Digitalisierung: Eine Realschule wappnet sich

Medienbildung an der Immanuel-Kant-Realschule in Leinfelden

Welche Chancen bietet die Medienbildung und welchen Herausforderungen müssen sich Schulen künftig stellen? Mit welchen Aufgaben sehen sich Schulen konfrontiert, um die Medienbildung voranzubringen und wie wappnen sie sich in der Praxis? Über diese und andere Fragen sprachen wir mit Benjamin Dorer, Lehrer und Netzwerkberater an der Immanuel-Kant-Realschule (IKR) in Leinfelden. Seit fast zwei Jahren arbeitet Dorer darüber hinaus am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ). Zusammen mit drei Kollegen koordiniert er die Schulnetzberater (SNB) und die medienpädagogischen Berater (MPB) in Baden-Württemberg. Das Interview führte Dr. Katy Schlegel.

Bild: Benjamin Dorer; Immanuel-Kant-Realschule in Leinfelden

1. Mit welchen Fragen beschäftigen sich aktuell Schulen beim Thema Medienausbau?

© Thinkstock, moodboard, Nr. 97429023

Die Schulen sind sehr darum bemüht, auf dem Gebiet der Medienbildung Anschluss an die mediale Wirklichkeit und die digitale Entwicklung zu erlangen. Eine wesentliche Vorgabe liefert der Bildungsplan des Kultusministeriums, wonach Medienbildung einen festen und verpflichtenden Bestandteil des Unterrichts darstellt. Medienkompetenz ist eine Schlüsselqualifikation, die in den nächsten Jahren in allen Fächern weiter gestärkt werden soll. Viele Schulen arbeiten deshalb mit Hochdruck an der Umsetzung eines Medienentwicklungsplans. Das heißt, sie erstellen ein passgenaues Medienkonzept, das die medienpädagogischen Fragen der Schule sowie Aspekte zur technischen Ausstattung, Fortbildung und Finanzierung berücksichtigt.
Auf technischer Ebene drehen sich die meisten Fragen um die IT-Infrastruktur, den Datenschutz und um finanzielle Mittel. Medienbildung kann mittelfristig nur Erfolg haben, wenn die technischen Rahmenbedingungen stimmen. Leider sind vielerorts die Mindeststandards noch nicht erfüllt, um ein schulisches Netzwerk zu betreiben. Eine unzureichende Internetanbindung sowie das Fehlen einer strukturierten Verkabelung stellen dabei die häufigsten Startschwierigkeiten dar. Im Zusammenhang mit dem WLAN-Ausbau und bei der Einrichtung schulischer Computernetze brauchen Schulträger und Schulen häufig Beratung. Sie fragen nach geeigneten Produkten, wie zum Beispiel nach Netzwerk- und Classroom-Lösungen, die sich im Schulbetrieb besonders bewährt haben und finanzierbar sind. Und nicht zuletzt beschäftigt viele Schulen die Frage, wie eine datenschutzkonforme Nutzung von Medien im Unterricht sichergestellt werden kann. Hier sehe ich eine wichtige Aufgabe darin, die Verantwortlichen für das Thema Datenschutz zu sensibilisieren und dabei auf Möglichkeiten, Gefahren und Grenzen hinzuweisen.

2. Wie wappnet sich Ihre Schule für die mediale Zukunft?

© Thinkstock, Kohlerphoto, Nr. 157434799

Die Immanuel-Kant-Realschule geht zweigleisig vor: Zum einen arbeiten wir intensiv an einem Medienlehrplan, um digitale Bildung noch strukturierter in das schulische Curriculum einzubinden. Zum anderen planen wir technische Aufbesserungen. So werden wir das WLAN verstärken und weiter ausbauen, um die bereits vorhandene Abdeckung auch in alle Klassenzimmer zu bringen. Wir werden die Hardware-Ausstattung in den Klassenzimmern und Computerräumen erneuern bzw. Geräte neu beschaffen. Im Zuge dessen soll ein Umstieg von Windows 7 Professional auf Windows 10 Education erfolgen. Interessant und in vielerlei Hinsicht erfolgversprechend sind Überlegungen, beim Ausbau der Infrastruktur mit dem angeschlossenen Gymnasium zu kooperieren. Die genannten Investitionsmaßnahmen zur Erneuerung der IT-Ausstattung sind natürlich nur mit Unterstützung der Stadt möglich, die sich hier sehr kooperativ und fortschrittlich zeigt.


3. Als Netzwerkberater an der Immanuel-Kant-Realschule sind Sie verantwortlich für die Verwaltung des Schulnetzwerks. Was heißt das konkret?

Ich kümmere mich um alles, was das pädagogische Computernetz betrifft. Dazu gehören folgende Aufgaben: Benutzer anlegen, Programme installieren, Schullizenzen verwalten, Versionen aktualisieren, Funktionen prüfen, Datenschutz einhalten, Anwender fortbilden sowie Lehrkräfte und Schulleitung in technischen und medienpädagogischen Fragen beraten. Darüber hinaus sollte das schulische Netzwerk regelmäßig neu upgedatet werden, um den aktuellen technischen und medienpädagogischen Anforderungen gerecht zu werden. An der Immanuel-Kant-Realschule haben wir die Netzwerklösung paedML Novell 4.2 im Einsatz. Neben Grundfunktionen und Programmen wie Office gestattet diese Version der paedML den Lehrkräften zusätzlich ein cloudbasiertes Arbeiten durch den sogenannten Filr, eine lokale Cloudlösung, die auf dem Schulserver liegt. Damit ist ein geschützter Zugriff von außen möglich, Daten können zentral abgelegt, gespeichert oder ausgetauscht werden. Die paedML bildet die wichtigsten schulischen Anforderungen ab, sie ist aus meiner Sicht sehr elegant in der Handhabung und ermöglicht Lehrkräften von zuhause aus zu arbeiten.

