Rhetorische Kniffe

Martin Gerlach: Allegorie des Lebens, Wien 1882

Die Rhetorik kennt eine Vielzahl von Rede- und Stilfiguren, die einerseits der stilistischen Hervorhebung einer Rede oder eines Textes dienen, zum anderen aber den Redner als Meister des Worts, der Bilder- und Klangfiguren ausweisen. Diese Stilfiguren und Stilmittel sind nicht nur Merkmal der gehobenen und literarischen Sprache, denn im volkstümlichen Sprachgebrauch gibt es selbstverständlich auch rhetorische Figuren und Schemata, die die Rednerin oder den Sprecher als kunstvollen oder doch absichtsvollen Kommunikator ausweisen. Eine Auswahl rhetorischer Figuren wie Allegorie, Karikatur, Satire oder Witz haben wir hier mit Beispielen, Ton oder Bild erläutert.

Allegorie

Griechisch allegorein: bildlicher Ausdruck, anders, bildlich reden, Sinn-Bild, bildhaft belebte Darstellung eines abstrakten Begriffs.

 

Statuengruppe „Gerechtigkeit“ von Balthasar Schmitt auf dem Justizpalast in München; Bild: Waugsberg, Lizenz: CC BY-SA
Albrecht Dürer: Melancholia I, Kupferstich um 1514
Pieter Bruegel der Ältere: Das Schlaraffenland, um 1567

Goethe unterschied noch sehr streng zwischen Allegorie und Symbol und notierte in Maximen und Reflexionen: „Die Allegorie verwandelt die Erscheinung in einen Begriff, den Begriff in ein Bild, doch so, daß der Begriff im Bilde immer noch begrenzt und vollständig zu halten und zu haben und an demselben auszusprechen sei.“ [1] Aus der Bildenden Kunst sei an Dürers Kupferstiche Melancholia oder an Pieter Bruegels Schlaraffenland erinnert. Allegorien stellen unter anderem auch die Personifizierung der „Gerechtigkeit“ als einer Frau mit verbundenen Augen und der Waage in der Hand dar, sind die bildlich-sprachlichen Wendungen vom Staat als einem „Schiff“ oder von der Ehe als „Hafen“.

Die Symbolik verwandelt nach Goethe dagegen „die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild, und so, daß die Idee im Bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und, selbst in allen Sprachen ausgesprochen, doch unaussprechlich bliebe.“ [2] Weltumspannende Symbole sind beispielsweise das Kreuz, die Taube oder das V-Zeichen von Mittel- und Zeigefinger, ein Symbol, das Zuversicht und Siegesgewissheit vermitteln soll.

 

Der Rhetoriker Gert Ueding definiert die Allegorie folgendermaßen:

„Werden mehrere Metaphern zu einer einheitlichen Vorstellung verknüpft oder wird eine einzelne Metapher derart entfaltet, dass sich ein mehrgliedriges Bild, eine komplexe Gedankenfigur ergibt, so entsteht eine Allegorie. Auch sie gehört zu den bedeutendsten Mitteln rhetorischer Wirkung und vermag selbst differenzierte Gedanken oder Tatbestände einleuchtend zu machen. Gerade in Vorträgen oder Gesprächen wird man sie häufig finden, die nach haltbaren Formen verlangen, weil der Fluss der Rede nicht angehalten werden kann und auch die Erinnerung sich oft einzig auf das Gedächtnis verlassen muss.“ [3]

Goethes Ballade Erlkönig (1882) lässt sich ebenso als Allegorie des Todes deuten wie Franz Schuberts Lied und Streichquartett Der Tod und das Mädchen.

Hörbeispiele:

Erlkönig (MP3) (J. W. v. Goethe, gelesen von Dr. Christian Hörburger)

Der Tod und das Mädchen (MP3) (F. Schubert, Lied D 531. Mit freundlicher Genehmigung von Thomas Pfeiffer.)

Der Tod und das Mädchen (MP3) (F. Schubert, Streichquartett D 810, Allegro. Mit freundlicher Genehmigung des Stamitz-Quartetts.)

