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Medienphänomen „Blue Whale Challenge“

In Sozialen Netzwerken existieren laut Medienberichten Gruppen, in denen gezielt (labile) Jugendliche mit perfiden psychisch und gesundheitlich schädigenden Herausforderungen konfrontiert werden. Die letzte Herausforderung dieser Aufgabenreihen stellt angeblich oftmals der Suizid dar. Doch was steckt hinter der sogenannten „Blue Whale Challenge“?

Die Ursprünge der angeblichen Suizid-Gruppen sollen laut Spiegel-TV auf das VK-Netzwerk zurückgehen, dem russischen Pendant zu Facebook. Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang in den vergangenen Monaten oft fiel, ist die sogenannte „Blue Whale Challenge“. Die besagte „Herausforderung“ arbeitet als Wiedererkennungssymbol mit einem Blauwal und beinhaltet nach Medienberichten u.a. eine Aufgabe, bei der die Figur eines Wals in den Unterarm geritzt wird. Auch hier soll als letzte Herausforderung für die Teilnehmer/-innen der Suizid aufwarten. Laut Quellen wie Mimikama und SaferInternet.at könnte es sich bei der „Blue Whale Challenge“ ursprünglich um einen Hoax handeln, also um eine gezielt verbreitete Falschmeldung. Da verschiedene Medien diese Falschmeldung nach unzureichender Recherche allerdings als echte Meldung verbreiteten, rief dies offenbar einige Trittbrettfahrer auf den Plan. So kommt es, dass sich in der Zwischenzeit angeblich tatsächlich Gruppen und Foren gebildet haben und sogar Apps entwickelt wurden, die unter dem Namen „Blue Whale Challenge“ betrieben werden. Dabei scheint es sehr aufwendig zu sein, eine tatsächlich existierende Gruppe oder auch App zu finden. Dem Landesmedienzentrum ist bislang keine Plattform im deutschsprachigen Raum bekannt, von der die App aktuell beziehbar oder eine entsprechende Gruppe erreichbar wäre.

 

Die sogenannte „Blue Whale Challenge“ stellt zweifellos ein Medienphänomen dar. Unabhängig davon, ob die „Blue Whale Challenge“ auf einer Falschmeldung gründet oder nicht: Das Thema scheint aktuell medial omnipräsent und hält durch einfache Verbreitungswege vor allem über Soziale Netzwerke (z.B. anhand von WhatsApp-Kettenbriefen) auch Einzug in die Schulhöfe. Soziale Netzwerke bieten vielfältige und einfache Möglichkeiten des Teilens von Inhalten und damit der zusätzlichen Verstärkung des Hypes. So werden aktuell beispielsweise Selbstmordmeldungen oder Bilder mit verstörenden Motiven in sozialen Netzwerken häufig mit Hashtags (Kennzeichnung eines Schlagwortes auf Sozialen Plattformen durch das Rautenzeichen „#“) versehen, die in Verbindung mit der „Blue Whale Challenge“ stehen. Es kommt somit zu Generalisierungseffekten, die von vielen Nutzerinnen und Nutzern sicherlich nicht eindeutig durchschaut werden. Das Phänomen erhält durch solche einfachen Verbreitungswege noch mehr Aufmerksamkeit und viele Eltern, aber auch Lehrkräfte und Jugendliche selbst geraten in Besorgnis.

 

Die „Blue Whale Challenge“ zeigt deutlich, dass Inhalte von den Nutzerinnen und Nutzern oft unreflektiert über digitale Medien verbreitet werden und ihr Wahrheitsgehalt häufig nicht hinterfragt wird. Das Phänomen zeigt aber auch, dass aufseiten von etablierten Medienformaten noch Nachholbedarf besteht. Hätten diese die zahlreichen offensichtlichen Falschmeldungen Anfang des Jahres nicht verbreitet, wäre es möglicherweise erst gar nicht zum aktuellen Ausmaß des Hypes gekommen.

 

Wenn Eltern oder Jugendliche selbst mit entsprechenden Nachrichten oder Gruppen in irgendeiner Weise konfrontiert werden, raten wir, diese schnellstmöglich der Polizei zu melden. Kettenbriefe bei WhatsApp sollten nicht weitergeleitet werden, auch wenn viele dieser (Sprach-)Nachrichten sich auf den ersten Blick als Warnmeldungen ausgeben. Denn auch auf diese Weise wird der Hype um das Medienphänomen zusätzlich verstärkt. Hilferufe von Jugendlichen sollten in jedem Fall ernst genommen und auffällige Verhaltensänderungen der Kinder und Jugendlichen beobachtet werden. Lehrkräfte sind dazu aufgerufen, wachsam zu sein und bei Verdacht die Eltern zu informieren und ggf. die Polizei einzuschalten. Nur auf diesem Weg können die Betreiber der möglicherweise existierenden Gruppen sowie Trittbrettfahrer zur Rechenschaft gezogen werden.

05.07.2017