Digital lehren: Das Homeschooling–Methodenbuch

Ulrike Boscher
Cheerful professor communicate with pupils over video call

Lehrkräfte brauchen Zeit, Übung und geeignete Online-Methoden zum Ausprobieren. So kann Fernunterricht in Zukunft gelingen. | Drazen via GettyImmages/ E+

Einfach ausprobieren: Methoden für den Fernunterricht

Fernunterricht braucht Zeit und Übung. Zur leichteren Vorbereitung ist nun ein Buch erschienen, in dem mehr als sechzig Online-Methoden vorgestellt werden. Das Buch richtet sich an Lehrkräfte, die zusätzlich zum Präsenzunterricht digital unterrichten möchten.

Im Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht: Für manche Lehrerinnen und Lehrer ist die hybride Schule zur neuen Herausforderung geworden. Einige Lehrkräfte sind bereits auf einem guten Weg und haben neue Methoden für das Homeschooling ausprobiert. Andere hingegen fühlen sich mit der digitalen Lehre immer noch stark überfordert. Fehlende Geräte, mangelhafte IT-Infrastruktur und Schulungsbedarf im Umgang mit digitalen Lerntechnologien sind dabei nur einige Faktoren. Vielen Lehrkräften fehlen auch geeignete Methoden zur Gestaltung einer virtuellen Unterrichtsstunde.

Fernunterricht, sofern er überhaupt stattfand, beschränkte sich in den letzten Monaten häufig auf die Bereitstellung von Arbeitsblättern mit Lösungen zur Selbstkontrolle. Ergänzt wurde das Ganze mit Videokonferenzen, bei denen auch hin und wieder Erklärvideos zum Einsatz kamen. Damit war ein wichtiger Schritt in Richtung Digitalisierung getan und dennoch stellte sich immer wieder die Frage: Was zeichnet eigentlich einen guten Fernunterricht aus?

Fernunterricht verändert die Tagesstruktur von Lehrkräften

Dieser Frage gehen die beiden Autoren Thomas Hanstein und sein Kollege Andreas Ken Lanig in ihrem jüngst erschienenen „Homeschooling-Methodenbuch“ nach. Noch in der ersten Homeschooling-Phase befragten sie cirka 500 Schüler/innen und Lehrer/innen von beruflichen Schulen zu ihren persönlichen Erfahrungen. Die Mehrzahl der Befragten meldete zurück, dass ihnen vor allem soziale Kontakte, Lernatmosphäre und Lernmethoden fehlten. Insbesondere Lehrkräfte wünschten sich mehr Unterstützung bei technischen und methodisch-didaktischen Fragen.

Daraufhin befragten Hanstein und Lanig auch Lehrkräfte mit jahrelanger Erfahrung in der virtuellen Lehre. Von ihnen wollten sie wissen, welche analogen Methoden sie anwenden und welche sich davon gut im den Fernunterricht übertragen lassen. Diese Methoden haben die Autoren ausgewertet, überprüft und in ihrem Buch zusammengetragen. Im Interview mit der Schwäbischen Zeitung wies Hanstein außerdem daraufhin, dass sich die Vorbereitung des digitalen Unterrichts (bei den Befragten) deutlich zeitintensiver gestaltete: Im Durchschnitt benötigten die Lehrenden fast 40 Prozent einer Unterrichtsstunde zusätzlich.

Daraus folgerte Hanstein: „Der Fernunterricht verändert massiv die Tagesstruktur, auch bei Lehrern. Und der Aufbau guten Unterrichts braucht Zeit und Übung. Wir brauchen mehr Experimentierfelder fürs virtuelle Lernen.“

Üben, üben, üben: Mit 64 Online-Methoden den virtuellen Unterricht gestalten.

Die Befragung der beiden Autoren gaben den Anstoß für ein Methodenbuch, das Lehrkräfte bei ihren Vorbereitungen für den virtuellen Fernunterricht unterstützen soll. Entstanden ist ein 400 Seiten starkes Buch mit einem fachwissenschaftlichen Theorieteil und einem umfangreichen Methodenteil. Darin beschrieben sind 64 erprobte Online-Methoden für die digitale Zusammenarbeit. Das Ganze ist mit Illustrationen angereichert. Das Buch gliedert sich in fünf Kapitel. Sie behandeln methodische und didaktischen Fragestellungen sowie Konzeptionen für das virtuelle Klassenzimmer. Anhand von zehn Prinzipien geben sie Pädagoginnen und Pädagogen Tipps, wie man Gruppen virtuell zum Laufen bringt.

Schwerpunkt des Buches bildet Kapitel 5 mit mehr als sechzig Techniken und Methoden für die digitale Lehre. Dabei reicht das Spektrum der Lernmethoden von der asynchronen Videokonferenz, über Dropbox Feedback, hybrides Lerncamp bis hin zu Imaginationsübungen und Flipped Classroom. Auch wenn die Sprache der Autoren zum Teil sehr akademisch ist, bietet das Buch eine sehr gute Hilfestellung, um den Übergang zwischen dem Klassenzimmer und dem digitalen Lernraum Schritt für Schritt zu meistern. Hier finden Sie eine Leseprobe zum Buch.

Buchtipp: Dr. Thomas Hanstein, Prof. Dr. Andreas Ken Lanig: Digital lehren. Das Homeschooling-Methodenbuch. Tectum Verlag, 2020, 400 Seiten.

Ulrike Boscher

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