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21.09.2017 | Sascha Schmidt

YouTube Kids – eine Plattform für kindgerechte Videos?

Screenshot aus der App YouTube Kids

Seit Anfang September bietet Google mit YouTube Kids eine Version der bekannten Videoplattform für ein junges Zielpublikum. Die App arbeitet dabei mit verschiedenen automatisierten Filtern, die nur kindgerechte Inhalte ausgeben sollen. Ob dies auch in der Praxis funktioniert, haben wir getestet.

Der Streaming-Dienst YouTube Kids ist in den USA bereits seit 2015 verfügbar. In Deutschland hat das Portal Anfang September seinen Betrieb aufgenommen und ist als App sowohl für Android- als auch für iOS-Geräte in den jeweiligen App Stores kostenlos zum Download erhältlich. Beim ersten Starten bietet die App bereits mehrere Einstellungsmöglichkeiten, die von den Eltern vorgenommen werden sollen. YouTube Kids unterscheidet bei der Bereitstellung der Videos zwischen drei Altersstufen: Vorschule, Schule oder alle Kinder. Je nach Wahl der Eltern bekommen die Kinder also jeweils nur altersrelevante Videos angezeigt. Zudem kann ausgewählt werden, ob den Kindern eine Suche zur Verfügung steht oder ob neue Videovorschläge ausschließlich von der App selbst bereitgestellt werden.


Generell richtet sich die App vor allem an junge Kinder. Die Bedienoberfläche der App ist einfach und kindgerecht gestaltet und teilt die Videos in vier Inhaltsbereiche auf: Serien, Musik, Lernen und Erkunden. Das Angebot reicht von Zeichentrickserien über Musikclips bis hin zu Realfilmbeiträgen mit kinderorientierten Inhalten. Während die Inhalte zwischen den Kategorien Serien und Musik jedoch noch eindeutig voneinander unterscheidbar sind, ließen sich zwischen den Bereichen Lernen und Erkunden für uns nicht immer eindeutig nachvollziehbare Unterschiede der vorgeschlagenen Videos ausmachen.

Wie funktioniert YouTube Kids?

Screenshot aus der App YouTube Kids

Die Basis von YouTube Kids bildet nach wie vor das Portal YouTube. Die App speist die Inhalte von der Mutterplattform und der plattformeigene Algorithmus selektiert vor allem nach Schlagwörtern, Kategorien und der Kennzeichnung, ob es sich um kindgerechte Inhalte handelt. YouTube fragt beim Hochladen jedes einzelnen Videos nämlich stets nach, ob es sich hierbei um ein kindgerechtes Video handelt. Wird dies von den jeweiligen Nutzer/-innen bejaht und weist das Video keine gesperrten Kategorien oder Schlagwörter auf, so ist die Chance relativ hoch, dass es bei YouTube Kids gelistet wird. Das Portal verlässt sich somit zu einem großen Teil auf die Angaben der Nutzer/-innen beim Upload der Videos und verfügt nur über eingeschränkte Möglichkeiten, das Videomaterial selbst zu bewerten. Zwar können unangebrachte Videos gemeldet werden, nur ist zu diesem Zeitpunkt das Kind meist bereits sprichwörtlich in den Brunnen gefallen und hat das nicht kindgerechte Video möglicherweise schon teilweise oder ganz konsumiert.


Die Sperrung von nicht kindgerechten Suchbegriffen funktionierte in unserem Test erstaunlich gut: Bei der Eingabe diverser nicht kindgerechter Suchbegriffe zeigte die App stets an, dass man bitte einen anderen Suchbegriff verwenden soll. YouTube Kids setzt auf einen ähnlichen Empfehlungs-Algorithmus wie das Mutterportal und schlägt neue Videos auf Basis der bisher konsumierten Inhalte sowie der gestellten Suchanfragen vor. Ein Großteil der Videos von bekannten YouTube-Stars wie beispielsweise Sami Slimani oder Bibis Beauty Palace werden ebenfalls in der App aufgeführt. Ob diese Videos, die häufig in großem Maße Product Placement beinhalten, generell als kindgerecht einzustufen sind, darüber lässt sich aber sicherlich streiten.

Sicherheitseinstellungen für Eltern

Screenshot aus der App YouTube Kids

YouTube Kids verfügt über zusätzliche Einstellungen, die unter Eingabe einer Art Captcha-Code von den Eltern vorgenommen werden können. Hierzu gehören ein Timer, mit dem man die Nutzungsdauer der App begrenzen kann und ein festlegbarer PIN-Code, der beim Start der App verlangt wird. So können Eltern selbst bestimmen, wann und wie lange die App von ihren Kindern genutzt werden kann. Dass sich YouTube Kids vornehmlich an ein sehr junges Zielpublikum richtet, wird jedoch spätestens bei den Sicherheitseinstellungen klar: Selbst wenn der PIN nicht bekannt ist, weist YouTube Kids darauf hin, dass der PIN Code mit einer Neuinstallation der App zurückgesetzt werden kann. Ältere Kinder, die mit der Nutzung von mobilen Endgeräten vertraut sind, sollten somit kaum Probleme haben, den PIN Code zu umgehen. Auch der Captcha-Code zum Erreichen der Sicherheitseinstellungen sollte von älteren Kindern mit Lesefähigkeit problemlos umgangen werden können.


Wie auch andere Google Apps verlangt YouTube Kids eine Vielzahl an Berechtigungen, darunter durchaus fragwürdige wie der Zugriff auf das Mikrofon und das Lesen des Telefonspeichers. Nutzer/-innen der App sollten sich also über die Berechtigungen der App bewusst sein. Des Weiteren weist die App sehr viele Werbeblöcke auf, in denen erwartungsgemäß insbesondere Kinderspielzeug angepriesen wird. Wer mit diesen Einschränkungen und Berechtigungen leben kann, für den bietet YouTube Kids gerade in Hinblick auf jüngere Kinder jedoch sicherlich eine gelungene Alternative zu YouTube.

Außerschulische Pädagogik, Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte, MCO_Blog, Soziale Netzwerke, Werbung

Marion, 06.10.2017 um 12:35
Hallo Sascha Schmidt,

das es mittlerweile YouTube Kids gibt und das anscheinend bereits seit einem Monat wusste ich gar nicht - und das als Mutter.

Deswegen bin ich froh das ich auf deinem Beitrag gelandet bin. Klar es ist in der Entwicklungsphase und hat den ein oder anderen Nachteil den du Aufgelistet hast.

Aber alles in allem finde ich das ein sehr gutes Konzept. Meine Tochter ist 10 und mit Medialen Endgeräten vertraut. Ich finde das sollte man heutzutage auch nicht unterbinden aber kontrollieren.

Immerhin besitzt sie schon ein Smartphone mit Smartphonevertrag, der Ihren Bedürfnissen und Ihrem Alter angepasst ist. Wir haben da ganz spezielle Regeln auf die ich jetzt mal nicht eingehen werde, sonst wird mein Kommentar noch ein halbes Buch.

Sobald ich zu Hause bin werde ich mal mit ihr zusammen Youtube Kids testen und dich wissen lassen was wir davon halten.

Liebe Grüße
Marion
Sascha Schmidt, 10.10.2017 um 16:53
Liebe Marion,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir sind gespannt und freuen uns auf Ihr Feedback zu YouTube Kids in der Praxis.

Herzliche Grüße
Sascha Schmidt
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