Das Appartment

The Apartment

USA 1960

Regie: Billy Wilder.

Kamera: Joseph LaShelle.

Länge: 120 Min. s/w

Darsteller: Jack Lemmon, Shirley MacLaine, Fred MacMurray, Ray Walston.

 

Leihmöglichkeit: DVD-Video (Nr. 4650744) in der LMZ-Medienrecherche.

Lexikon Filme im Fernsehen: Das Apartment

Liebeskomödie. Bud Baxter gedenkt Karriere zu machen, er überläßt seinen Vorgesetzten den Schlüssel zu seiner Wohnung: für amouröse Abenteuer; aber er ahnt nicht, daß auch die Frau, die er liebt, bei ihm ein und aus geht. Billy Wilder („Manche mögen's heiß”) inszenierte die kritische Komödie als Kommentar zur landläufigen Moral; zynisch und bissig.

 

Quelle: Heinzlmeier, Adolf: Lexikon Filme im Fernsehen. Hamburg 1990.

Metzler Filmlexikon: The Apartment

Eigentlich ist C. C. Baxter kein Mann, der nach oben will. Vielleicht weil er weiß, daß der Absturz umso schlimmer sein wird, schließlich kennt er seine Möglichkeiten. Ein feiner Zynismus klingt an, wenn er eine Statistik über New York und das Büro, in dem er arbeitet, aufstellt. Billy Wilder gelingt es, mit der Einführung – eine Voice-over-Exposition mit ähnlichen Untertönen wie in Sunset Boulevard und Double Indemnity – die soziale Existenz seines Helden und dessen gebrochenes Selbstbewußtsein mit wenigen Worten zu umreißen.

 

Baxter muß zwangsläufig einen gewissen Zynismus entwickeln: Während er auf der Straße steht und friert, wird seine Wohnung von einem Kollegen für ehebrecherische Eskapaden benutzt. Zähneknirschend duldet Baxter dies; es ist nicht das erste Mal. Angefangen hat es damit, daß ein Mann aus seiner Abteilung einen Ort suchte, um in seinen Smoking zu schlüpfen, und dann hat es sich eingebürgert, daß er seine Wohnung bereitwillig zur Verfügung stellt. Baxter, der sich als „ein unter acht Millionen Menschen gestrandeter Robinson Crusoe” selbst bemitleidet, weiß sich nicht zu wehren: Seine Hilflosigkeit beruht auf Mangel an Menschenkenntnis und Ich-Schwäche. Er läßt sich von allen benutzen und bemerkt erst im Nachhinein, daß er auch Kapital daraus schlagen kann. Als ihn der Personalchef Sheldrake auf die außerordentlich lobenden Bemerkungen in seiner Akte anspricht, geschieht dies mit einem ironischen Unterton und nur, um sich selbst den Schlüssel von Baxters Appartement geben zu lassen. Er verlangt sogar einen Zweitschlüssel, schließlich ist er unter Baxters Kunden der Hochrangigste und darf dafür auch einen gewissen Luxus erwarten.

 

Naiv ist Baxter nicht, aber er kann seine Schwäche erst überwinden, als er erkennt, daß es sich bei Sheldrakes Geliebter um die Fahrstuhlführerin Miss Kubelik handelt, in die er selbst verliebt ist. Ein zerbrochener Spiegel in seiner Wohnung bringt es an den Tag. Auf Baxters Bemerkung, das Glas habe einen Sprung, erwidert Miss Kubelik: Genauso fühle sie sich auch. Baxter geht es nicht anders: Sein bis dahin nur vage wahrgenommener Opportunismus wird ihm bewußt, doch was soll er machen? Er läßt sich von einem einsamen Barmädchen auflesen und nimmt sie in die Wohnung mit. In seinem Bett findet er, ruhiggestellt durch eine Überdosis Schlaftabletten, Miss Kubelik.

 

Doch wieder kann Sheldrake alles in seinem Sinne arrangieren, und Baxter läßt sich sogar zu seinem Komplizen machen. Der Personalchef, der seine Affären so unauffällig wie möglich erledigt und Miss Kubelik mit einem Hundert-Dollar-Schein zu Weihnachten abspeist, versucht es bei seinem Angestellten mit gleichen Mitteln. Baxter fügt sich in das scheinbar Unvermeidliche und wird mit beruflichem Aufstieg belohnt: Er bekommt einen gut dotierten, aber beschäftigungsfreien Posten. Erst danach erkennt er, daß er mit der Moral auch sich selbst verkauft hat.

 

Wilders Resümee ist bitter: Entweder man arrangiert sich und hat beruflichen Erfolg oder man versucht seine Seele zu retten und riskiert damit die Stellung. Umsonst ist nichts im Leben und die Ehre schon gar nicht. Das Happy End vermag nur einen milden Trost zu spenden. Baxter und Miss Kubelik bilden weniger ein Liebespaar denn eine Notgemeinschaft zweier Menschen, die zwar ihre Selbstachtung zurückgewonnen haben, dafür aber Einsamkeit und Erfolglosigkeit in Kauf nehmen müssen.