Beispiel

Der Mauerfall 1989 gilt als Beispiel für eine friedliche Revolution. Bild: Andres Krüger, Lizenz: CC BY-NC

Lateinisch exemplum: Vorbild, Muster, Ebenbild

mittelhochdeutsch bīspel: ‚zur Belehrung erdichtete Geschichte, Fabel, Gleichnis, Sprichwort‘

 

Das Beispiel (oder Exempel) als rhetorische Figur dient entweder der Veranschaulichung bzw. Erläuterung oder der Beweisführung. Dabei wird ein „typischer Einzelfall als Erklärung für eine bestimmte Erscheinung oder einen bestimmten Vorgang“ [4] herausgegriffen. Nach Gert Ueding unterscheidet die Rhetorik folgende Typen von Beispielen:

„1. Das Beispiel aus dem gegenwärtigen Leben, aus der unmittelbaren, verbürgten Zeitgeschichte. Seine Glaubwürdigkeit ist sehr groß, da es aus den wahren Begebenheiten stammt, die allgemein bekannt sind oder nachgewiesen werden können. Das Beispiel, das Exempel, kann eine kurze, einprägsame Beispielgeschichte sein mit positivem oder auch negativem Hintergrund, die auch der Beweisführung dient.

 

2. Das gilt auch für den zweiten Typus: das Beispiel aus der Geschichte. Das historische Exempel wird wohl am meisten gebraucht, weil es nicht nur auf Wahrheit beruht, sondern darüber hinaus autoritätshaltig ist: Es ist auch das durch die Geschichte schon bewährte, durch die vorbildliche historische Personen bekräftigte, in seinen Auswirkungen weitgehend überschaubare Geschehen, das die Überzeugungskraft der Tradition mitbringt.

 

3. Das poetische Exempel. Seine Glaubwürdigkeit ist geringer, weil ihm historische Wahrheit gar nicht oder nur in einem sehr vermittelnden Sinne zukommt. Doch kann es eine existenzielle, religiöse oder allgemein geistige Wahrheit vermitteln und in vielen Bereichen der öffentlichen Reden wirksamer, ja glaubwürdiger sein als das empirisch stichhaltige Faktum.“ [5]

Als ein „poetisches Exempel“ in diesem Sinne kann die Vertonung des Songs Candle In The Wind anlässlich des Todes von Prinzessin Diana am 31. August 1997 gelten. Die letzte Strophe lautet:

Candle In The Wind

 

Goodbye England's Rose

May you ever grow in our hearts.

You were the grace that placed itself

Where lives were torn apart.

Goodbye England's rose

From a country lost without your soul

Who'll miss the wings of your compassion

More than you'll ever know.

Humor

Lateinisch humor / umor: Feuchtigkeit

 

Der Duden definiert:

Carl Spitzweg: Der strickende Vorposten, ca. 1850; Bild: Wikimedia Commons

„Gabe eines Menschen, die Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den Schwierigkeiten und Missgeschicken des Alltags mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.“ [6] Nach klassischer und antiker Vorstellung steht dahinter die Lehre von den Körpersäften und damit auch die Temperamentenlehre: Sie unterscheidet den cholerischen, melancholischen, phlegmatischen und sanguinischen Charakter, die „schlechte“ oder „gute“ Gestimmtheit des Menschen. Humor hat erst im 17. und 18. Jahrhundert die allein positive Bedeutung erfahren. Wichtig ist beim Humor die philanthropische Haltung: Ohne Schärfe wird auf „Ungereimtheiten“ im menschlichen Umgang verwiesen. Anders als die Satire, die mit Bissigkeit auf Veränderung setzt, ist der humorige Ansatz „versöhnlich“ gestimmt. Der Humor ist konstituierend für das Kabarett, aber auch für die Rede- und Schreibpraxis je nach Anlass und Publikum; auch die Malerei kennt selbstverständlich eine humorig-versöhnliche Weltsicht, wie sie beispielsweise bei Carl Spitzweg sichtbar wird.

Humor mit Wilhelm Busch (1832–1908)

Der volle Sack

 

Ein dicker Sack – den Bauer Bolte,

Der ihn zur Mühle tragen wollte,

Um auszuruhn mal hingestellt

Dicht an ein reifes Ährenfeld, –

Legt sich in würdevolle Falten

Und fängt 'ne Rede an zu halten.

