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Muslim Interaktiv – Islamismus via Social Media

Madeleine Hankele-Gauß
Gruppe junger Männer mit einheitlichen Pullovern bei einer Kundgebung

Anhänger von Muslim Interaktiv in schwarzen Hoodies bei einer Kundgebung zum wieder aufgeflammten Nahostkonflikt am 28. Mai 2021. | Instagram-Screenshot

Zielgruppe: Jung, männlich, muslimisch

Sie sind jung, meist männlich und muslimisch. Sie tragen schwarze Masken und Kapuzenpullover anstelle von langen Bärten und Gewändern. Ihr Erkennungszeichen ist ein Blutstropfen mit dem Symbol der Kaaba – dem zentralen Heiligtum des Islam in Mekka. Gemeint sind die Anhänger/-innen der islamistischen Gruppierung „Muslim Interaktiv“. Mit jugendaffinen Aktionen in Hamburg und Berlin, wie z.B. einem Autokorso in Gedenken an die Terroropfer von Hanau oder einem PoetrySlam über das Coronavirus als „göttliche Abrechnung“ mit dem westlichen Lebensstil, machen sie seither regelmäßig auf sich aufmerksam.

Zuletzt sorgte die Gruppierung Ende Mai durch eine martialische Kundgebung in Hamburg für Furore. In militärischer Formation reihten sich ihre Mitglieder um Särge und protestierten in lauten, von Trommeln begleiteten Sprechchören gegen „die Verbrechen an Palästina“ und den „Mord an 240 Muslimen“ seitens der „Besatzungsmacht Israel“. Die jüngste Eskalation des Nahostkonflikts diente somit als Aufhänger, um die „Schicksalsgemeinschaft“ der Musliminnen und Muslime zu beschwören.

TikTok und Instagram: Sprachrohre der islamistischen Ideologie

Kundgebungen wie diese werden in professionellen Videos und emotionalisierenden Sharepics in popkulturellem Stil festgehalten und anschließend über die Social-Media-Kanäle von Muslim Interaktiv verbreitet. Die Organisation bedient dabei die ganze Palette der sozialen Netzwerke: Facebook, Instagram, Twitter, YouTube und TikTok. Die wichtigsten Sprachrohre der „Hipster-Islamisten“ sind mit rund 7.000 Followern TikTok und mit etwa 5.500 Abonnenten Instagram. Zwar sind die Follower-Zahlen nicht gigantisch. Doch mit einzelnen „Hochglanzvideos“ erreicht Muslim Interaktiv auf Instagram bis zu 40.000 Aufrufe – auf TikTok sogar bis zu 490.000 Aufrufe.

Das selbsterklärte Ziel der Gruppierung ist, Jugendliche und junge Erwachsene zur „Praktizierung des Islam in allen Lebensreichen“ zu ermutigen. Dabei gerieren sich die Extremisten als aufrechte Kämpfer/-innen für Meinungsfreiheit und gegen Rassismus. Sie geben den Anschein, sich lediglich dafür einzusetzen, dass Musliminnen und Muslime ihre religiösen Werte diskriminierungsfrei ausleben können.

Hinter der Hipster-Fassade das Kalifat: Bausteine der Ideologie

Nimmt man ihre auf Social Media veröffentlichen Videos, Sharepics und Flyer genauer unter die Lupe, fallen jedoch drei Bausteine islamistischer Ideologie ins Auge, die immer wieder Teil der Propaganda von Muslim Interaktiv sind:

  • Deutschland als „muslimfeindliche” Gesellschaft
    Die deutsche Politik und Gesellschaft seien als Ganzes muslimfeindlich und rassistisch eingestellt. Dementsprechend unterlägen Musliminnen und Muslime hierzulande einem „Assimilationszwang“ bzw. einer „Wertediktatur“, der sie sich unter Aufgabe ihrer muslimischen Identität vollständig unterwerfen müssten. Als Belege hierfür dienen die Aussagen einzelner Politiker, wie z.B. die Aussage „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ des CSU-Politikers Horst Seehofer. Auch politische Entscheidungen wie die Einführung des Kopftuchverbots für Beamtinnen werden als muslimfeindlich gedeutet.
  • Musliminnen und Muslime als Opfer
    In Deutschland und weltweit würden Musliminnen und Muslime als „Schicksalsgemeinschaft“ unterdrückt, verfolgt und in ihrer Sicherheit bedroht. Innenpolitisch wird insbesondere auf die NSU-Morde und den Terroranschlag von Hanau verwiesen, um eine universale Bedrohung zu beschwören. Außenpolitisch dienen der Nahostkonflikt oder die Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren im chinesischen Xinjiang als Belege, um die Erzählung von der weltweiten Verfolgung der Musliminnen und Muslime zu stützen.
  • Muslimische Gemeinschaft vs. westliche Welt
    Die muslimische Gemeinschaft („Umma“) und westliche Gesellschaften stünden sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Werte gegensätzlich gegenüber: „Wir“ versus „Die“. In diesem „Kampf” der Kulturen oder Religionen wird „der Westen“ als unterlegen, verdorben und korrupt dargestellt. Fälle von Kindesmissbrauch oder die Politikverdrossenheit während der Corona-Pandemie gelten als Zeichen des Niedergangs des westlichen Systems.

Durch alle diese Narrative ermutigt Muslim Interaktiv muslimische Jugendliche und junge Erwachsene, sich von der deutschen Gesellschaft und dem bestehenden politischen System abzuwenden. Als Ersatz bietet die Gruppierung eine vermeintliche muslimische Gemeinschaft, die auf einer islamistischen Ideologie beruht. Laut Einschätzung des Verfassungsschutzes ist sie der verlängerte Arm von Hizb ut-Tahrir – einer seit 2003 verbotenen extremistischen Vereinigung. Hinter der liberalen Hipster-Fassade verbirgt Muslim Interaktiv also nichts weniger als das Streben nach einem weltweiten Kalifat gemäß den Scharia-Gesetzen.

Weitere Informationen und Unterrichtsmaterialien zu Ideologie, Verbreitung und Prävention von islamistischem Extremismus – insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen – finden Sie in unserem Portalbereich Extremismus.
 

Zum Portalbereich Extremismus

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Madeleine Hankele-Gauß

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