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12.03.2018 | Ina Mangold

Fünf Aspekte: So könnte Jugendmedienschutz in Zukunft aussehen

Wie sehen Heranwachsende und ihre Eltern den Jugendmedienschutz? Die FSM-Studie klärt auf. Bild: Unsplash.com, Lizenz: CC0

Wie gehen Eltern und Heranwachsende an onlinebezogene Risiken heran? Der Jugendmedienschutzindex der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM) zeigt, wie sich Eltern und Heranwachsende den Jugendmedienschutz vorstellen. Ein Überblick über die fünf wichtigsten Erkenntnisse der Studie. 

 

Im Rahmen der Studie wurden 805 Heranwachsende zwischen neun und 16 Jahren sowie deren Eltern befragt. So wurde herausgefunden, wie sich der Jugendmedienschutz in Sorgen, Einstellung und Handeln von Eltern und Heranwachsenden widerspiegelt. 

Diese Sorgen haben Eltern und Heranwachsende

Der mögliche negative Kontakt zu fremden oder erwachsenen Personen im Rahmen der Online-Nutzung ist für Eltern die häufigste Sorge (33 Prozent). Danach folgen gewalthaltige, rassistische oder pornografische Inhalte sowie persönliche Konsequenzen (je 28 Prozent).

 

Dagegen sehen nur je zwölf Prozent der Heranwachsenden Kontaktrisiken und persönliche Konsequenzen als Risiko, sechs Prozent sehen inhaltsbezogene Risiken. 42 Prozent der Heranwachsenden machen sich gar keine Sorgen hinsichtlich der Online-Nutzung. Bei der weiteren Differenzierung der elterlichen Sorgen kam heraus, dass die vermuteten Risiken je nach Alter der Kinder variieren. 

Meistgenannte Sorgen der Eltern in Abhängigkeit des Alters der Kinder. Quelle: Jugendmedienschutzindex, S. 24

Hier ergeben sich klare Handlungsfelder. Je nach Alter des Kindes sollten unterschiedliche Risikobereiche thematisiert werden. 

Kinder haben bessere Online-Fähigkeiten, Eltern einen besseren Umgang mit Risiken

Generell schätzen Eltern die Online-Fähigkeit ihrer Kinder mit 59 Prozent besser ein als ihre eigenen (56 Prozent). Die Kinder unterstützen diese Einschätzung: Ihre eigenen Fähigkeiten schätzen sie mit 69 Prozent besser ein als die ihrer Eltern (65 Prozent).

 

Im Umgang mit Online-Risiken schätzen sich Eltern jedoch besser ein als ihre Kinder:

Eingeschätzte Fähigkeiten im Umgang mit Online-Risiken (Eltern). Quelle: Jugendmedienschutzindex, S. 66
Fähigkeiten im Umgang mit Online-Risiken (Heranwachsende). Quelle: Jugendmedienschutzindex, S. 66

Hier steigt mit zunehmenden Alter die Sicherheit im Umgang mit Risiken, auch die Eltern schätzen mit steigendem Alter der Heranwachsenden die Kompetenzen besser ein. Maßnahmen zum Jugendmedienschutz sollten daraus folgend bereits bei jüngeren Altersgruppen angesetzt werden, damit Kinder sicher und selbstbewusst im Netz surfen können.

Jugendmedienschutz: Nicht nur Aufgabe der Eltern

Die befragten Eltern sehen sich selbst in der Pflicht (94 Prozent), gleich danach die Behörden für Medienaufsicht (82 Prozent). Noch vor den Schulen (74 Prozent) sehen Eltern Anbieter wie 

  • Soziale Netzwerke (81%)
  • Anbieter von Inhalten (78%)
  • Bild- und Videoplattformen (75%)

in der Pflicht.

 

Auch die befragten Kinder sehen viel Verantwortung bei den Eltern (82 Prozent), aber auch bei sich selbst (70 Prozent). Sie sehen anschließend die Medienanbieter (68 Prozent) und Schulen (63 Prozent) in der Pflicht.