Ich, sprach er, bin der volle Sack.

Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.

Ich bin's, der Euch auf dieser Welt

In Einigkeit zusammenhält.

Ich bin's, der hoch vonnöten ist,

Daß Euch das Federvieh nicht frißt,

Ich, dessen hohe Fassungskraft

Euch schließlich in die Mühle schafft.

Verneigt Euch tief, denn ich bin Der!

Was wäret ihr, wenn ich nicht wär?

 

Sanft rauschen die Ähren:

Du wärst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wären.

Humor mit Werner Finck (1902–1978)

Surrealistischer Vierzeiler

Gestern trat ein Fräulein an mein Bette

und behauptete die Märchenfee zu sein,

und sie fragte mich, ob ich drei Wünsche hätte,

und ich sagte, um sie reinzulegen: Nein!

Hörbeispiel:

Surrealistischer Vierzeiler (MP3) (W. Finck. Mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Deutsches Kabarettarchiv.)

Ironie

Griechisch eironeia: Verstellung

 

„Die Ironie ist eines der wichtigsten Mittel, die Glaubwürdigkeit einer Person oder Sache in Zweifel zu ziehen.“ (Gert Ueding)

 

Das Mittel ist konstituierend für das Kabarett, findet sich aber auch in vielen Redebeiträgen und schriftlichen Äußerungen. Die Technik des Als-Ob kommt zur Anwendung. Der Kabarettist und die Personen, die Ironie in Anwendung bringen, „verstellen“ sich. Zwischen ihrem Wissen und ihrer Aktion / Rede wird eine Diskrepanz sichtbar. Der Akteur simuliert vor dem Publikum Nichtwissen und verbirgt seine Kenntnis über den wahren Sachverhalt. Oft wird Einverständnis mit dem beschriebenen Sachverhalt nur vorgetäuscht oder „geheuchelt“.

© Wilfried Gebhard

Durch Übertreibung lässt sich aus dieser Perspektive nachdrücklich kritisieren. Ironie, die für den Zuschauer nicht kenntlich wird, verfehlt ihr Anliegen und führt unter Umständen zu eklatanten Missverständnissen. In der zwischenmenschlichen Alltagskommunikation ist dies oft zu beobachten. Nicht immer ist die sichere Unterscheidung zwischen Humor und Ironie möglich. Als Beispiel für dieses Problem haben wir oben eine Karikatur von Wilfried Gebhard gewählt, die die Grenzüberschreitung deutlich macht.

 

Im klassischen Griechenland war der lroniker im Übrigen ein zu tadelnder Zeitgenosse: „Auch wer vor der Steuer sein Eigentum niedriger als richtig angab, tat klein und galt als Ironiker. Das war im Grunde ebenso sehr Lüge und Täuschung wie die entsprechende Verstellung nach oben hin, das Großtun. Aristoteles muss in seiner Ethik zugeben, das Großtun und Kleintun eigentlich gleich weit von der goldenen Tugendmitte der Wahrhaftigkeit entfernt sind.“ [7] (Harald Weinrich)

Karikatur

Italienisch caricare: übertreiben, überladen

 

© Roger Schmidt

Die Karikatur besteht in der verzerrenden Übertreibung einer charakteristischen Eigenschaft. Damit die Karikatur durch den Hörer, Zuschauer oder Leser erschlossen werden kann, sollte das überzeichnete Vorbild bekannt sein, damit sich der Zitatcharakter einstellen kann. Bei der gezeichneten Karikatur von Politikern wird das deutlich. In unserer Karikatur von Roger Schmidt gibt es zahlreiche verzerrende Übertreibungen. Nase und Kinn beim ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und der damaligen Oppositionsführerin Angela Merkel sind deutlich überzeichnet, die Köpfe bedrängen sich gehörig und legen nahe, dass diese beiden Politiker kaum einen herzlichen oder liebevollen Umgang pflegen.

