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Exklusiv bis sexuell explizit – Was Eltern über OnlyFans wissen sollten

Madeleine Hankele-Gauß

Stars locken mit persönlichen Einblicken

Ob Schauspieler Brad Pitt, Popqueen Madonna oder Weltfußballer Ronaldo: Erinnern Sie sich noch an Ihre Teenie-Idole? Und an die Poster, Zeitschriftenausschnitte und Fanartikel, die Sie wie „Heiligtümer“ aufbewahrt haben? Um ihren Vorbildern möglichst nahezukommen, scheuen Kinder und Jugendliche weder Kosten noch Mühe.

Wenn nun immer mehr Filmstars, Musiker/-innen und Influencer/-innen ihre Follower auf sozialen Netzwerken wie Instagram dazu auffordern, ihnen auf die Plattform OnlyFans zu folgen, ist die Versuchung für Teenager groß. „Sie locken ihre Fans mit dem Versprechen, noch persönlichere Einblicke in ihr Privatleben zu geben“, erklärt die am Stadtmedienzentrum Stuttgart tätige Medienpädagogin Saskia Nakari.

Fotos und Videos gegen Geld

Genau das ist das Geschäftsmodell der 2016 gegründeten britischen Plattform: Exklusivität. Im Gegensatz zu den großen sozialen Netzwerken können bekannte Künstler/-innen, aber auch Laien, ihre Profile auf OnlyFans kostenpflichtig ausgestalten. Das heißt, andere User müssen Geld bezahlen, um Posts, Fotos oder Videos der sogenannten „Content Creators“ sehen zu können.

„Somit steckt hinter OnlyFans und seiner Paywall ein Bezahlsystem, zu dem Kinder und Jugendliche nicht grundsätzlich geschäftsfähig sind. Fans bietet es aber die Möglichkeit, ihren Star direkt und ohne Umweg finanziell zu unterstützen“, so Medienpädagogin Nakari über das Geschäftsmodell. Hierfür können Nutzer/-innen entweder ein monatliches Abo für ihr Profil der Wahl abschließen oder Inhalte durch Einmalzahlungen freischalten. Content Creators können den Abopreis dabei individuell zwischen 4,99 und 49,99 US-Dollar festlegen und erhalten 80 Prozent aller Einnahmen.

Nacktheit, Erotik und Pornografie machen die Hälfte aller Inhalte aus

Doch noch mehr als sein Bezahlmodell unterscheidet OnlyFans sein Umgang mit Nacktheit, Erotik und Pornografie von anderen sozialen Netzwerken. Im Gegensatz zu Facebook und Co. werden anzügliche bis pornografische Inhalte nicht zensiert. Diese Freizügigkeit lockt nicht nur Influencer/-innen oder Models, die Nacktfotos von sich veröffentlichen möchten. Auch klassische Pornodarsteller/-innen und Sexarbeiter/-innen haben die Plattform für sich entdeckt. Das finanziell faire und selbstbestimmte Modell trägt dabei zur Beliebtheit bei: Unabhängig von einer Agentur oder einem Management können Content Creators auf OnlyFans die Preise, Menge und Art ihrer Veröffentlichungen selbst festlegen.

Laut Gründer Tom Stokely machen „sexuell explizite“ Inhalte etwa die Hälfte des Gesamtportfolios aus. Obgleich OnlyFans auch andere Inhalte aus den Bereichen Mode, Musik, Fitness, Lifestyle und Ernährung bietet, ist die Plattform damit eindeutig der Sparte „Adult Entertainment“ zuzuordnen. Laut Nutzungsbedingungen richtet sie sich dementsprechend ausschließlich an Volljährige.

Anmeldung ohne Altersprüfung möglich

Doch gerade der exklusive Content von Pop-, Serien- und YouTube-Stars führt auch Kinder und Jugendliche auf das soziale Netzwerk. Dort können sie unbeabsichtigt mit pornografischen Fotos und Videos konfrontiert werden, die sie überfordern und nicht einordnen können. „Um sich bei der Plattform anzumelden und so Einblicke in deren Inhalte und Mitglieder zu bekommen, ist es ähnlich wie bei WhatsApp“, erläutert Saskia Nakari. „Man wird darauf verwiesen, dass man nur ab einem bestimmten Alter beitreten kann, hier 18 Jahre, aber verifizieren muss man dies nicht“, so Nakari weiter.

Erst wenn ein/-e Nutzer/-in selbst Inhalte als Content Creator hochladen möchte, erfolgt eine Altersprüfung via Personalausweis. Falls Teenager also Zugriff auf ein Girokonto oder eine Kreditkarte haben, können sie z.B. kostenpflichtige Profile von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern abonnieren. Außerdem weist die Medienpädagogin darauf hin, dass sich „auch in der ein oder anderen Profilvorschau Links zu einschlägigen Pornowebseiten befinden“, die kostenfrei zugänglich sind.

Wie können Eltern auf ein OnlyFans-Konto ihres Kindes reagieren?

Eltern, deren Kinder sich beim sozialen Netzwerk OnlyFans angemeldet haben, sollten ein offenes Gespräch mit ihnen suchen und sie nach den Gründen für ihre Anmeldung fragen. Als Gesprächseinstieg bietet sich laut Medienpädagogin Nakari an, „über Stars im Allgemeinen zu sprechen und was es einem selbst bedeutet (hat), Fan von einer Musikgruppe oder einem Fußballverein (gewesen) zu sein.“ Dadurch signalisiert man den Kindern und Jugendlichen, dass man ihre Perspektive als Fan nachvollziehen kann. Dies kann ihre Bereitschaft erhöhen, den Eltern Einblicke in ihre eigenen Konsumgewohnheiten auf der Plattform zu gewähren.

„Bei dieser Gelegenheit sollte man dann genauer hinschauen und sich zu fragwürdigem Content auch äußern. Als Elternteil vermittelt man moralische Werte, an denen sich die Kinder orientieren können. Falls also zu viel nackte Haut zu sehen ist, sollte man das auf jeden Fall äußern“, empfiehlt Saskia Nakari. Durch viele interessierte Fragen kann man zudem klären, wie genau ein Kind über das Geschäfts- und Bezahlmodell von OnlyFans Bescheid weiß und es zum Nachdenken darüber anregen, ob Stars den zusätzlichen Verdienst wirklich benötigen.

Medienpädagogin Nakari rät außerdem dringend dazu, Kinder und Jugendliche über den großen Anteil von sexualisiertem und pornografischem Inhalt aufzuklären, der sich zum Teil bereits in Vorschauprofilen oder hinter Links zu externen Webseiten verbirgt. „Nach dem Austausch darüber wird jedes Elternteil sein Kind wahrscheinlich bitten, sich gegen dieses Netzwerk zu entscheiden, da es sich hierbei um ein Netzwerk für Erwachsene handelt“, so Nakari. Bei diesem Schritt kann man Kinder und Jugendliche unterstützen, indem man ihnen Alternativen zum Ausleben ihres Fantums aufzeigt, wie z.B. die Planung einer Mottoparty, eines Konzertbesuchs oder das Organisieren einer Autogrammkarte.
 

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Madeleine Hankele-Gauß

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