 

Da die Eltern in der Pflicht gesehen werden, muss auch bei der Medienbildung der Erwachsenen angesetzt werden – gerade weil diese ihre Online-Fähigkeiten großteilig schlechter einschätzen als die ihrer Kinder. Bei der Verantwortung der Medienanbieter könnte es sich unter anderem um technische Lösungen wie Löschregeln für gefährdende Inhalte handeln. Dies kann von der Politik gefordert werden, beispielsweise mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz, sollte aber auch von den Plattformen selbstständig angeregt werden. Dass Schulen so weit hinten angesiedelt sind, könnte daran liegen, dass vielen nicht bewusst ist, dass Medienbildung (in Baden-Württemberg) mittlerweile in den Bildungsplänen verankert ist.

Maßnahmen ja – Informieren nein

Eltern setzen hauptsächlich auf inhaltsbezogene sowie zeitbezogene Regeln (67 Prozent/66 Prozent). Danach folgt die Beachtung von Alterskennzeichnungen bei Spielen und Apps (64 Prozent) und der Austausch mit den Kindern über die Mediennutzung (62 Prozent). Jedoch informieren sich nur 41 Prozent der Eltern über mögliche Online-Risiken.

Die häufigsten jugendmedienschutzbezogenen Maßnahmen der Eltern. Quelle: Jugendmedienschutzindex, S. 84

Viele Eltern informieren sich kaum über aktuelle Gefahren der Medienwelt, obwohl viele Eltern Regeln zur Nutzung setzen. Informationsmöglichkeiten über Gefahren müssen einfach zu erreichen und zielgruppenspezifisch aufgebaut sein.

Hilfsangebote gibt es – Persönliche Kontakte sind beliebter

Obwohl es eine Vielzahl von Hilfsangeboten wie der Medienpädagogischen Beratungsstelle gibt, kennen und nutzen diese nur wenige Eltern. Nur 37 Prozent aller Eltern wissen, wo sie im Zweifelsfall Hilfe bekommen können.

Kenntnis und Nutzung von Hilfsangeboten (Eltern). Quelle: Jugendmedienschutzindex, S. 73

Auch die Heranwachsenden würden sich bei Problemen mit der Online-Nutzung selten an Beratungsstellen wenden. Eltern, Freunde und Lehrkräfte sind hier die häufigeren Ansprechpartner/-innen (96/85/58 Prozent).

Anlaufstellen bei Problemen mit der Online-Nutzung (Heranwachsende). Quelle: Jugendmedienschutzindex, S. 74

Die Ansprechpartner/-innen der Heranwachsenden, vor allem Eltern und Schulen, sollten grundlegende Kenntnisse über die Online-Nutzung aufweisen, die durch die Hilfsangebote gefördert werden können. Das bedeutet, dass Hilfsangebote eher auf die Schulung von einzelnen Zielgruppen ausgelegt sein müssen. Jedoch zeigen die Ergebnisse auch, dass Angebote nur unzureichend bekannt sind – es besteht also Handlungsbedarf.

Fazit

Es ist zwar eine gute Basis rund um das Thema Jugendmedienschutz vorhanden, dennoch gibt es auch große Lücken. Eltern sorgen sich um den Jugendmedienschutz, ergreifen entsprechende Maßnahmen und wünschen sich Beratungs- und Unterstützungsangebote, was prinzipiell eine positive Erkenntnis aus der Studie ist. Daraus resultiert, dass auf spezifische Themen einzeln eingegangen werden sollte. Hier stehen vor allem die Nutzungsdauer, jugendgefährdete Inhalte, Kontaktrisiken und persönliche Daten im Vordergrund. Auch die Informationskompetenz im Rahmen der Gefahren der Online-Nutzung muss zunehmend gefördert werden. Hilfsangebote sollten präsenter sein und genutzt werden. Es zeigt sich aber auch, dass nicht nur Betroffene handeln sollten, sondern auch Anbieter mehr in die Pflicht genommen werden müssen. Denn: Jugendmedienschutz ist ein vielseitiger Prozess, der zum einen von den Eltern überwacht werden soll, aber durch Schulen, Plattformen und Hilfsangebote unterstützt werden muss.

Linkliste zu Informations- und Hilfsangeboten

Eltern, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte

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