 

Der Philosoph Henri Bergson (1859–1941) schreibt über die Karikatur:

„Ein Gesicht kann noch so regelmäßig sein, seine Züge mögen noch so harmonisch, seine Bewegungen noch so anmutig wirken, das Gleichgewicht ist nie vollkommen. Immer wieder entdeckt man darin die Spur eines sich ankündigenden Ticks, den Schatten einer möglichen Grimasse, irgendeine besondere Deformation, die das Naturgegebenen verzerren wird. Die Kunst des Karikaturisten besteht darin, dass er diese kaum wahrnehmbare Bewegung erfasst und sie allen Augen sichtbar macht, indem er sie überbetont. Er lässt die Personen, die er zeichnet, die Grimassen schneiden, die sie schneiden würden, wenn sie ihre schon vorhandene Grimasse jemals zu Ende schnitten.“ [8]

Dieter Hildebrandt; Bild: Elke Wetzig, Lizenz: CC BY-SA

Der Kabarettist, Schauspieler und Buchautor Dieter Hildebrandt (1927–2013) karikiert mit Hilfe des Abendlieds von Matthias Claudius (1740–1815) „Der Mond ist aufgegangen“ (1778) typische Sprechweisen und Leerformeln des Altbundeskanzlers Helmut Kohl. Die Formelhaftigkeit der Politikersprache kann beim Publikum als bekannt vorausgesetzt werden und entfaltet durch diese Beziehung des Kennens und Erkennens die komische, karikierende Wirkung.

 

Die zugrunde liegende Strophe lautet im Original:

Der Mond ist aufgegangen,

Die gold'nen Sternlein prangen

Am Himmel hell und klar.

Der Wald steht schwarz und schweiget,

Und aus den Wiesen steiget

der weiße Nebel wunderbar.

Hörbeispiel:

Der Mond ist aufgegangen (MP3) (D. Hildebrandt. Mit freundlicher Genehmigung von Merkton Produktion & Verlag.)

Komik

Griechisch komikos / komos: Festzug, dörfliches Fest

 

Komik beruht unter anderem auf der Inkongruenz von der jeweiligen Anschauung über eine Sache oder Menschen und der tatsächlichen Erscheinung im Leben, auf der Bühne, im Film oder bei der Präsentation.

Ein vollleibiger Pfarrer, der im Spiel auf der Bühne für die sozial Schwachen Interesse zeigt, kann beispielsweise komisch wirken, weil dies nicht mit der vorgefassten Vorstellung des Publikums in Einklang zu bringen ist. Die grölende und prustende Witwe wirkt komisch, weil der Zuschauer Trauer voraussetzt. Man unterscheidet zwischen „freiwilliger“ und „unfreiwilliger“ Komik. Jene ist gegebenenfalls literarisch oder künstlerisch kalkuliert, diese Ergebnis des platten Unvermögens, sich auszudrücken. Das Kabarett jongliert und hantiert mit dem Spektrum der Komik ganz selbstverständlich. Redner sind oft bestrebt, heitere oder komische Aspekte in den Vortrag zu integrieren. Komik wird unterschiedlich erfahren, da der eigene Standort die Reichweite und Wirkung der Komik bestimmen. Kluge Analytiker haben den Humor qualitativ über die Komik gesetzt, den Witz darunter. Die Massenmedien verwechseln zunehmend Komik mit Ulk und Blödelei. Und das ist unter Umständen gar nicht komisch.

Willy Reichert im Jahr 1971; Bild: dpa

Als akustisches Beispiel für Komik (und Humor) haben wir hier den Sketch Die Friedenskonferenz mit Willy Reichert und Oscar Heiler ausgesucht. Beide schwäbischen Künstler firmierten jahrzehntelang als Häberle und Pfleiderer im Radio, vor allem im SDR, der uns freundlicherweise die Aufnahme zur Verfügung gestellt hat. Reichert wurde 1896 in Stuttgart geboren und erhielt 1956 das Große Bundesverdienstkreuz. 1973 verstarb Willy Reichert in Mietenkam im Alter von 77 Jahren.

 

 

Hörbeispiel:

Häberle und Pfleiderer: Die Friedenskonferenz (MP3) (Mit freundlicher Genehmigung des SWR.)