4. Aus Ihrer Praxiserfahrung: Welche Funktionen der paedML werden im Schulalltag besonders geschätzt?

© Thinkstock, moodboard, Nr. 97429028

Aus Sicht von Lehrer/-innen ist es unerlässlich, konstant eine zuverlässige, sichere und einfach bedienbare Arbeitsumgebung vorzufinden. Der Desktop-Arbeitsplatz der Schülerinnen und Schüler sollte immer gleich aussehen und stets über die gleichen Icons, die gleichen Programme und Anwendungsfunktionen verfügen. Dies zu gewährleisten ist unter anderem Aufgabe einer pädagogischen Netzwerklösung. Was Lehrkräfte zudem an der paedML schätzen, sind die unterrichtssteuernden Funktionen. Über die Klassenraumsteuerung können sie in der paedML Schülerbildschirme sperren oder auch einen einzelnen Bildschirm in den Präsentationsmodus holen, um ihn über den Beamer anzuzeigen. Zudem können die Lehrkräfte Dateien austeilen und wieder einsammeln oder sie im Klassentauschverzeichnis allen Schülerinnen und Schülern bereitstellen. Das Sperren oder Freigeben des Internets oder des Druckers sowie das Zurücksetzen von Schülerpasswörtern funktioniert einfach und gehört zu den viel genutzten Grundfunktionen. Lehrer schätzen außerdem die Verwaltungsprogramme, insbesondere das E-Mail-System, sowie die geteilte Kalenderfunktion. Für Schülerinnen und Schüler stellt die paedML ein sicheres und gut funktionierendes Arbeitssystem bereit. Ein App-Store stellt den Lehrkräften und Schülern Anwendungen (wie z.B. ein Office Paket) bereit, die sie dann mit einem Klick vom Server auf den Rechnern installieren können. Auch die Wiederherstellung einer Arbeitsstation funktioniert bei Störungen reibungslos. In naher Zukunft möchten wir mobile Geräte beschaffen, denn mit dem Gerätemanagement der paedML Novell können Tablets integriert und verwaltet werden (iOS und Android).

5. Über die Schulter geblickt: Wie sieht Medienbildung in Ihrem Unterricht aus?

Wie in den Bildungsplänen vorgesehen, führe ich in Klasse 5 einen Basiskurs Medienbildung durch, um die Medienkompetenz bei den Schülerinnen und Schüler zusätzlich zu fördern. Auch in allen anderen Klassen setze ich durchweg digitale Medien unterstützend ein. Das kann zum Beispiel die Vorführung eines Filmes, einer Dokumentation oder eines Online-Quizz sein. Den Schülerinnen und Schülern gebe ich die Möglichkeit, selber mit digitalen Medien zu arbeiten, zu recherchieren, Präsentationen zu gestalten und zu halten. In Klasse 10 werden Projektarbeiten mit Hilfe digitaler Medien umgesetzt. Darüber hinaus arbeite ich im Unterricht gerne mit einem Tablet und spiegele meinen Bildschirm auf den Beamer, sodass ich eine Art interaktives Whiteboard habe. Das hat den Vorteil, dass ich schnell auf das Internet zugreifen kann und mich frei im Klassenzimmer bewegen kann. Bei den Schülern kommt das sehr gut an.

6. Zum Schluss: Welche Zukunftsaufgaben sollten wir dringend angehen?

Beim Ausbau der schulischen Medienbildung gibt es kurz- und langfristig noch viel zu tun – dies bezieht sich meiner Ansicht nach sowohl auf die Ausstattung, als auch auf die Ausbildung der Lehrkräfte. Wichtig ist es, dass Bund und Land die bereits in den letzten Jahren eingeschlagene Wegrichtung fortsetzen und Schulen bei der digitalen Entwicklung weiterhin unterstützen. Dabei ist ein flächendeckender Breitband- oder Glasfaserausbau langfristig unumgänglich. Man sollte außerdem darauf achten, dass die Lehrkräfte ausreichend qualifiziert werden.

Ich bin davon überzeugt, dass das Lernen mit mobilen Geräten zunehmend an Bedeutung gewinnt, das heißt, Unterricht wird nicht mehr nur ausschließlich in den Klassenzimmern stattfinden. Die entsprechende Infrastruktur mitsamt stabilem und sicherem WLAN ist vielerorts aber noch zu schaffen. Außerdem brauchen viele Schulen ein Mobile Device Management (MDM), mit dem mobile Endgeräte verwaltet werden können. Das Landesmedienzentrum hat deswegen im Jahr 2017 eine „Projektgruppe MDM“ eingerichtet. Für all die genannten Maßnahmen sind Investitionen erforderlich, aber es ist ein Investieren in die Zukunft.