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Tipps für Lehrkräfte im Umgang mit Videokonferenzen

Ulrike Boscher
Schülerin zuhause in Videositzung

Zuhause lernen mit Videokonferenz. | insta_photos/GettyImagesPlus

Gemeinsam lernen auf Distanz. Bei Videokonferenzen gelten zusätzliche Regeln - pädagogisch und technisch.

Das Lernen und Unterrichten mit Videokonferenzsystemen erfordert Disziplin und das Einhalten von Gesprächsregeln. Hier finden Lehrkräfte pädagogische-technische Tipps im Umgang mit Videokonferenzsystemen sowie Impulse für das Fernlernen auf Distanz.

Videokonferenzen sind eine gute Möglichkeit, den Unterricht auf Distanz zu gestalten. Allerdings steigen auch die Herausforderungen für Lehrkräfte. Im Vergleich zum Präsenzunterricht ist es deutlich schwieriger, das Lernverhalten der Schülerinnen und Schüler beim Online-Lernen zu beobachten, zu bewerten und zu steuern.

Bei einer Videokonferenz ist die Kontrolle über das Klassengeschehen eingeschränkt. Lehrkräfte können nur bedingt erkennen, wann wer zu hört, wer unkonzentriert ist, Verständnisprobleme hat oder nebenbei chattet. Sie müssen also methodisch umdenken, neue Regeln einführen und zeitversetzte Kommunikationswege gehen. Dabei ist es das Ziel, die Aufmerksamkeit hoch zu halten und Fehlverhalten bei den Lernenden zu unterbinden.

Tipps zu Organisation und Classroom-Management

  • Ziel: Was soll in der Videokonferenz vermittelt werden? Was wird von den Lernenden erwartet? Stimmen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler ein und erklären Sie ihnen das Ziel der jeweiligen Unterrichtseinheit.
  • Technik und Funktionen: Erklären Sie Ihren Lernenden mit einer kurzen, schriftlichen Anleitung die relevanten Funktionen beim Fernlernen. Eine kurze Schritt-für-Schritt-Anleitung erstellt idealerweise Ihr zuständiger Schul-Admin (z.B. Infos unter BigBlueButton).
  • Regeln: Legen Sie von Anfang an Gesprächsregeln fest und weisen Sie auch auf Konsequenzen bei Regelverstößen hin. Es braucht mindestens eine Woche bis alle Schülerinnen und Schüler diese Regeln verinnerlicht haben.

Tipps für den Start

  • Richtige Wahl des Browsers: Die Wahl eines ungeeigneten Browsers kann eine ganze Videokonferenz lahmlegen. Das sollten auch die Schülerinnen und Schüler vorab wissen. Jitsi Meet läuft zum Beispiel nur mit Google Chrome, Chromium oder mit der mobilen App „Medienzentrum Klassenraum“.
  • Mit Namen anmelden: Die Lernenden sollten sich bei Videokonferenzen immer mit ihren Namen anmelden. Bei Jitsi Meet erscheinen sie sonst als Teilnhmer01, Teilnehmer02 etc. und die Lehrkraft kann im Unterricht nicht erkennen, wer Fragen stellt oder einen Beitrag leistet. Wer sich z.B. mit Leo Bauer anmeldet, erscheint mit Kürzel LB. Tipp: Die Namensvergabe ist auch noch nachträglich in einer bereits begonnen Sitzung (über „Einstellungen“) möglich.
  • Raum mit Passwort schützen: Alle Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte brauchen ein Passwort, um der Konferenz beizutreten. Virtuelle Räume sollten mit einem Raumnamen und Raumpasswort geschützt sein, um zu verhindern, dass fremde Personen in die Konferenz gelangen können. Das Passwort sollte idealerweise nicht für klassenfremde Schülerinnen und Schüler logisch herleitbar sein – beispielsweise „Klasse9b“. Andernfalls kann es sein, dass sich unerwünschte „Gäste“ einloggen.

