Teil 2: Der Medienentwicklungsplan ist bares Geld wert. Und nicht nur das.

Anja Stein
Tobias Erles, Lehrkraft Bergstraßen Gymnasium Hemsbach

Tobias Erles ist Sport- und Englisch-Lehrer am Bergstraßen-Gymnasium Hemsbach

Tablet-Klassen in fünf Jahrgangsstufen

Manche Kolleginnen und Kollegen hielten ihn anfangs für einen Spinner, einen Technikfreak. Inzwischen haben sich alle anstecken lassen und unterrichten regelmäßig mit einem Tablet. Fünf ganze Jahrgangsstufen sind am Bergstraßen-Gymnasium bereits als Tablet-Klassen ausgestattet. Englisch- und Sportlehrer Tobias Erles hat ein Gespür für den lösungsorientierten Einsatz von Technik.

An Ihrer Schule gibt es schon seit mehreren Jahren Tablet-Klassen. Wie haben sie diese eingeführt?

Wir haben damit angefangen, den Kolleginnen und Kollegen Tablets als Dienstgeräte anzubieten. Diejenigen, die dieses Angebot nutzten, bekamen eine Auflage: Sie sollten Rückmeldung dazu geben, wie sie das Tablet nutzen, wie sie zurechtkommen oder wo Unterstützung gebraucht wird. Etwa die Hälfte des Kollegiums hat sich gleich beteiligt. Andere hielten das anfangs aber auch für überflüssigen Quatsch. Irgendwann fiel auf, dass die Lehrkräfte, die ein Tablet nutzten, viel weniger kopierten und eine ganz andere Art der Unterrichtsvorbereitung hatten. So wurde das Interesse geweckt.

Zu Beginn stürmten im Lehrerzimmer immer Kolleginnen und Kollegen mit ihren Fragen auf mich zu. Nach ein paar Wochen habe ich vorsichtig zur Tür reingeschaut und plötzlich saßen ganz viele Leute am Tisch und haben sich gegenseitig Dinge erklärt. Es wollten immer mehr Kolleginnen und Kollegen mit einsteigen. Wir haben dann ein sogenanntes „Team digital“ gegründet, aus dem inzwischen unser „Café Digital“ geworden ist. Von Knöpfchenkunde für Tablet-Einsteiger über die Arbeit mit dem Greenscreen oder kollaborativem Arbeiten wird bei diesen Treffen alles thematisiert.

Welche Klassen machen Sie zu Tablet-Klassen und wie gelingt das?

Wir beginnen mit Jahrgangsstufe 9. Wenn man schon in der fünften Klasse beginnen würde, wäre es für die Kleinen zu früh so technisch zu arbeiten, das hielte ich für übertrieben. Außerdem ist die Arbeit mit den Tablets ein schnelllebiges Geschäft. Das bedeutet, dass die Eltern auf dem Weg zum Abitur mindestens zweimal ein Tablet für Ihr Kind anschaffen müssten. Diese finanzielle Belastung wäre natürlich viel zu hoch. Die Idee ist also, dass man in den unteren Klassen bis Jahrgangsstufe 8 und 9 ausschließlich mit unseren schuleigenen Leihgeräten arbeitet, um Projekte oder Ähnliches umzusetzen. Zu Beginn der Klasse 9 bereiten wir die Eltern dann darauf vor, dass zum Halbjahreswechsel mit dem Tablet als Standard-Arbeitsgerät gestartet wird. Im ersten Halbjahr der neunten Jahrgangsstufe arbeiten wir verstärkt mit den Leihgeräten, machen Methoden-Tage und gehen schrittweise vor. Zum zweiten Halbjahr starten wir dann als Tablet-Klasse durch.

Über ein Tablet zu Weihnachten hat sich noch kein Schüler beschwert

Inzwischen sind am Bergstraßen-Gymnasium Hemsbach fünf Jahrgangsstufen mit Tablets ausgestattet. Sie haben angefangen, bevor es den DigitalPakt Schule gab. Wie konnte die Schule das finanzieren?

Unsere Lehrer-Tablets sind geleast. Immer wenn wir die geleasten Tablets von den Kolleginnen und Kollegen wieder einsammeln, können wir sie gegen eine Restzahlung an den Leasing Partner auslösen und dann geht das Gerät in den Besitz der Schule über. Die Geräte, die von den Lehrkräften zurückkommen, sind nach drei/vier Jahren noch sehr gut verwendbar. Mit diesen Geräten füllen wir unsere Tablet-Koffer zum Verleihen auf. Die Geräte für die Schülerinnen und Schüler in den Tablet-Klassen sind elternfinanziert. Für Familien, die dies vor eine Herausforderung stellt, haben wir Unterstützungssysteme über den Förderverein und ausgewählte Anbieter, die uns besondere Konditionen bieten. Dass wir erst zum zweiten Halbjahr der neunten Klasse vollumfänglich Tablets einführen, hat einen Riesenvorteil, da ist kurz vorher Weihnachten und auch Oma und Opa finanzieren das neue Tablet vielleicht mit. Und ich habe tatsächlich noch keinen Schüler erlebt, der sich darüber beschwert hätte, dass er ein Tablet zu Weihnachten bekommen hat.

Tobias Erles hat seine Erfahrungen zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen im MEP des Bergstraßen-Gymnasium festgeschrieben. Somit konnte die Schule von Geldern des DigitalPakt Schule profitieren und nicht nur die Tablet-Arbeit weiter ausbauen.

Teil 1: Der Medienentwicklungsplan ist bares Geld wert. Und nicht nur das.

Medienbildung am Bergstraßen-Gymnasium Hemsbach

Tablets in der Schule

Fortbildungen für Lehrkräfte

Anja Stein

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