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Vom Redner. De Oratore. Übersetzt, eingeleitet und erläutert von Raphael Kühner.

  • Autorin: Cicero, Marcus Tullius
  • Erschienen: 1873
  • Quelle: Ciceros drei Bücher Vom Redner. Übersetzt und erklärt von Dr. Raphael Kühner.
  • Verlag: Hoffmann'sche Verlagsbuchhandlung

Abstract

Im Dezember des Jahres 55 v.Chr. teilte Marcus Tullius Cicero seinem Verleger mit, dass sein Werk „De oratore“ zum Abschreiben fertig gestellt sei. Von den großen Reden (58 sind überliefert, darunter 29 Gerichtsreden und 28 Staatsreden) einmal abgesehen, zählt die Beschreibung und Auseinandersetzung mit der Redekunst zu den bedeutendsten literarischen Hinterlassenschaften des Staatsmanns und Schriftstellers. Die drei Bücher sind als Dialoge aufgebaut und haben bis auf den heutigen Tag ganz entscheidend die Entwicklung der abendländischen Rhetorik und Redekunst beeinflusst. Einleitend fragt Cicero: „Denn was erregt soviel Bewunderung, wie wenn aus der unübersehbaren Menge einer aufsteht, der eine Gabe, welche die Natur eigentlich allen verliehen hat, als einziger oder jedenfalls als einer von sehr wenigen richtig gebrauchen kann? Oder was ist so angenehm für Verstand und Ohr wie eine von klugen Gedanken und eindringlichen Worten schimmernde, wohlausgefeilte Rede?“ (I,31) In der unmittelbaren Nachfolge war es vor allem Marcus Fabius Quintilianus, der sich auf das Erbe Ciceros berief und mit „Intitutio oratoria“ ein umfassendes Rhetorik-Handbuch für die Ausbildung des Redners schuf. Beide Texte – die von Cicero und Quintilianus – ermöglichen dem Lehrer eine vertiefte Auseinandersetzung mit der rhetorischen Tradition und ihren Wurzeln, die, einmal von der Patina historischer Bezüglichkeit befreit, auch die Arbeit in modernen „Sprechwerkstätten“ und Rhetorikschulen fast unverändert bestimmen.
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Cicero, Marcus Tullius

Marcus Tullius Cicero (106–43 v. Chr.) studierte Recht, Rhetorik, Literatur und Philosophie in Rom. Im Jahr 74 v. Chr. wurde Cicero in den Römischen Senat gewählt. Als Anwalt und Politiker berühmt wurde er 70 v. Chr. durch den erfolgreichen Prozess gegen Verres. 64 v. Chr. wurde Cicero zum Konsul gewählt. In diesem Amt kämpfte er gegen die Verschwörung des Catilina, die Verhinderung eines Staatsstreichs wurde ihm jedoch selbst zum Verhängnis: Nachträglich verurteilte der Senat die Hinrichtung der revolutionären Gruppe um Catilina und verbannte Cicero. 57 v. Chr. kehrte er aus dem Exil zurück, seine politische Karriere war jedoch beendet. In den folgenden Jahren entstanden die bedeutenden Schriften „De re publica“ und „De oratore“. Als Anhänger von Pompejus im Römischen Bürgerkrieg ab 49 v. Chr. unterlag Ciceros Partei gegen Caesar. Nach Caesars Ermordung (44 v. Chr.) engagierte sich Cicero für die Wiederherstellung der republikanischen Senatsherrschaft, was sein politisches Scheitern endgültig besiegelte: Unmittelbar nach Abschluss des Triumvirats (43 v. Chr.) von Antonius, Oktavian und Lepidus wurde Cicero von Anhängern des Antonius ermordet. Neben Ciceros schriftstellerischer Leistung ist vor allem seine Darstellung und Überlieferung griechischer Kultur hervorzuheben. Werke: „De re publica (Vom Staat)“, „De officiis“ (Über die Pflichten)