Tipps zum pädagogischen–technischen Umgang mit Videokonferenzen

  • Kameras aus: Die Kameras der Lernenden sind idealerweise ausgeschaltet. Das spart Bandbreite und schützt die Privatsphäre.
  • Alle Mikrofone deaktivieren: Nur der, der spricht oder sprechen soll, hat das Mikrofon an. Die Moderatoren (Lehrkräfte) erteilen hierzu die Freigabe.
  • Wortmeldungen: Sie werden immer über das virtuelle Handzeichen oder per Chat angekündigt. Ansonsten entsteht Chaos und niemand kann mehr etwas verstehen.
  • Status für Gefühle setzen: „Hilfe, ich komme nicht mehr mit!“ Mimik und Gestik bleibt bei Videokonferenzen häufig auf der Strecke, wenn die Webcams ausgeschalten sind. Dann lässt sich nur schwer erahnen, wie die Stimmung im virtuellen Klassenraum ist. Wirken die Lernenden entspannt, frustriert oder gestresst? In BigBlueButton kann man sich mit Smileys non-verbal äußern. Zerknirschte Smileys deuten an, dass man (Verständnis-) Probleme hat, ein lachendes Smiley drückt Zufriedenheit aus. Die Statusmeldung „Hand“ signalisiert „Ich möchte mich melden“. Außerdem kann der Status „Ich bin kurz weg“ angezeigt werden.
  • Stummschalten: Moderatoren können alle Teilnehmenden mit einem Klick stumm schalten, um störende Hintergrundgeräusche oder unerwünschtes Plaudern zu eliminieren. Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen Lehrkräfte jedoch nicht die Mikros der Lernenden aktivieren.
  • Störenfriede raus: Manchmal die richtige Wahl, um wieder für Ruhe und Disziplin zu sorgen: Bei Jitsi Meet haben Moderatoren die Möglichkeit, störende Teilnehmer aus dem Klassenraum auszuschließen.
  • Private Chats unterbinden: Schließen Sie private Chats, sie stören nur und lenken ab. Bei 30 Schülerinnen und Schülern entstehen endlos lange Chatschleifen aus „Lol“, „OK“ und „Ah ja.“ Leider lässt sich nicht immer der private Chat-Kanal deaktivieren (z.B. Jitsi Meet). Dann müssen die vereinbarten Chat-Regeln gelten.
  • Aufnahmen verboten: Während der Videokonferenz sind „heimliche“ Aufnahmen (Screencasts und Screenshots) nicht erlaubt. Das sollte über die Nutzungsbedingungen mit den Eltern, den Lernenden und der Schule geregelt sein.
Mann am PC

Fernunterricht: Routine gewinnen und Neues ausprobieren. | GettyImages/ Cecilie_Arcurs via E+

Tipps für den Unterricht

  • Kurz und frontal: Im Vergleich zum Präsenzunterricht ist es bei Videokonferenzen viel schwieriger, die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler hoch zu halten. Beschränken Sie sich deswegen auf kürzere Einheiten mit Frontalunterricht. 15 Minuten sind sehr gut, 90 Minuten definitiv zu lange.
  • Methodenwechsel und Pausen: Schaffen Sie Abwechslung durch eingebaute Aufgaben (zum Beispiel in Form von Einzelübungen, Abfragen, Wortmeldungen, Filme, Ergebnispräsentationen) und sorgen Sie für Pausen. Bedenken Sie: In der Schule werden die Schülerinnen und Schüler bei Wind und Wetter auf den Pausenhof geschickt. Animieren Sie Ihre Schülerinnen und Schüler zu einem Spaziergang, einem kurzen Sprint oder zu Sportübungen zuhause.
  • Arbeiten Sie lehrerzentriert: Offene Diskussionen enden bei einer Klasse mit 30 Lernenden schnell im kommunikativen Chaos. Arbeiten Sie deswegen lieber lehrerzentriert und in kleinen Gruppen. Je weniger Teilnehmer in einer Gruppe, desto besser. Die meisten Konferenzsysteme bieten hierfür sog. Breakouträume an (z.B. BigBlueButton).
  • Asynchrone Lernszenarien: Beim Lernen auf Distanz lassen sich auch asynchrone, also zeitversetzte Lerneinheiten gut abbilden. Beispiel: Eine Lehrerin unterrichtet „Atmung und Blutkreislauf“ im Fach Biologie per Videokonferenz, stellt dann Aufgaben ein, die in Kleingruppen gelöst werden (Breakouträume). Nach 15 Minuten wechseln alle wieder in den virtuellen Klassenraum und führen die Ergebnisse zusammen. Zur Festigung gibt es Hausaufgaben in moodle. Zwei Tage später ist Abgabe. Dann folgt das Feedback der Lehrerin (Korrektur).

Hier finden Sie den Artikel auch als PDF sowie weitere Informationen, Online-Seminare und Tipps zum Unterrichten per Videokonferenz.

Weiterführende Links:

Videokonferenzen professionell gestalten (Faltblatt PDF, LMZ 2021).

Impulse zum Unterrichten mit Videokonferenzsystemen (Broschüre PDF, LMZ 2020).

Online Seminare (Veranstaltungen des LMZ)

Aufgezeichnete Online Seminare für Lehrkräfte.

Basisschulungen des LMZ

Digital lehren: Das Homeschooling–Methodenbuch.

Unterrichten mit Moodle und BigBlueButton.

Tipps für einen sicheren Umgang mit Jitsi Meet.

Ulrike Boscher

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