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Eleganz und Abgrund. Beobachtungen zu Mörikes Lyrik.

  • Autor: von Graevenitz, Gerhart
  • Erschienen: 2004
  • Quelle: Martin Ammon & Lutz Friedrichs (Hrsg.): Arbeitsstelle Gottesdienst. Einer der untröstlich blieb... Eduard Mörike 1804-2004.
  • Verlag: Arbeitsstelle Gottesdienst

Abstract

In unserer schnelllebigen, fortschrittlichen Zeit, die von Moral- und Werteverfall geprägt ist, scheint nichts von Eduard Mörikes Eleganz des Intellekts mehr zeitgemäß zu sein. Gerhart von Graevenitz beschreibt Mörike als eine „Winkelexistenz der allerleisesten Töne“, die trotz aller Diskretion und Verschwiegenheit auch Kritik und Abgründiges an den Tag legte. Mörikes Dichtungen seien geprägt von einer mühelosen Eleganz und dem Ideal „intellektueller und ästhetischer Urbanität“, mit der sich der Dichter von seinen schwäbischen Standesgenossen abhob. Die Grundlage von Mörikes Werk, so Graevenitz, beruht auf der Regelhaftigkeit der Antike und ihrer heutzutage antiquierten Höflichkeit. Mörikes schwäbische Ehrbarkeit und die ästhetischen Tugenden seiner Dichtungen sollten uns daran erinnern, dass unsere Manieren zusammen mit der literarischen Bildung verloren zu gehen drohen.
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von Graevenitz, Gerhart

Prof. Dr. phil., geb. 1944, Studium der Fächer Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte. Seit 1988 Professor für Neuere Deutsch Literatur und allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz. Seit April 2000 Rektor der Universität Konstanz. Mitherausgeber der Deutschen Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte. Herausgeber im Auftrag des SFB 511 der Reihe "Literatur und Anthropologie". Publikationen: "Das Ornament des Blicks. Über die Grundlagen des neuzeitlichen Sehens, die Poetik der Arabeske und Goethes "West östlichen Divan"" (1994), "Beruf zur Wissenschaft. Konstanzer Universitätsreden 206" (2000), "Die Gewalt des Ähnlichen. Concettismus in Piranesis "Carceri" und in Kleists "Erdbeben in Chili", in: Gewagte Experimente und kühne ewagte Experimente und kühne Konstellationen – Kleists Werk zwischen Klassizismus und Romantik, hg. von Christine Lubkoll und Günter Oesterle (2001).