Schönheitsideale im Internet – Interview mit Kathrin Müller

Jacqueline Gehrke
Eine junge Frau sitzt lächelnd neben einem Schminkspiegel und hält Make-up vor eine Kamera.

warrengoldswain via Getty Images

Gespräch über Fortbildung im Mai und Juni 2021

Selbstdarstellung in sozialen Medien gehört für viele Kinder und Jugendliche zum Lebensalltag und beeinflusst ihre Identitätsbildung. Influencer prägen, was als attraktiv, angesagt und erstrebenswert gilt. Doch welche Mechanismen stecken hinter den Erfolgen von Influencern? Wie nah sind ihre Beiträge an der Wirklichkeit? Welche Rolle spielen Algorithmen? Wie Lehrer/-innen diese spannenden Fragen praxisnah und interaktiv im Unterricht thematisieren können, erfahren sie in der Online-Fortbildung „SCHÖNHEITSiDEALe im Internet“ am 5. Mai, 12. Mai oder 30. Juni. Was die Fortbildungsteilnehmer/-innen erwartet, verrät Kathrin Müller im Gespräch. Sie ist stellvertretende Leiterin des Referats Medienpädagogische Unterstützungssysteme am LMZ.

Im Titel der Fortbildung verschmelzen die Begriffe ,,Schönheit‘‘ und ,,Deal‘‘. Was hat es damit auf sich? Worum genau geht es bei der Fortbildung?

Wenn wir heutzutage von Schönheitsidealen sprechen, können wir das nicht mehr losgelöst von kommerziellen Aspekten tun. Das, was eine Gesellschaft als schön empfindet, ist stark von Medien, Werbung und Konsum geprägt. Um Produkte zu verkaufen, setzen Unternehmen auf Eigenschaften, die als attraktiv gelten. Auf diesem Weg beeinflussen sie, was mehrheitlich als schön und erstrebenswert angesehen wird. Im Internet, vor allem in den sozialen Medien, kommt dies noch stärker zum Tragen. Was Influencer anpreisen, wird schnell zum Trend. Gerade Kinder und Jugendliche erkennen nicht immer, dass hinter ihren Auftritten eine kommerzielle Absicht steckt – und nicht alles so authentisch ist, wie es wirkt. Durch gekaufte Likes und manipulierte Bewertungen können Produkte gezielt als neue Trends und vermeintliche Ideale gesetzt werden. Im Mittelpunkt der Online-Fortbildung stehen also insbesondere fremdgesteuerte und beeinflusste Ideale sowie ihre Bedeutung. Neben Jugendmedienschutz- und Verbraucherschutzfragen werden auch grundlegende ethische Fragen aufgeworfen, zum Beispiel danach, wie wir uns als Gesellschaft definieren.

Sein und Schein sozialer Netzwerke hinterfragen

Inwiefern haben Sie die Perspektive von Schülerinnen und Schülern bei der Konzeption der Fortbildung berücksichtigt? Was können die Teilnehmer/-innen für die Unterrichtspraxis „mitnehmen“?

Um Heranwachsende zu unterstützen, Sein und Schein sozialer Netzwerke zu hinterfragen, möchten wir Lehrkräfte für den engen Zusammenhang zwischen Schönheitsidealen und Onlinemedien sensibilisieren. Dafür vermitteln wir ihnen zum einen fachliches Hintergrundwissen zu Schönheitstrends, Influencer Marketing oder algorithmischen Prozessen. Zum andere geben wir Methoden und Materialien sowie Unterrichtsmodule und -impluse an die Hand. Die zugehörige Broschüre „SCHÖNHEITSiDEALe im Internet?!“, die vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg gefördert wurde, haben Lehrer/-innen unterschiedlicher Schulstufen und -fächer mitentwickelt. Die Berufsschullehrerin Anna Wenzel, die gemeinsam meinem LMZ-Kollegen Christian Heneka und mir die Fortbildung umsetzt, hat außerdem das komplette Modul mit zwei Klassen erprobt. Dabei hat sich gezeigt, dass die Materialien nah an der Lebenswirklichkeit der Schüler/-innen sind. Insbesondere bei den Mädchen gehörten die behandelten Themen sehr stark zum Alltag. Fast alle konnten aus eigenen Erfahrungen schöpfen und von erlebten Trends berichten. Solche Eindrücke aus der Unterrichtspraxis fließen selbstverständlich mit in die Planung der Fortbildung ein.

Wie kam die Kooperation mit der Hopp Foundation zustande? Wie profitiert das LMZ von der Zusammenarbeit bei der Umsetzung der Fortbildung?  

Mein Kollege Christian Heneka setzt bereits seit einigen Jahren Fortbildungen und Workshops für Lehrer/-innen und Schüler/-innen gemeinsam mit der Hopp Foundation um und hat sehr positive Erfahrungen damit gemacht. Im Gespräch mit Verantwortlichen der Hopp Foundation kam die Broschüre über Schönheitsideale im Internet zur Sprache. Das Thema stieß dort sofort auf Interesse und so entstand die Idee einer gemeinsamen Fortbildung. Außerdem hat die Hopp Foundation die Teilnahmemöglichkeiten an Webinaren im Zuge der Pandemie von der Metropolregion Rhein-Neckar auf Bundesebene ausgeweitet. Dadurch kann die Online-Fortbildung deutschlandweit angeboten werden. Daneben bringt die Kooperation eine inhaltliche Bereicherung. Das LMZ und die Hopp Foundation haben unterschiedliche fachliche Schwerpunkte. Ein Fokus der Hopp Foundation liegt auf dem Fach Informatik, sodass wir von der Expertise in diesem Bereich profitieren können. Gerade wenn es um Algorithmen, Klick- und Followerzahlen geht, ergeben sich eine Vielzahl von Schnittstellen zur Arbeit des LMZ. So bringt die Berufsschullehrerin Anna Wenzel, die für die Hopp Foundation tätig ist, ihren fachlichen Hintergrund im Bereich Informatik ein. Dadurch können wir den Fokus der Fortbildung zusätzlich auf die informatische Bildung legen.

Wenn Sie Ihre Fortbildung in nur einem kurzen und knackigen Satz bewerben müssten, wie würde dieser lauten?

Zwischen Thigh-Gap-Fitspiration und Body-Positivity – wir zeigen Ihnen, wie Influencer, soziale Netzwerke und Algorithmen unser Verständnis von Schönheit definieren und wie Sie Ihre Schüler/-innen darin bestärken, statt kommerziellen Trends lieber ihre eigene Individualität zu feiern. 

Frau Müller, herzlichen Dank für das Gespräch.
 

Zur Fortbildung am 5. Mai

Zur Fortbildung am 12. Mai

Zur Fortbildung am 30. Juni

Zur Broschüre SCHÖNHEITSiDEALe im Internet?!

Jacqueline Gehrke

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