Parodie

Griechisch parōdía: Gegengesang

 

Die Parodie setzt ein wissendes Publikum voraus, das den Originaltext kennt. Dieser wird ganz oder in Teilen verspottet oder lächerlich gemacht, indem die äußere Form beibehalten und ein anderer dem Original „unangemessener“ Inhalt präsentiert wird. Das Verfahren hat große Verwandtschaft zur Travestie, wobei die Abgrenzung nicht immer sinnvoll vollzogen werden kann.

 

Erwin Rotermund führt aus: „Eine Parodie ist ein literarisches Werk, das aus einem anderen Werk beliebiger Gattung formal-stilistische Elemente, vielfach auch den Gegenstand übernimmt, das Entlehnte aber teilweise so verändert, daß eine deutliche, oft komisch wirkende Diskrepanz zwischen den einzelnen Strukturschichten entsteht. Die Veränderung des Originals, das auch ein nur fiktives sein kann, erfolgt durch totale oder partiale Karikatur, Substitution (Unterschiebung), Adjektion (Hinzufügung) oder Detraktion (Auslassung) und dient einer bestimmten Tendenz des Parodisten, zumeist der bloßen Erheiterung oder der satirischen Kritik.“ [9]

Was schon als Beispiel für eine akustische Karikatur dienen konnte, verdeutlicht an dieser Stelle noch einmal Dieter Hildebrandts „Der Mond ist aufgegangen“ für das Stilmittel der Parodie.

Der Mond ist aufgegangen (MP3) (D. Hildebrandt. Mit freundlicher Genehmigung von Merkton Produktion & Verlag.)

Pointe

Französisch pointe, zu Deutsch Spitze. Das französische Wort ist seinerseits dem lateinischen Wort punctum, zu Deutsch Stich, entlehnt.

 

Auf ihr basiert eine entscheidende Wirkung bei der humorigen oder satirischen Rede, und auf ihr gründen viele kabarettistischen Äußerungen. Das Moment der überraschenden Wendung spielt dabei eine Rolle. Der „eigentliche, unerwartete Sinn“ (Gero von Wilpert) rückt in die Szene.

 

Sprachlich kommt es dabei oft zu einer „Enttarnung“ von Meinungen oder Vorurteilen, ein Gesagtes erscheint im neuen Licht, auf alle Fälle ereignet sich ein dramaturgischer Umschlag. Die Pointe betont nicht nur einen Schlussakzent – wie beim Witz –, sie tritt auch innerhalb der Szene oder des Vortrags in Erscheinung.

Satire

Die Herkunft des Wortes scheint nicht gesichert. Ein Zusammenhang mit griechisch satyros ist nicht gegeben. Das lateinische Wort satura (Opferschale) kommt in Betracht, auch die etruskische Wendung satir „reden“. Quintilian wird der Satz zugeschrieben Satura tota nostra est, das heißt: Die Satire ist ganz unser oder auch: In der Satire sind wir allen überlegen.

 

Unter Satire versteht man im literarischen Sinn eine Spottdichtung mit erzieherischer Tendenz. Heute bezeichnet die Satire im Allgemeinen die Verspottung und kritische Auseinandersetzung mit Missständen oder Personen. Anders als bei der humorigen Betrachtung, setzt die Satire auf die Veränderung des beschriebenen Defizits.

Arnulf Rating

Die Satire agiert sozusagen politischer als zum Beispiel die Humoreske bei Wilhelm Busch oder Christian Morgenstern. Sie prangert an und stellt auch bloß, sie kann auch verletzen oder den Gegner demütigen. Die Mittel der Satire sind u.a. Humor, Ironie und Witz. Das satirische Element ist zum Beispiel im Kabarett fast immer vertreten; Heinrich Heine und Kurt Tucholsky waren Meister der literarischen Satire. Was Satire kann und darf, demonstriert der Wahl-Berliner und Kabarettist Arnulf Rating, dem wir an dieser Stelle für Ton und Bild sehr herzlich danken. Die Szene hat den Titel Der Demokratie-Vertreter. (Rating war übrigens Mitglied bei der legendären Kabarett-Truppe Die 3 Tornados.)

Hörbeispiel:

Der Demokratie-Vertreter (MP3) (Mit freundlicher Genehmigung des Kabarettisten Arnulf Rating.)

