiche Finfluencer-Profile sind zudem anonym, Inhalte werden also ohne persönliche Informationen zum Hintergrund der Betreiber/-in geteilt.

So verdienen Finfluencer Geld

Immer mehr Finfluencer verdienen mit ihrer Reichweite Geld. Die Wege, dies zu tun, sind vielfältig. Ähnlich wie auch bei anderen Shopping-Influencern arbeiten Finfluencer häufig mit Affiliate-Links. Sie erhalten also eine Provision für die Vermittlung eines Produkts oder eines Vertragsabschlusses. Meist werden die Finfluencer vergütet, sobald deren Follower über einen bestimmten Link ein Konto/Depot bei einer Bank oder einer Investment-Plattform eröffnen. Andere Verdienstmöglichkeiten bestehen im Verkauf von Coachings, Premium-Mitgliedschaften oder Zutritte in private Gruppenchats bzw. Foren, in denen die Finfluencer ihre Investments angeblich detaillierter darlegen.

Die Followerzahl ist kein Gütesiegel!

Den Finfluencern schreiben viele Nutzer/-innen aufgrund ihrer hohen Reichweite/Followerzahl finanzielles Know-How zu. Dies birgt jedoch die Gefahr von unreflektierten Handlungen. Dabei gilt für alle Nutzer/-innen, die sich für das Thema Investments interessieren: Investmententscheidungen sollten stets auf Basis eigener Recherche und Überzeugung gefällt werden. Wer blind nachahmt und sich auf der Suche nach finanziellen Ratschlägen ausschließlich auf Tipps in sozialen Medien verlässt, der geht das Risiko des Geldverlustes ein. Denn die finanziellen Bedürfnisse, Voraussetzungen und auch Motive sind bei allen Nutzerinnen und Nutzern unterschiedlich. Gleiches gilt für die Wahl der Investment-Plattform: Auch hier sollten Nutzer/-innen darauf achten, seriöse Anbieter zu wählen und Preis/Leistung zu vergleichen. Eine Empfehlung durch einen Finfluencer muss lange nicht bedeuten, dass das beworbene Angebot seriös ist und zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Aktien kaufen – So einfach wie nie, so riskant wie nie

Waren bis vor wenigen Jahren Aktienkäufe teils mit größerem Aufwand und häufig nur via Bankauftrag möglich, so eroberten in der jüngsten Vergangenheit sogenannte Neo-Broker den Markt. Neo-Broker sind Online-Broker, welche den Kauf und Verkauf von Wertpapieren, Kryptowährungen und anderen Anlageklassen möglichst einfach und niederschwellig gestalten. Kauf und Verkauf läuft dabei mit wenigen Klicks via App oder im Browser. Die Nutzung vieler Angebote ist in der Basisvariante kostenfrei und für einzelne Orders sind nur geringe Gebühren von etwa 1 Euro fällig. Die Gefahren dieser niederschwelligen Angebote liegen vor allem darin, dass Nutzer/-innen laut Verbraucherzentrale zum „Zocken“ verführt werden. Sie ahmen Investmententscheidungen von Finfluencern ohne eigene Recherche nach und wägen die verbundenen Risiken nicht ab.

Tipps zum Umgang mit Finfluencern

Was sollten Nutzer/-innen beachten, wenn sie soziale Medien als Quelle für Investment-Entscheidungen nutzen und welche Tipps können Lehrkräfte und Eltern den Heranwachsenden geben? Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) beschäftigte sich jüngst mit dem Thema Finfluencer und gibt Tipps für den Umgang:

  1. Identität prüfen! Kann die hinter dem Profil steckende Person eindeutig identifiziert werden? Gibt es seriöse Quellen für den beruflichen Hintergrund der Person?
  2. Die Followerzahl ist kein Gütesiegel! Nutzer/-innen sollten sich nicht von Zahlen wie Followern oder Likes beeinflussen lassen. Diese können manipuliert werden und sagen nichts über das Know-How der Betreiber/-innen aus.
  3. Chancen und Risiken abwägen! Nicht alle beworbenen Investments haben nur Vorteile oder sind korrekt und mit allen Facetten dargestellt. Viele Anlageklassen sind mit hohen Risiken verbunden. Zur Recherche sollten Nutzer/-innen deshalb unabhängige Quellen wie die Verbraucherzentralen heranziehen.
  4. Nicht unter Druck setzen lassen! Mit ihren Entscheidungen vermitteln Finfluencer häufig Zeitdruck. Nutzer/-innen befürchten, bei Nicht-Handeln ein gutes Investment zu verpassen. Es greift der sogenannte FOMO-Effekt (fear of missing out). Investment-Entscheidungen sollten jedoch stets in Ruhe abgewägt werden und nicht unter Zeitdruck entstehen.
  5. Motive hinterfragen! Welche Motive stecken hinter den Beiträgen der Finfluencer? Welche Rolle spielen Provisionen oder sonstige Vergütungen bei der Bewerbung von Investments? Möchten die Finfluencer mit ihren Inhalten eine bestimmte Kursbewegung einleiten, um von dieser profitieren zu können? All diese Fragen sollten sich Nutzer/-innen vor Investment-Entscheidungen stellen.
  6. Vorsicht bei privaten Chatgruppen! Beim Wechsel auf private Chats geben Nutzer/-innen ihre Kontaktdaten preis und riskieren damit unerlaubte Telefonwerbung. Zudem sind Inhalte in privaten Chats kaum durch die Plattformbetreiber überprüfbar.
  7. Im Zweifelsfall Hilfe einholen! Opfer von Betrugsmaschen in sozialen Medien sollten sich an die Polizei wenden. Auch das Verbrauchertelefon der BaFin bietet eine erste Anlaufstelle.

Weitere Tipps zu Online-Investmentangeboten finden Interessierte auf der Website der BaFin.

Sascha Schmidt

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