Schönheitsideale auf Instagram, Tik Tok und Co.: Erkenntnisse vom Fachtag 2021

Yasmin Bouaouaja
Junge Frau sitzt vor einer Kamera und hält Kosmetik-Artikel davor.

warrengoldswain via Getty Images

Erfahrungsberichte aus dem Leben von Influencer/-innen

Einblicke in die Medienwelten Heranwachsender, den Alltag von Influencerinnen und Influencern, sowie die Selbst- und Fremdwahrnehmung auf Social Media – das waren die Themen des Fachtags „SCHÖNHEITSiDEALe im Internet?!“ am 10. Dezember 2021.

Die Referentin und „Medially“-Podcasterin Kim Beck (Medially – der Medienkompetenzpodcast) machte den Anfang und erläuterte die Rolle von Influencer/-innen auf die Identitätsbildung und das Konsumverhalten von Heranwachsenden. Am Beispiel der fiktiven Schülerin Aylin zeigte sie, wie Social Media und Influencer/-innen nicht nur die Interessen, sondern auch das Selbstbild und die Identitätsbildung, ja sogar die Studien- und Berufsorientierung prägen. Für einen ausführlichen Einblick in den Alltag und die Arbeit von Influencer/-innen sorgte die Lehrerin und Influencerin Morena Diaz. Anhand ihrer eigenen Biografie gab sie einen persönlichen Einblick, wie ihre Social Media-Aktivitäten auch ihr Privatleben prägen. So sprach sie auch offen über die Essstörung, in die sie durch die vermeintlich perfekten Instagram-Profile geriet, und wie sehr der Druck durch die öffentliche Darstellung auf jungen Menschen lasten kann. Dabei spielen auch die abonnierten Profile und die Vorauswahl der Instagram-Algorithmen eine Rolle, die schnell eine sehr einheitliche Welt vortäuschen. Morena Diaz rät deshalb dazu, Profilen zu folgen, die sich stark voneinander entscheiden. Auf ihrem Instagram-Profil (Morena Diaz (@morenadiaz) • Instagram-Fotos und -Videos) setzt sie sich außerdem für Vielfalt, Akzeptanz und Body Positivity ein.

Die Risiken der weiten Medienwelten

Praktische Impulse erhielten die Teilnehmenden anschließend in verschiedenen Workshops. Mit dem Thema „Influencer/-in: Verkäufer/-in oder Freund/-in?“ beschäftigte sich die Referentin Filiz Tokat. Sie betonte, dass Influencer/-innen keine Freunde, sondern hauptsächlich Verkäuferinnen und Verkäufer sind. Die Welt von Influencer/-innen pädagogisch zu vermitteln, kann laut Filiz Tokat schwer fallen. Eine Möglichkeit könnten aber Klassenexperimente darstellen, bei denen sich die Schülerinnen und Schüler selbst in die Rolle von Influencer/-innen versetzen. Außerdem sollte der Kontakt zu Gleichaltrigen nicht zu kurz kommen, um diese Themen zielgruppengerecht zu vermitteln. Referent Christian Schmidt setzte sich mit Algorithmen und Big Data auseinander und legte dar, auf wen und wie sie Einfluss nehmen. Er stellte auch methodische Ansätze vor, wie die Themen an Heranwachsende vermittelt werden können. So wurde zunächst nach dem Prinzip einer „Black Story“ spielerisch auf den Grund gegangen, wie Informationen gesammelt, ausgewertet und geteilt werden. Anschließend schlüpften die Teilnehmenden selbst in die Rolle von Algorithmen, die anhand von Einkaufslisten und Social Media-Konten ein möglichst präzises Bild von Nutzerinnen und Nutzern erstellen mussten.

Fremdbeeinflussung durch Algorithmen stand auch im Fokus des Workshops von Referentin Constanze Mansour über die Normierung von Menschen durch sogenannte Beautyfilter. Constanze Mansour ging dabei auf die Risiken von optimierten Bildern auf Social Media ein, die bis hin zu Depressionen führen können, und regte zum Hinterfragen der Bilder und Filter an. Das Wissen um Filter sei zwar vorhanden, würde aber nicht ausreichen, da die Bilder auch auf emotionaler Ebene wirken und dadurch am Selbstbewusstsein der Konsumierenden nagen. Die Teilnehmenden stellten sich auch die Frage, ob die Nutzung von Filtern auf Social Media zu mehr Individualität oder Normierung führt. Dabei ist sich der Großteil der Teilnehmenden sicher: Sie führt zu einer Normierung und mehr Einheitlichkeit.
Schließlich tauschten sich die Teilnehmenden aktiv darüber aus, wie die Inhalte und Materialien in die Praxis übertragen werden können. Die Teilnehmenden fanden die Idee des Austauschs mit lokalen Influencerinnen und Influencern besonders spannend. Auch Informationsveranstaltungen speziell für Erziehungsberechtigte sollen in Zukunft in Angriff genommen werden.

Der Fachtag war ein Erfolg und konnte zeigen, dass die Aufgeschlossenheit gegenüber den Gefahren von Schönheitsidealen im Internet wächst. Mehr Anregungen zur Vermittlung der behandelten Themen bietet die Broschüre „SCHÖNHEITSiDEALe im Internet?! Wie Algorithmen, Klicks und Likes unser Schönheitsempfinden prägen”.

In Kooperation mit dem Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR), dem Volkshochschulverband Baden-Württemberg (VHS) und der Evangelischen Landesarbeitsgemeinschaft der Familien-Bildungsstätten in Württemberg (LEF) organisierte das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) den Fachtag für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Das Ziel der Veranstaltung war es, Ideen auszutauschen, wie die besprochenen Themen in die Arbeit von Familienbildungsstätten, Volkshochschulen, Vereinen und außerschulischen Bildungseinrichtungen eingegliedert werden können.

Download: Broschüre SCHÖNHEITSiDEALe im Internet?! (PDF)

Yasmin Bouaouaja

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