Travestie

Italienisch travestire: verkleiden

Schauspielerische Travestie: Sarah Louisa Fairbrother als Abdullah, 1848

Die literarische Travestie gehört in den Bereich der Parodie. Ziel der Travestie ist es, bestehende gesellschaftliche Zustände, Traditionen oder Konventionen zu kritisieren, zu entlarven oder lächerlich zu machen. Dabei wird der Inhalt eines Werkes beibehalten, allerdings „verkleidet“, indem die Form gezielt verändert und manipuliert wird. Die stilistische Veränderung kann sowohl in eine gehobene als auch eine niedere Richtung erfolgen:

 

„So kann ein elaborierter Stil (genus sublime) zu einem niederen Stil (genus humile) werden – etwa wenn ein literarischer Klassiker wie etwa Shakespeares Othello in ein Werk der Umgangssprache travestiert wird, so geschehen in Karl Meisls Othellerl, der Mohr von Wien oder Die geheilte Eifersucht von 1806. Umgekehrt kann etwa ein Werk der Trivialliteratur sprachlich so verändert werden, dass die erlesene Wortwahl mit dem einfachen Inhalt kontrastiert.“ [10]

 

In jedem Fall wird, wie auch bei der Parodie, die Kenntnis des Originals vorausgesetzt. An Friedrich Theodor Vischers (1807–1887) Faust-Travestie sei erinnert, an Travestien von Balladen oder an eine Travestie des Schlagers Lili Marleen, der von Lucie Mannheim gesungen und im Programm der BBC am 3. April 1943 ausgestrahlt wurde.

Hörbeispiel:

Lili Marlen (MP3) (Lucie Mannheim singt im Programm der BBC am 3. April 1943. Mit freundlicher Genehmigung von Roland Schimmelpfennig.)

Von Goethes Erlkönig ist folgende moderne Travestie überliefert:

Erlkönig

 

Wer tastet sich nachts die Finger klamm?

Es ist der Programmierer mit seinem Programm!

Er tastet und tastet. Er tastet schnell,

im Osten wird der Himmel schon hell.

 

Sein Haar ist ergraut, seine Hände zittern,

vom unablässigen Kernspeicherfüttern.

Da – aus dem Kernspeicher ertönt ein Geflüster

„Wer poltert in meinem Basisregister?“

 

„Nur ruhig, nur ruhig, ihr lieben Bits,

es ist doch nur ein kleiner Witz.“

„Mein Meister, mein Meister, sieh mal dort!

Da vorne schleicht sich ein Vorzeichen fort!“

 

„Bleib ruhig, bleib ruhig, mein liebes Kind,

ich hole es wieder. Ganz bestimmt.“

„Mein Meister, mein Meister, hörst du das Grollen?

Die wilden Bits durch den Kernspeicher tollen!“

 

„Nur ruhig, nur ruhig, das haben wir gleich,

die sperren wir in den Pufferbereich.“

Er tastet und tastet wie besessen,

Sch****e – jetzt hat er zu saven vergessen!

 

Der Programmierer schreit in höchster Qual,

da zuckt durch das Fenster ein Sonnenstrahl.

Der Bildschirm schimmert im Morgenrot,

Programm gestorben, Programmierer tot!!!

Vergleich und Metapher

Schlafen wie ein Murmeltier. Bild: FokusNatur, Lizenz: CC BY-SA

Der Vergleich ist ein konstituierendes Stilmittel der Rhetorik und dient der Erhöhung der Anschaulichkeit durch Ähnlichkeit. Dabei werden zwei Gegenstände oder Bilder einander gegenübergestellt, die sich in einem gemeinsamen Dritten, dem tertium comparationis, verbinden müssen. Zu unterscheiden sind die sogenannten homogenen Vergleiche, bei denen die Vergleichsgrößen aus ein und demselben Realitätsbereich stammen, zum Beispiel: „Hannah ist größer als ihre Schwester.“, und die heterogenen Vergleiche, bei denen die Vergleichsgrößen aus unterschiedlichen Wirklichkeitsräumen stammen, zum Beispiel: „Ellis ist zäh wie Leder.“ Beim Vergleich können, im Gegensatz zur Metapher, die jeweiligen Größen durch die Vergleichspartikel „wie“ oder „als“ direkt gleichgesetzt werden. Es können allerdings auch Gegenstände durch eine Kontrastierung vergleichend gegenübergestellt werden, dann fallen die Vergleichspartikel weg. Friedrich Schiller lässt beispielsweise seinen Wilhelm Tell die Heimat und die Ferne folgendermaßen vergleichen:

