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Auch Martin Schulz stellt sich den Fragen der YouTuber

Nach Angela Merkel stellte sich nun auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz den Fragen junger YouTube-Stars im Live-Interview. Die mediale Aufmerksamkeit fiel zwar im Vorfeld vergleichsweise gering aus, hinterher erntete er jedoch weitgehend Anerkennung für seinen Auftritt.

Im gleichen Format des Unternehmens Studio71 folgte zwei Wochen nach dem Interview mit der Kanzlerin nun die Chance für den Herausforderer, beim jungen Publikum zu punkten. Die Besetzung der Interviewer wurde dabei geändert. Neu waren die Beauty-YouTuberin Nihan aus Köln sowie MarcelScorpion, der mit Let’s-Play-Videos bekannt wurde. Bereits bei Angela Merkel mit von der Partie waren ItsColeSlaw und MrWissen2Go. Moderiert wurde der Live-Stream wieder von den beiden YouTubern Lisa Ruhfus & RobBubble. Neu war, dass während des Interviews durch Zuschauerinnen und Zuschauer Fragen auf Twitter gestellt werden konnten. Diese flossen dann zum Teil direkt in das Interview ein.

 

Der Kanzlerkandidat aus dem nordrhein-westfälischen Würselen gab sich nahbar und persönlich. Auf viele Fragen antwortete er mit Anekdoten aus seinem privaten Umfeld, was geeignet war, bei der jungen Zielgruppe Sympathien auszulösen. Von der türkischstämmigen Nihan auf die Probleme bei der Integration von Migrantinnen und Migranten angesprochen, antwortete er mit der Geschichte eines ebenfalls türkischstämmigen Schulfreunds aus seiner Heimatstadt. Der war dort aufgewachsen und beherrschte den lokalen Dialekt „besser als ich selbst“, so Schulz, wurde jedoch ewig als „der Türke“ bezeichnet. Als der Freund dann frustriert in die Türkei auswanderte, musste er dort feststellen, als „Deutschländer“ zu gelten. „Ich hab‘ da richtig mitgelitten“, kommentierte der Kanzlerkandidat.

 

Schulz gibt sich nahbar und menschlich

Auf ähnliche Weise ging er auch die Frage nach dem schleppenden Ausbau der digitalen Infrastruktur an, der gerade für die junge Zielgruppe von besonderer Bedeutung ist. Er verwies auf einen Freund, der einen schweren Unfall hatte und durch die schnelle Übertragung eines Röntgenbilds an das Krankenhaus gerettet werden konnte. Nur halb wich er der Frage nach dem „größten Mist“, den er als Jugendlicher gebaut habe, aus. Er schäme sich ein bisschen und den größten Mist könne er nicht sagen, doch zur Entschädigung rückte der Politiker den zweitgrößten erzählen. Mitten in einer „durchzechten Nacht“ habe er ein Paket Waschpulver ins Freibad geschüttet und habe vor der Polizei wegrennen müssen.

 

Das Merkel-Interview haben nach mittlerweile zwei Wochen 1,8 Millionen Menschen gesehen, dasjenige mit Schulz bislang nach 24 Stunden etwas über 600.000. Ähnlich wie bei der Kanzlerin, waren die Fragen auch hier nicht allzu kritisch und die Interviewer hakten nicht immer nach, wenn sie keine eindeutigen Antworten erhielten. Es ist zu erwarten, dass bei zukünftigen Wahlen solche Interview-Settings wiederholt werden, da sie den Parteien eine sonst schwer erreichbare Zielgruppe zugänglich machen.

 

Das ganze Video können Sie hier ansehen.

06.09.2017