Media Spots 1: Medienbildung am Nellenburg-Gymnasium Stockach

Katrin Börm und Michael Vollmer vom Nellenburg-Gymnasium in Stockach. Bild: Martin Storz

Das Nellenburg-Gymnasium in Stockach hat die Herausforderungen der Medienbildung angenommen. So wurde in enger Abstimmung mit dem Schulträger eine technische Ausstattung für das pädagogische Arbeiten ermöglicht. Zudem wurden pädagogische Kompetenzen und personelle Zuständigkeiten definiert, die zu einem kooperativen und projektorientierten Rahmen der Medienbildung geführt haben. Oberstudiendirektor Michael Vollmer und Oberstudienrätin Dr. Katrin Börm schilderten beim Bildungskongress 2017, wie sich ihrer Schule auf den Weg gemacht hat, die Medienbildung im Alltag systematisch zu integrieren.

 

Die Schule verfügt über zwei PC-Räume mit Internetzugang, Beamer und Dokumentenkamera. In den beiden Geographieräumen gibt es jeweils ein Interaktives Whiteboard und zudem verfügt die Schule über einen Multifunktionsraum mit flexibler Möblierung, der für Projektarbeit genutzt werden kann. Michael Vollmer betonte, dass man immer nach dem Prinzip „Pädagogik first, Ausstattung second“ verfahre. Ohne ein ausgereiftes pädagogisches Konzept werde auch keine Technik angeschafft. So wünscht sich derzeit die Fachschaft Natur und Technik einen Klassensatz Tablets oder Notebooks. Das gebe es aber erst, wenn die Fachschaft ein Konzept vorlegen könne, bei dem auch alle Lehrkräfte die Geräte nutzen. „Ressourcen sind rar“, so der Schuldirektor.

„Ressourcen sind rar“

Das gilt nicht nur für finanzielle Mittel, sondern auch für das Personal. Die IT-Beauftragte, die für die PC-Räume und das Lehrerzimmer zuständig ist, steht mit ihren etwas mehr als zwei Anrechnungsstunden ständig an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Für die gesamten anderen Zimmer sind zwei weitere Kollegen zuständig, die die gesamte Hardware betreuen. „Das ist schlicht und einfach zu wenig, was da an Ressourcen bereitgestellt wird.“

 

Unterstützung bei der Medienbildung gibt es jedoch auch durch externen Partner. Jedes Schuljahr nimmt die Schule mit Klassen an den Jugendmedienschutzveranstaltungen von Sparda SurfSafe teil, mit dem Polizeipräsidium pflegt die Schule eine Präventionskooperation zu Mediengefahren in Klasse 7 und man hat nun schon im dritten Jahr die Kölner Theatergruppe Comic On mit ihren Stücken „r@usgemobbt.de“ und „RAUSGEMOBBT 2.0“, welche sich mit Cybermobbing befassen, zu Gast. „Das wird intensiv vor- und nachbereitet, um Nachhaltigkeit zu erzielen.“ Solche Angebote sind natürlich kostspielig, und so ist man froh, dass dabei beispielsweise der Lions Club finanzielle Unterstützung leistet.

Auf dem Weg zum Mediencurriculum

Die Entwicklung des schuleigenen Mediencurriculums begann nach Veröffentlichung der Bildungspläne 2016 mit dem Basiskurs Medienbildung. Im Rahmen eines Pädagogischen Tags wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die das Curriculum entworfen hat. Dieses wurde der Gesamtlehrerkonferenz (GLK) vorgelegt und von dieser zur Umsetzung beschlossen. Im Schuljahr 2016/17 setzten dann alle Klassen- und Fachlehrer/-innen der Klasse 5 dieses Curriculum um. Am Ende des Schuljahrs wurde in einer Bilanzkonferenz erörtert, was gut lief und wo es Optimierungsbedarf gab. Zur weiteren Verfeinerung des Konzepts holte man sich Unterstützung beim Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ), das eine Fortbildung zum Curriculum und zum Basiskurs Medienbildung angeboten hat.

 

Die konkrete Ausgestaltung des Basiskurses veranschaulichte Katrin Börm, die an den Konferenzen beteiligt war. Bei den Workshops, in denen geklärt werden sollte, wie die Medienbildungsinhalte auf die Fächer verteilt werden sollten, kam allen Beteiligten in erster Linie das Fach Deutsch in den Sinn. Da Deutsch jedoch schon in puncto Rechtschreibung und Grammatik ein „Zulieferer für andere Fächer“ sei, fragte man sich, wie man das Fach entlasten könnte. So kam man schließlich dazu, dass vor allem am Anfang manche Inhalte, insbesondere technische Kompetenzen, im Fach Mathematik verortet wurden.

Der Basiskurs Medienbildung in der Praxis

Zunächst habe man zudem vorgehabt, viele Medienbildungsinhalte im Geographieunterricht unterzubringen. Doch da dieses Fach nach der Bildungsplanreform weniger Kontingentstunden zur Verfügung hatte, entschied man sich, verstärkt auf Biologie, Naturphänomene und Technik (BNT) zu setzen. Es gab an der Schule schon eine lange Tradition, sich an Jugend forscht zu beteiligen. Bislang waren es meist Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, die daran teilgenommen hatten. Doch seit dem verstärkten Einsatz von digitalen Medien im BNT-Unterricht der Klasse 5 setze man auf ein großes Engagement von jetzigen Sechstklässler/-innen in diesem Bereich. „Da hat uns der neue Bildungsplan nochmal richtig gepusht in einem Bereich, in dem wir uns ohnehin schon stark engagiert haben“, so die Lehrerin.

 

So wurden beispielsweise Tiersteckbriefe entwickelt, welche auch der Öffentlichkeit präsentiert wurden. „Dabei lernten die Kinder ganz viele Grundfertigkeiten im Umgang mit dem PC, die sie später in vielen Fächern und auch Berufen brauchen“, betonte Vollmer. In Deutsch wird am Nellenburg-Gymnasium insbesondere der Bereich der Textproduktion mit digitalen Medien umgesetzt. Es entstand beispielsweise ein Märchenbuch mit selbstverfassten Märchen, das als „Erinnerungsprodukt“ auch bei Eltern auf gute Resonanz stieß. Zudem wurden griechische Sagen in Form von Podcasts vertont.

 

Vollmer fasste die Bemühungen um den Basiskurs Medienbildung zusammen: „Wir wollten nicht die 36 Stunden Basiskurs auf den Fachunterricht oben drauf setzen, sondern wir wollten, dass es sich positiv auf das Vertiefen von Inhalten auswirkt und wollten Selbständigkeit und Binnendifferenzierung fördern.

 

Ohne medienwirksame Leuchtturmprojekte, dafür mit großem kollegialem Engagement und bedachtem Einsatz von Ressourcen hat das Nellenburg-Gymnasium seinen Weg gefunden, die Medienbildung in den Schulalltag und insbesondere in den Fachunterricht zu integrieren. Die Präsentation von Michael Vollmer und Katrin Börm stieß gerade deshalb auf reges Interesse seitens der anwesenden Schulvertreterinnen und -vertreter, denn sie zeigten, dass jede Schule in der Lage ist, diesen Weg zu gehen.