 

„Hier [in der Heimat] sind die starken Wurzeln deiner Kraft; dort in der fremden Welt stehst du allein, ein schwankend Rohr, das jeder Sturm zerbricht!“

Im Psalm 103 lautet der Vergleich:

 

„Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten.“

 

Darüber hinaus gibt es viele vergleichende Redewendungen:

„Er fühlt sich wie im Himmel.“

„Sie spielt wie ein Weltmeister.“

„Stella schwimmt wie ein Fisch.“

Rabeneltern; Bild: Sigurour Atlason, Lizenz: CC BY-SA

Metapher dagegen bedeutet „übertragener, bildlicher Ausdruck“ oder schlicht „Bild“. [11] Ging man früher in Anlehnung an die antike Rhetorik Quintilians noch davon aus, dass die Metapher ein um die Vergleichspartikel gekürzter Vergleich sei, hat sich heute die Auffassung durchgesetzt, dass zwischen der Metapher und dem Vergleich deutliche Unterschiede bestehen. Der Vergleich besitzt mindestens einen Vergleichspunkt, meistens einen Vergleichspartikel und belässt die verglichenen Gesichtspunkte in ihrer Selbstständigkeit.

 

Bei der Metapher wird ein Wort „nicht in seiner wörtlichen, sondern in einer übertragenen Bedeutung gebraucht [...], und zwar so, dass zwischen der wörtlich bezeichneten Sache und der übertragen gemeinten eine Beziehung der Ähnlichkeit besteht.“ [12] Die Metapher fügt die miteinander vergleichenden Bestandteile zu einer neuen semantischen Einheit. Ihre Bestandteile werden somit in eins gesetzt und wirken in ihrer neuen Bedeutung auf- und gegeneinander ein.

 

Beispiele für Metaphern:

Fuchs = listiger Mensch

Schiff der Wüste = Kamel

Glucke = überbehütende Mutter

Rabeneltern = Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen

Flussbett

Stuhlbein

Mondsichel

Witz

Das Wort Witz bedeutete ursprünglich „Wissen, Verstand und Klugheit“. [13] Im 17. Jahrhundert kam im Deutschen die Verwendung des Wortes im Sinne von Esprit und geistreich sein hinzu. Ein „witziger Mensch“ bedeutete zu Goethes Zeit noch so viel wie ein „kluger Kopf“, ein intelligenter Mensch. In den Begriffen „Mutterwitz“, „Irrenwitz“ oder „politischer Witz“ spiegeln sich der Anspruch auf Klugheit und Esprit durchaus wider.

 

Hier zwei Witze:

Ein Kardinal und ein Rabbiner sind zu einem Festbankett eingeladen. Der Kardinal beobachtet, wie und was der Rabbi isst, und fragt den Andersgläubigen: „Wann werden Sie so tolerant sein können, dass Sie auch einmal von diesem köstlichen Schweinebraten essen können?“ Da antwortet der Rabbi: „An Ihrem Hochzeitstag, Eminenz!“

Zwei Bundestagsabgeordnete treffen sich im Reichstag zu Berlin. Da bemerkt der eine: „Es gibt viele Möglichkeiten, um an Geld zu kommen, aber leider nur einen einzigen, der anständig ist.“ „Und der wäre also?“, fragt der Kollege. „Ich habe mir gleich gedacht, dass Sie den nicht kennen.“

Quellen

[1] Goethe, Johann Wolfgang von: Maximen und Reflexionen. In: Helmut Koopmann (Hrsg.): Kleine Bibliothek der Weltweisheiten. Band 14, Nr. 1112. München 2006. [zurück]

[2] ebd., Nr. 1113. München 2006. [zurück]

[3] Ueding, Gert: Rhetorik des Schreibens. Eine Einführung. Weinheim 1996, S. 73. [zurück]

[4] duden.de [26.04.2013] [zurück]

