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30.08.2017 | Dejan Simonović

Gamescom: Politiker nehmen Stellung zur Digitalisierung und Medienbildung

Felix Falk, Veranstalter der Gamescom, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen; Bild: Dejan Simonovic/LMZ

Die Gamescom in Köln ist mit über 350 000 Besuchern aus 106 Ländern eine der bedeutendsten, wenn nicht sogar die bedeutendste Computerspielemesse weltweit. Kein Wunder also, dass so kurz vor der Wahl Spitzenpolitiker, allen voran die Bundeskanzlerin selbst, die Messe zum Anlass nehmen, sich modern und offen gegenüber der Digitalisierung zu präsentieren.

 

Mit der Eröffnungsrede von Angela Merkel am 22. August wurden Computerspiele als Kulturgut gewürdigt und die wirtschaftliche Bedeutung der Branche unterstrichen. Aber auch Medienbildung war in der Rede ein großes Thema. Schon der Einstieg mit einem Schillerzitat betont die Bedeutung des Spielens für den Menschen: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

 

Auch das Lernen geschehe spielerisch, so Merkel. Wichtig sei aber eine pädagogische Begleitung der Kinder und Jugendlichen hin zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Spielen und damit werden auch die Schulen immer mehr gefordert. Die Kanzlerin stellte Berührungspunkte zwischen Medien- und Sozialkompetenzen außer Zweifel. Bezüglich den negativen Einflüssen von Gewaltspielen räumte sie ein, „dass es eine zweifelsfreie pauschale Antwort darauf nicht geben kann, dass die Sorgen und Bedenken aber auch immer wieder ernst genommen werden sollten.“ Außerdem müsse man Suchtverhalten durch Präventionsaktivitäten entgegenwirken.

 

Stärker im Vordergrund standen jedoch die positiven Aspekte. Auch wenn Spiele der Unterhaltung dienen, können sie für Wissenschaft und Technik begeistern. Die Kanzlerin sieht noch sehr viel Potential für spielbasiertes Lernen und begrüßt es sehr, dass Lehrkräfte geeignete Computerspiele auch im Unterricht einsetzten: „Damit wird der Umgang mit dem Medium und der Technologie trainiert sowie vernetztes Denken gefördert.“

 

Die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel finden Sie hier im Wortlaut.

In der „Wahlkampfarena“

In der Wahlkampfarena; Bild: Dejan Simonovic/LMZ

Neben der Kanzlerin nahmen auch weitere Spitzenpolitiker auf der Gamescom Stellung zur Digitalen (Games-)Kultur, Wirtschafts- und Medienbildungsfragen. Im Einzelnen waren dies Dr. Peter Tauber (CDU), Hubertus Heil (SPD), Matthias Höhn (Die Linke), Michael Kellner (Bündnis 90/Die Grünen) und Nicola Beer (FDP).

 

Im Rahmen des Gamescom Congress fand am 23. August die sogenannte Wahlkampfarena statt, bei der die bekannten Youtuber Colin Gäbel, LeFloid und Pietsmiet die Politiker mit brennenden Fragen aus der Gamercommunity löchern sollten.

 

Allerdings herrschte selten so eine Einigkeit bei allen Parteien, wie wichtig Games für Deutschland sowohl als Kulturgut, als auch als Wirtschaftszweig seien. Selbst die Frage, ob E-Sports olympisch werden könnte, wurde praktisch von allen Beteiligten bejaht. Ebenso einig waren sich die Parteien, dass die Games-Industrie stärker gefördert werden und der Breitbandausbau vorangetrieben müsse.

 

Besonders interessant war noch eine Zuschauerfrage über Twitter: „Wie soll Medienbildung in der Schule konkret umgesetzt werden? Woran die Schule orientieren?“

 

Auch hier gingen die Meinungen nicht weit auseinander. Alle befürworten die Integration und selbstverständliche Nutzung der digitalen Medien im Unterricht, anstatt diese aus dem Klassenzimmer zu verbannen. Gleichzeitig müsse den Vorbehalten der Eltern und Lehrern begegnet werden, um einen offen Umgang mit der Digitalisierung zu ermöglichen. Mehrfach kam die Forderung auf, dass Programmieren als Unterrichtsfach aufgegriffen werden soll. Außerdem soll Informations- und Medienkompetenz in allen Fächern mit vermittelt werden. Dazu bedürfe es einer Modernisierung der Lehrpläne sowie der Lehreraus- und Fortbildung. In diesem Rahmen wurde auch die mangelhafte technische Ausstattung der Schulen von allen als Problem erkannt. Zur Lösung dieser ganzen Probleme wurde zum großen Teil auf die Zuständigkeit der Länder verwiesen, aber auch betont, dass der Bund hier dennoch stärker unterstützen könne und auch müsse.

Fazit

Betrachtet man die Eröffnungsrede der Kanzlerin und die Wahlkampfarena zusammen, könnte man fast den Eindruck haben, alle Politiker seien sich einig und egal wie die Wahl ausgeht, wird die Digitalisierung in der Wirtschaft wie auch an den Schulen einen großen Sprung nach vorne machen.

 

Jedoch muss man die Veranstaltungen leider auch in dem Rahmen sehen, in dem Sie stattgefunden haben. Die Gamescom als Messe wie auch als Kongress bietet natürlich in erster Line ein Publikum, das der Digitalisierung sehr offen gegenübersteht und daher auch so bedient wurde.

 

Dennoch wurde hier von Politikerseite aus zu wichtigen Fragen Stellung bezogen. Zum einen wurden Games als sehr junges Medium nochmal ganz offen und von allen Seiten aus als Kulturgut gewürdigt. Darüber hinaus wurde aber auch die Wichtigkeit von Medienkompetenz in der voranschreitenden Digitalisierung betont und Notwendigkeit von umfassender Medienbildung an allen Schulen hervorgehoben.

 

Informationen rund um Computerspiele finden Sie in unserem Themenbereich. Oder schauen Sie einmal in der ComputerSpielSchule Stuttgart vorbei!

Außerschulische Pädagogik, Computerspiele, Eltern, Lehrkräfte

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