1. Sie befinden sich hier:
  2. Aktuelles
  3. Aktuelle Meldungen
  4. Jugendmedienschutz 2020: Mehr Online-Zeit bedeutet mehr Herausforderungen

Jugendmedienschutz 2020: Mehr Online-Zeit bedeutet mehr Herausforderungen

Sascha Schmidt
Ein Mädchen in blauem Pulli und mit blauem Haarband schaut besorgt auf ein Smartphone.

skynesher via Getty Images

Jugendschutz.net Jahresbericht: Vorsorge der Online-Plattformen nicht ausreichend

Durch die globale Pandemie nahm die Online-Nutzungszeit von Kindern und Jugendlichen im Jahr 2020 zu. Hierdurch waren sie häufiger den Herausforderungen und Risiken der digitalen Angebote ausgesetzt. Der Jahresbericht von jugendschutz.net fasst wichtige Erkenntnisse und Daten rund um den Jugendschutz im Internet 2020 zusammen.

Homeschooling, digitale Spiele, Streaming und Social Media: Der Nutzungsumfang von Online-Angeboten stieg im Jahr 2020 deutlich an. Damit wurden Kinder und Jugendliche häufiger mit den Risiken der Online-Angebote konfrontiert. Hierzu zählen beispielsweise sexuelle Gewaltdarstellungen, Cybermobbing, Verschwörungstheorien, Hass im Netz oder Extremismus. Jugendschutz.net registrierte im Jahr 2020 insgesamt knapp 1.900 Fälle sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige im Netz. Gerade auf Plattformen wie Instagram und Snapchat sei es vergleichsweise einfach, (gefälschte) Nutzerprofile zu erstellen und gezielt Kontakt mit Kindern und Jugendlichen herzustellen. Hinzu kommt die Herausforderung, dass viele Minderjährige sensible Informationen teilen. Diese machen es den Tätern einfach, Gespräche über vermeintlich gemeinsame Hobbys aufzunehmen. Generell beanstandet jugendschutz.net, dass die Alterskontrollen vieler Social Media Plattformen unzureichend seien. So können sich Kinder und Jugendliche häufig problemlos registrieren, auch wenn die Nutzung für ihr Alter noch nicht gestattet ist.

Eine Masche, um Kinder und Jugendliche auf Webangebote mit problematischen Inhalten zu locken, ist die Platzierung von Warnhinweisen. So finden sich auf Plattformen wie TikTok Warnvideos mit Hashtags wie #dontgoogle, welche Neugier wecken und junge Nutzer/-innen so auf externe Webangebote leiten sollen. Die Corona-Pandemie führte zudem zu einem Anstieg von verschwörungstheoretischen Inhalten. Diese richten sich häufig gegen den Staat oder Minderheiten. Besonders den vermeintlich anonymen Messenger-Dienst Telegram nutzen viele Extremistinnen und Extremisten zur Verbreitung ihrer Ideologien. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich bei Telegram die Zahl der gemeldeten Verstöße bei der Verbreitung extremistischer Inhalte vervierfacht.

Jugendschutz.net kommt zu der Erkenntnis, dass die Betreiber der beliebten Online-Dienste generell nicht ausreichend vorsorgen, um Kinder und Jugendliche vor gefährdenden Inhalten zu schützen. Trotz einiger Verbesserungen in den Nutzungsrichtlinien bieten noch nicht alle Dienste niederschwellige Meldefunktionen für verdächtige Beiträge. Besonders auffällig war die unterschiedliche Löschquote der Plattformen je nach gemeldetem Inhalt: Von den gemeldeten Pornografie-Inhalten löschte Twitter nur 2 %, Facebook 31 %, YouTube 90 % und Pinterest 100 %. Große Lücken sieht jugendschutz.net auch bei den digitalen Spiele-Plattformen wie Steam, Epic, Origin oder Uplay. Dort funktioniert die Registrierung ohne Alterskontrolle, sodass minderjährige Nutzer/-innen relativ einfach USK-18-Spieletitel herunterladen können.

Welche Angebote es zur Unterstützung im Umgang mit den vielfältigen Online-Angeboten gibt, ist ebenfalls Teil des jugendschutz.net Jahresberichts. Hierzu zählen altersgerechte Websites für Kinder, aber auch Ratgeber für pädagogische Fachkräfte und Eltern.

Zum Jahresbericht 2020 von jugendschutz.net

Sascha Schmidt

Diese Seite teilen: