Game–Tipp für Weihnachten: The Last Guardian

Ulrike Boscher

The Last Guardian: Eine große Freundschaft beginnt. | Screenshot 4Players

Im Rausch der Games: Was soll ich schenken?

Weihnachtszeit ist Spielezeit. In vielen Familien werden dann wieder die Spieleklassiker aus den Regalen gezogen, um bei Tee und Lebkuchen, ein paar Runden zu spielen. Einige Kinder und Jugendliche werden sich aber auch danach sehnen, ohne Hausaufgaben und Schule im Nacken „besinnlich“ zu daddeln. Und damit wären wir auch schon bei der so häufig gestellten Frage von Eltern: Welches Computerspiel könnte ich meinem Sohn oder meiner Tochter zu Weihnachten schenken?

Für meinen Sohn lag im letzten Jahr das Spiel „The Last Guardian“ unter dem Weihnachtsbaum. Er ist immer noch begeistert, vielleicht auch deswegen, weil er sich sehnlichst ein Haustier wünscht. Und darum geht es irgendwie auch in „The Last Guardian“: um die Beziehung zwischen einem Jungen und einem seltsamen Tier, das aussieht wie halb Katze und halb Hund, mit einem riesigen Kopf, treuen Augen, gefiedertem Körper und gefährlichen Krallen. Trico heißt das greifähnliche Wesen und Trico ist außergewöhnlich liebenswert. Als Spieler/-in muss man ihn einfach mögen, auch dann, wenn er sich manchmal stur stellt oder in brenzligen Situationen „nur Bahnhof versteht“.

Dem japanischen Game Designer Fumito Ueda ist es gelungen, der Figur Trico digitales Leben einzuhauchen und ihm einen unverwechselbaren Charakter zu geben.

Mysteriöse Spielewelt: Burgruinen im Nebel

„The Last Guardian“ ist ein Action- und Adventurespiel mit eingebauten Rätseln. Die Spielewelt lebt von einer in Nebel getauchten Atmosphäre und der Verbundenheit, die der Spieler zu dem Fabelwesen langsam aufbaut. Dabei wird eine Geschichte mit spannenden und emotional ergreifenden Momenten erzählt.

Um es vorweg zu nehmen: „The Last Guardian“ beginnt alles andere als weihnachtlich-besinnlich, eher düster und traurig. Der Junge erwacht in einer Höhle. Seltsame Tattoos zieren seinen Körper, die er sich nicht erklären kann. Neben ihm am Boden liegend, findet er Trico, abgemagert, verwundet und an Ketten gefesselt. Der Junge nähert sich ihm behutsam an, gibt ihm zu fressen, entfernt die Speere aus seinem Körper und befreit ihn von seinen Fesseln. Zwischen den beiden baut sich Vertrauen auf und das eigentliche Spiel kommt in Gang: Beide begeben sich auf eine mysteriöse Reise.

Der Weg führt sie durch alte Tempelanlagen und riesige Ruinen, die so gezeichnet sind, als wären sie in dichten Nebel getaucht. Es geht durch Höhlen und Katakomben, über wackelige Stege und Felskanten, die so hoch sind, dass man beim Blick in die Tiefe kaum den Boden erkennen kann. In versteckten Luftschächten und Räumen lauern tödliche Fallen und stellenweise müssen Spieler/-in und Trico durch geflutete Tunnel tauchen, um den nächsten Spielabschnitt zu finden – der über einen rettenden Türöffner erreicht wird.

The Last Guardian lebt von Freundschaft: In fast auswegslosen Situationen hilft Trico weiter. | Screenshot Computerbild

Zehn Stunden Abenteuer mit riskanten Klettereien

Dabei gibt es keinen vorgezeichneten Weg, sondern jede Menge Rätsel, die manchmal ganz schön schwierig sind, Geduld und Geschicklichkeit erfordern. Der Spieler steuert nur den Jungen, der laufen, klettern, springen und Trico Befehle erteilen kann. Auf dem gigantisch großen Fabeltier lässt sich wunderbar herumklettern – mal hängt der Junge am Schwanz, mal reitet er auf dem Rücken. Trico kann enorm weit springen und mit seinem Schwanz Blitze abschießen. Diese lenkt der Spieler mit seinem Spiegelschild in die richtige Bahn, um so überraschend auftauchende Gegner zu treffen. Viele Aufgaben lassen sich nur gemeinsam lösen, wodurch Spieler und Fabeltier geschickt zusammenarbeiten müssen.

Nach zirka zehn Stunden endet das Spiel und damit werden auch einige offene Fragen und Geheimnisse gelüftet. Das Spiel ist mit Soundtracks und Musik des London Symphony Orchestra unterlegt, was das Ganze emotional verstärkt. Auf die Frage: „Was hat Dir an dem Spiel am meisten gefallen?“, antwortete mein Sohn: „Trico ist einfach so süß!“

  • Details: Altersfreigabe (FSK): ab 12 Jahre
  • Verfügbarkeit für: Playstation 4
  • Designer: Fumito Ueda
  • Veröffentlicht: 2016
  • Pro: Sehr schöne, ruhige Atmosphäre, emotionale Momente, schönes und reduziertes Design, stark in Szene gesetzte Umgebung, toller Sound, überzeugende Hauptfigur.
  • Contra: manchmal sperrige Steuerung, keine zeitgemäße Grafik.

Ulrike Boscher

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