[5] Ueding, Gert: Rhetorik des Schreibens. Eine Einführung. Weinheim 1996, S. 75. [zurück]

[6] Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Duden Band 7. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim / Leipzig / Wien / Zürich 2001, S. 349. [zurück]

[7] Weinrich, Harald: Linguistik der Lüge. 7. Auflage. München 2000, S. 62. [zurück]

[8] Bergson, Henri: Das Lachen. Ein Essay über die Bedeutung des Komischen. Frankfurt 1988, c 1940, S. 26. [zurück]

[9] Rotermund, Erwin: Die Parodie in der modernen Lyrik. München 1963, S. 9. [zurück]

[10] Wikipedia: Travestie. [zurück]

[11] Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Duden Band 7. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim / Leipzig / Wien / Zürich 2001, S. 523. [zurück]

[12] Wikipedia: Metapher. [zurück]

[13] Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Duden Band 7. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim / Leipzig / Wien / Zürich 2001, S. 932. [zurück]

Links

Wikipedia: Liste rhetorischer Stilmittel

Die Online-Enzyklopädie liefert Beschreibungen und/oder deutsche Bezeichnungen zahlreicher Rhetorikfiguren sowie die dazugehörigen Beispiele.

Literatur

Altmann, Hans Christian: Die hohe Kunst der Überzeugung. 100 Tipps für mitreißende Rhetorik, effektivere Kommunikation und erfolgreiche Verhandlungen. Landsberg/Lech 1999.

 

Berthold, Siegwart: Reden lernen im Deutschunterricht. Übungen für die Sekundarstufe I und II. Essen 1997.

 

Birkenbihl, Vera F.: Rhetorik. Redetraining für jeden Anlass. Berlin 1997.

 

Daniel, Ute / Siemann, Wolfram (Hrsg.): Propaganda. Meinungskampf, Verführung und politische Sinnstiftung 1789–1989. Frankfurt/M. 1994.

 

Ebeling, Peter: Rhetorikhandbuch. Frei reden, sicher vortragen. Stuttgart 1998.

 

Endres, Wolfgang u.a.: Mündlich gut. Rhetorik-Tipps für Schülerinnen und Schüler. 5. bis 10. Klasse. Weinheim 2009.

 

Endres, Wolfgang / Küffner, Moritz: Rhetorik und Präsentation in der Sek.II, mit DVD. Das Know-how für Lehrer/innen und Schüler/innen. Weinheim 2008.

 

Fiukowski, Heinz: Sprecherzieherisches Elementarbuch. Tübingen 2004.

 

Gora, Stephan: Praktische Rhetorik. Rede- und Gesprächstechniken in der Schule. Seelze-Velber 2010.

 

Günther, Wolfgang (Hrsg.): Argumente und Parolen. Politische Propaganda im 20. Jahrhundert. Arbeitstexte für den Unterricht. Für die Sekundarstufe. Stuttgart 1993.

 

Haberkorn, Kurt: 88 Tips für erfolgreiche Redner. Rhetorik einmal anders. Renningen 2001.

 

Hägg, Göran: Überreden – Überzeugen – Gewinnen. 30 kleine Lektionen in moderner Rhetorik. München 2004.

 

Hörburger, Christian: Bibliografie Rhetorik. Stuttgart 2007.

 

Kinskofer, Lieselotte / Zander, Willi: Die wirkungsvolle Rede und Präsentation. München 2000.

 

Knape, Joachim (Hrsg.): Medienrhetorik. Tübingen 2005.

 

Neumann, Almut / Dittmar, Katja Anne: Wirksam vortragen. Ilmenau 2006.

 

Pabst-Weinschenk, Marita: Die Sprechwerkstatt. Sprech- und Stimmbildung in der Schule. Braunschweig 2000.

 

Pabst-Weinschenk, Marita: Freies Sprechen in der Grundschule. Grundlagen. Praktische Übungen. Berlin 2005.

 

Pink, Ruth: Souveräne Gesprächsführung und Moderation. Kritikgespräche – Mitarbeiter-Coaching – Konfliktlösungen – Meetings – Präsentationen. Frankfurt/New York 2002.

 

Ueding, Gert: Moderne Rhetorik. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart. München 2000.