MediaCulture-Online Blog

27.01.2017 | Sascha Schmidt

Nintendo Switch – Familienfreundliche Konsole durch Kontroll-App?

Schematisches Bild der Nintendo Switch. Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Nintendo Switch – so lautet der Name der am 3. März 2017 erscheinenden und bereits viel diskutierten Konsole vom namhaften Videospielhersteller. Die neue Nintendo-Konsole baut dabei weniger auf grafische oder leistungstechnische Innovationen, sondern vielmehr auf Mobilität. Diese soll es ermöglichen, dieselben Videospiele sowohl am heimischen TV-Gerät als auch mobil zu konsumieren und die jeweiligen Spielstände fortzuführen. Darüber hinaus wirbt der Hersteller insbesondere mit einer Kontroll-App, die es Eltern erlaubt, das Spielverhalten der Kinder auf einfache Art und Weise zu regulieren.

Heimkonsole und Handheld in einem Gerät

Ein Vorreiter in Sachen mobiles Spielen: Der Nintendo GameBoy. Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Mit der Switch will Nintendo erstmals die Heimkonsolenwelt direkt mit den Mobilkonsolen verbinden. Dies ist möglich, indem die Konsole in ihrer Grundausführung lediglich aus einer Art Tablet besteht, welches über eine Dockingstation an den Fernseher angeschlossen wird und auch autark als mobile Spielkonsole funktioniert. Für beide Varianten bietet die Switch zwei sogenannte JoyCons, also Controller, die zum mobilen Spielen entweder an den Seiten des Tablets eingerastet oder kabellos als eigenständige Spielcontroller genutzt werden können. Eine Besonderheit der Konsole liegt darin, dass exakt dieselben Videospiele am TV-Gerät auch einfach mobil weitergespielt werden können und umgekehrt. Die Mehrspielerfunktion wird dann abhängig vom jeweiligen Spiel sowohl am TV-Gerät als auch am mobilen Handheld möglich sein.

Spielzeiten per App kontrollieren

Nintendos Kultfiguren Mario und Luigi. Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Nintendo kündigte an, parallel zur neuen Konsole eine App zu veröffentlichen, mit der Eltern das Spielverhalten ihrer Kinder kontrollieren können. In ihren Grundfunktionen bietet die App dabei ähnliche Funktionen wie gängige Jugendschutzfilter-Software: So erhalten Eltern nicht nur Infos über die Spieldauer, sondern auch darüber, welche Spiele auf der Konsole wann gespielt wurden. Eine Sperrung von nicht altersgerechten Spielen sowie Online-Spielfunktionen seien mit der App auch möglich. Darüber hinaus können Spielzeiten und auch die erlaubte Spieldauer für die Konsole festgelegt werden. Bei Überschreitung der erlaubten Spielzeit stehen Eltern dann verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Ignorieren, eine Warnung auf dem Spielbildschirm einblenden oder die Konsole automatisch abschalten lassen. Letztere Möglichkeit betrachtet Nintendo selbst aber nur als absolute Notlösung, wie im Präsentationsvideo deutlich gemacht wird.

Zunächst soll es jedoch nicht möglich sein, mit der App verschiedene Nutzerprofile anzulegen. Eltern mit mehreren Kindern erhalten somit lediglich Infos über die gesamte Nutzung der Konsole und müssen für den Umgang ihrer Kinder selbst eine sinnvolle Lösung finden.

 

Generell empfiehlt die Initiative SCHAU HIN! als groben Richtwert bei Kindern unter fünf Jahren eine maximale Computerspielzeit von 30 Minuten pro Tag, bei Kindern bis neun Jahren eine Stunde. Ab zehn Jahren können die Kinder die Medienzeit pro Woche dann zunehmend selbst einteilen, als Richtwert nennt SCHAU HIN! etwa neun Stunden pro Woche.


Egal wie gut die Kontroll-App funktionieren wird: es ist von Bedeutung, die Verantwortung für den Videospielkonsum der eigenen Kinder nicht nur in die Hände einer App zu legen. Eltern sollten gemeinsam mit ihren Kindern die Spiele entdecken, Interesse dafür zeigen und auch herausfinden, warum bestimmte Spiele besonders anziehend wirken. Regeln für Spielzeiten sollten gemeinsam festgelegt und nicht aufgezwungen werden. Generell bleibt auch abzuwarten, wie schnell erste Tutorials mit Lösungswegen im Netz auftauchen, um die Kontroll-App auszuhebeln. Deshalb ist es umso wichtiger, ein Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind sowie ein Verständnis für bestimmte Mediennutzungsregeln zu schaffen.

Die berühmte Frage nach dem Datenschutz

Durch die bereits vorgestellten Möglichkeiten der Kontroll-App wird deutlich, dass für die korrekte Funktion der App mindestens Daten zur Spielauswahl und Spieldauer erhoben werden müssen. Es bleibt abzuwarten, welche Daten ansonsten von Nintendo gesammelt werden und vor allem was schließlich mit eben jenen Daten geschieht. Jüngst ließ der Release von Nintendos Pokémon GO Datenschützer aufgrund fragwürdiger App-Berechtigungen bereits aufhorchen. Das Thema Datenschutz wird somit vermutlich noch eine spannende Rolle in Hinblick auf die Markteinführung der Nintendo Switch spielen.


Mehr zum Thema Computerspiele allgemein finden Sie hier.


In der ComputerSpielSchule Stuttgart können Kinder aller Altersklassen, aber auch Erwachsene kostenlos angesagte Computerspiele ausprobieren, sich darüber informieren und austauschen.
 

Computerspiele, Datenschutz, Eltern, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte, MCO_Blog, Medienbildung

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* = Pflichtfeld

*
*
*

CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*