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03.05.2017 | Nora Brockamp

Welttag der Pressefreiheit – Deutschland auf Platz 16 der Rangliste

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Whistleblower oder Zensur, Lügenpresse oder die vierte Gewalt, Filterblasen oder Fakenews, postfaktische Zeiten oder knallharte Fakten, Satire oder Exil, Unterdrückung und Gewalt oder Meinungs- und Medienvielfalt? Was bedeutet Pressefreiheit?

 

Heute, am 3. Mai 2017 ist Welttag der Pressefreiheit. Deutschland wurde auf der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 16 eingestuft. Doch was bedeutet diese Zahl im internationalen Vergleich, für Deutschland und für die Medienpädagogik?

Deutschland auf Platz 16

Jedes Jahr untersucht Reporter ohne Grenzen e. V. den Grad der Presse- und Informationsfreiheit von Journalisten und Medien in 180 Ländern. Dabei bewerten sie auch die Bemühungen der Staaten um unabhängige und ungehinderte Berichterstattung. Methodisch stützt sich die Rangliste auf einen Fragebogen, der an Experten auf der ganzen Welt verschickt wird und dessen Antworten ein Punkteranking ergeben, woraus sich dann die Platzierung des jeweiligen Landes ergibt. Vergangene Woche hat Reporter ohne Grenzen e. V. die Ergebnisse für das vergangene Jahr veröffentlicht. Deutschland belegt den 16. Platz. Damit liegt das demokratische Land weltweit gesehen zwar sehr weit oben in der Rangliste, im europäischen Vergleich ist das Ergebnis jedoch nur mittelmäßig. Skandinavien belegt geschlossen die ersten vier Plätze der Rangliste und auch die Beneluxstaaten sind noch vor Deutschland platziert. Deutlich weiter unten in der Liste sind beispielsweise Polen, Frankreich und Großbritannien zu finden.

 

In fast zwei Drittel der 180 untersuchten Länder hat sich die Situation im vergangenen Jahr verschlechtert. Besonders aufgefallen ist in der diesjährigen Untersuchung, dass auch in Demokratien unabhängiger Journalismus zunehmend eingeschränkt wird. Bekannte Beispiele hierfür sind die verbalen Angriffe Trumps auf Journalisten, aber auch die Einschränkung kritischer Aussagen gegenüber der Regierung durch die Möglichkeit verklagt zu werden in Polen. In anderen Ländern wie Ungarn und Kroatien nehmen regierungsnahe Personen wichtige Positionen in der Medienbranche ein und vergrößern so den politischen Einfluss auf die Medien.

 

Ein Gegenbeispiel stellt das Land Italien dar. Es hat seinen Rang, nicht zuletzt durch den Regierungswechsel, um 25 Plätze nach oben verbessert. Dennoch gibt es auch hier deutliche Probleme, denn die Mafia übt starken Druck auf einzelne Medienvertreter aus, wodurch ein ständiger Polizeischutz für manche Journalisten notwendig ist.

Probleme der Presse

Deutschlands Probleme in Bezug auf die Pressefreiheit sind im internationalen Vergleich gering. Dennoch kann sich Deutschland etwas von den skandinavischen Ländern abschauen. So ist in Deutschland die Anzahl von gewalttätigen Übergriffen, Drohungen und Einschüchterungsversuchen gegen Journalisten zwar leicht zurückgegangen, dennoch ist sie vergleichsweise hoch. Auch die politische Situation in der Türkei hatte im vergangenen Jahr einen Einfluss auf die Medienbranche in Deutschland. Justiz und Nachrichtendienste aus In- und Ausland beobachten immer wieder die Tätigkeiten von Journalisten. Oft stehen nicht die Journalisten selbst, sondern ihre Informanten im Visier. Die Gesetzeslage für Whistleblower ist in Deutschland im UN-Vergleich schwierig. So können Aufdecker von Korruption im Finanzwesen nicht mehr belangt werden, in anderen Bereichen jedoch schon. Erst Ende 2015 wurde das neue Gesetz gegen „Datenhehlerei“ erlassen, durch das Whistleblower sich strafbar machen. Dies erschwert den innovativen Journalismus in Deutschland. Die Politik hat auch direkten Einfluss auf den Journalismus, da sie sich in Aufsichtsräten und Gremien wiederfindet. Außerdem kommen insbesondere auf eher rechtspolitischen Veranstaltungen Ausschlüsse von Journalisten vor.

 

Informationen von Behörden sind in Deutschland nicht überall gleich gut zu erhalten. Abhängig ist dies von den Gesetzen der jeweiligen Bundesländer. Reporter ohne Grenzen e. V. kritisiert zudem, dass die Medienvielfalt in Deutschland aufgrund finanzieller Probleme in der Medienbranche abnimmt und die klare Trennung von Werbung und Inhalten sich immer weiter auflöst.

Werbung, die sich mit Inhalten vermischt, ist nur einer der Punkte, an denen die Medienpädagogik ansetzen muss. Welche Arten von Werbung es gibt, die sich zwischen und in redaktionellen Inhalten verstecken, können Sie hier nachlesen. 

 

Wichtig ist es auch, junge Menschen an den Journalismus heranzuführen, deren Arbeitsweisen transparent und ihnen ein breites Spektrum an Medien zugänglich zu machen. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Medienverlagen und unabhängigen Journalismusverbänden stärkt das Vertrauen gegenüber den Medien und trägt zur (politischen) Meinungsbildung bei. Eine kritische Auseinandersetzung mit negativen Begriffen wie „Lügenpresse“, aber auch machtbesetzten Ausdrücken wie „die vierte Gewalt“, sollte gefördert werden. Sogenannte Filterbubbles oder auch Filterblasen lassen sich aufbrechen, wenn Konsumenten ihren Horizont erweitern und neue Medien in ihre Timelines einbinden.

 

Ausführlichere Informationen von Reporter ohne Grenzen e. V. und sämtliche Berichte können Sie hier nachlesen.

Außerschulische Pädagogik, Eltern, Lehrkräfte, Medienbildung

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