 

The Apartment ist Wilders facettenreichster Film über die Kompromittierung des `American Way of Life´. Sein kritischer, zutiefst pessimistischer Blick auf die amerikanische Gesellschaft stieß bei der zeitgenössischen Kritik teilweise auf heftigen Widerspruch. Doch Hollywood verweigerte ihm nicht die Anerkennung: Der Film wurde mit drei Oscars – für die beste Regie, das beste Drehbuch und die beste Produktion – ausgezeichnet. Die überzeugenden Leistungen der Schauspieler Jack Lemmon, Fred MacMurray und Shirley MacLaine wurden leider ignoriert: Sie gingen leer aus.

 

„Das Appartement”. Hg. Cornelius Schnauber. Wien 1987. (Drehbuch).

Jean Douchet: „L´école de Vienne”, in: Cahiers du Cinema, 1960, H.113; Helga Hartmann: „Die unverzuckerte Sinnlichkeit der Shirley MacLaine”, in: dies./Ralf Schenk (Hg.): Mitten ins Herz. Berlin 1991; Hellmuth Karasek: „Billy Wilder. Eine Nahaufnahme”. Hamburg 1992; Enno Patalas: „The Apartment”, in: Filmkritik, 1960, H.8; Helma Sanders-Brahms: „Tennisschläger mit Spaghettischlange”, in: Helga Belach/Wolfgang Jacobsen (Hg.): CinemaScope. Berlin 1993; Claudius Seidl: „Billy Wilder”. München 1988; Neil Sinyard/Adrian Turner: „Billy Wilders Filme”. Berlin 1980; Yann Tobin: „L´amour l´après-midi”, in: Positif, 1983, H.271; Gene Weinstein: „The Apartement: Hollywood Remakes it Bed”, in: American Quarterly, 1962, H.3.

 

Quelle: Matthies, Theo: The Apartment. In: Töteberg, Michael (Hrsg.): Metzler Filmlexikon. Stuttgart/Weimar 1995.

Reclams Filmführer: Billy Wilder

Wilder, als Samuel Wilder am 22. Juni 1906 in Sucha (Österreich) geboren, kam als Filmjournalist nach Berlin und debütierte dort als Filmautor durch seine Mitarbeit an dem Drehbuch für Menschen am Sonntag (1929). Bis 1933 schrieb er weitere erfolgreiche Drehbücher und emigrierte dann über Frankreich in die USA, wo er zunächst als Autor mit Charles Brackett zusammenarbeitete. Das Team schrieb u. a. die Lubitsch-Filme Bluebeard's eighth wife (Blaubarts achte Frau, 1938) und, zusammen mit Walter Reisch, Ninotchka (1939). 1942 inszenierte Wilder seinen ersten Spielfilm, nachdem er in Frankreich bereits für einen Film als Co-Regisseur gezeichnet hatte. Billy Wilder, wegen seiner Vielseitigkeit oft als „Handwerker” unterschätzt, hat eine Reihe wirkungsvoller Kinostücke geschaffen. Ersten Ruhm errang er mit dem düsteren Kriminalfilm Double indemnity (1944). Wenig später engagierte er sich als Gesellschaftskritiker, der u. a. in Sunset Boulevard (1949) den Mythos Hollywoods demontierte. Und just als man ihn als strengen Moralisten akzeptiert hatte, wandte er sich dem Lustspiel zu. Wilders Filme sind präzise und manchmal plakativ. Seine Dramen berichten vom Versagen eines Individuums; seine Lustspiele, deren Witz oft mit bösen Widerhaken versehen ist, beziehen ihre Effekte gewöhnlich aus der gleichen Prämisse, die mit unbeirrbarer Konsequenz zu einem oft zwiespältigen Ende geführt wird. Dabei verzichtet er auf Symbole, Abschweifungen, Hintergründe. Er sorgt für Tempo, setzt seine Effekte sehr genau und schafft mit seinen Filmen und für sie eine eigene Welt.

 

The major and the minor (Der Major und das Mädchen, 1942), Five graves to Cairo (Fünf Gräber bis Kairo, 1943), Double indemnity (Frau ohne Gewissen, 1943), The lost weekend (Das verlorene Wochenende, 1944), Sunset Boulevard (Boulevard der Dämmerung, 1949), The big carnival / Ace in the hole (Reporter des Satans, 1950), Stalag 17 (Stalag 17, 1952), Sabrina (Sabrina, 1953), The seven year itch (Das verflixte siebente Jahr, 1954), Love in the afternoon (Ariane - Liebe am Nachmittag, 1956), Witness for the prosecution (Zeugin der Anklage, 1957), Some like it hot (Manche mögen's heiß, 1958), The apartment (Das Appartement, 1959/60), One, two, three (Eins, zwei, drei, 1961), Irma la douce (Das Mädchen Irma la Douce, 1962/63), The fortune cookie (Der Glückspilz, 1965/66), The private life of Sherlock Holmes (Das Privatleben von Sherlock Holmes, England 1969/70), Avanti! (Avanti - Avanti, 1972), The front page (Extrablatt, 1974), Fedora (BRD/Frankreich 1977), Buddy Buddy (Buddy Buddy, USA 1981) und andere.

 

Quelle: Krusche, Dieter: Reclams Filmführer. Stuttgart 1996.

Diese Seite ist Teil eines Filmkanons, den die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) für die Filmbildung in der Schule zusammengestellt hat.