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13.10.2017 | Marco Herbst

Filmkritik zu „The Circle“ – Teilen heißt heilen

Bereits 2013 erschien in den Vereinigten Staaten Dave Eggers Roman „The Circle“, der sich international schnell auf den Bestsellerlisten wiederfand und ein Jahr später auch in Deutschland die Spitze der Büchercharts erreichte. Anhand des fiktiven Internetkonzerns „The Circle“ kritisiert Eggers in seinem Roman die steigende Tendenz, Privates im Netz öffentlich zu machen und nimmt dabei besonders die Sozialen Netzwerke ins Visier. Nun wurde das Buch von James Ponsoldt mit prominenter Besetzung verfilmt.

Die Handlung: „Alles, was passiert, muss bekannt sein“

Bild: © Universal Film GmbH

Im Zentrum des Films steht Mae Holland (Emma Watson, bekannt als Hermine aus den Harry Potter Filmen), die ihr Glück nicht fassen kann, als sie das Angebot erhält, im Silicon Valley für den größten Internetkonzern der Welt „The Circle“ zu arbeiten, der andere Firmen wie Google, Facebook und Twitter in sich vereint. Geleitet wird der Circle von den drei Firmengründern, auch die „drei Weisen“ genannt, darunter Eamon Bailey, gespielt von Tom Hanks. Bereits an ihrem ersten Arbeitstag ist Mae begeistert von ihrem neuen Arbeitsplatz. Der weitläufige „Campus“ des Circle bietet alles, was das Herz begehrt: Shopping Malls, Sportplätze, Restaurants und sogar Hotels, falls die Mitarbeiter bis in die späten Abendstunden arbeiten wollen. Bei einer internen Firmensitzung präsentiert Eamon Bailey die neueste Erfindung des Circle: SeeChange, eine kleine Kamera, die überall unauffällig positioniert werden kann und so eine Überwachung des öffentlichen Raums vereinfacht. Mae Holland wird im Laufe des Romans (und Films) zur Spitze der SeeChange-Bewegung und beginnt, ihren Alltag vollständig zu dokumentieren ganz gemäß der Devise des Circle: „Etwas zu wissen ist gut. Alles zu wissen ist besser.“ Für den Film wurde die Handlung des Romans somit größtenteils beibehalten, bei fast 600 Seiten Ausgangsmaterial wurden jedoch Teile der Nebenhandlung gekürzt und das Ende abgewandelt.

Film und Roman sind umstritten

Bild: © Universal Film GmbH

Schon Dave Eggers Roman stieß nicht nur auf Gegenliebe. Mangelnde Figurentiefe und die schier grenzenlose Naivität der Hauptfiguren schmälern die Glaubwürdigkeit und damit das Lesevergnügen merklich. Im Film steht sogar noch weniger Zeit für die Charakterentwicklung zur Verfügung, was die Probleme des Romans zusätzlich verschärft. Ebenfalls deutlich wird ein gewisser Medienpessimismus. Positive Aspekte einer zunehmenden Digitalisierung werden zwar thematisiert, aber in der nächsten Szene sofort relativiert. Sicherlich könnte man auch darüber diskutieren, ob Dave Eggers Roman nur ein Update von George Orwells Klassiker „1984“ ist („Big Brother is watching you“), dabei würde man aber einen zentralen Punkt vernachlässigen. Orwells Roman ist eine Parabel auf den Überwachungsstaat, bei Eggers sind es die Menschen selbst, die sich durch den Circle instrumentalisieren lassen und somit die vollständige Überwachung erst ermöglichen. Gerade wenn man „The Circle“ als Parabel liest, kann man Roman und Film durchaus noch etwas abgewinnen, da diese literarische Form keine tiefgründigen Charaktere benötigt, sondern vielmehr Figuren, die Ideen verkörpern. So ist zum Beispiel Eamon Bailey kaum verhohlen als Steve Jobs zu erkennen, wenn er medienwirksam vor großer Leinwand seine neuesten Erfindungen präsentiert und vom Publikum wie ein Erlöser gefeiert wird.

„The Circle“ im Unterricht

Bei erfolgreichen Filmen und Büchern stellt sich natürlich die Frage, ob sie sich auch für den Unterricht eignen. Mit 600 Seiten stellt der Roman „The Circle“ für jüngere Schülerinnen und Schüler sicherlich eine Herausforderung dar. Auch muss gesagt werden, dass der Schreibstil des Romans wenig literarisch ist und somit ein Einsatz im Deutschunterricht gut überlegt sein sollte, da die Grenze zur Trivialliteratur beinahe überschritten wird. Gerade aus zeitökonomischen Gründen scheint der Film die bessere Wahl, wenn man die Verführbarkeit des Menschen und die Gefahren der zunehmenden Entgrenzung des Privaten im Unterricht thematisieren will.

 

„The Circle“ läuft aktuell noch in den Kinos, kann mit Schulklassen aber auch während der nächsten Schulkinowoche 2018 besucht werden. Das Programm finden Sie ab Dezember hier.

Datenschutz, Film, Lehrkräfte, Soziale Netzwerke

Alles ausser Medien, 29.10.2017 um 21:39
Wir können alles ausser Medien und das schon immer:

https://www.google.de/search?q=unterrichtsmodule

Klar, dass eine LMZ Webseite von Google bereits seit Ewigkeiten und dauerhaft als gehackt gelistet wird, stört niemanden....
Jiří Hönes, 02.11.2017 um 12:01
Sehr charmant! Besagte Seite existiert nicht mehr, die URL verweist auf die neue SESAM Mediathek. Problem behoben. Liebe Grüße.
Behobenes Problem, 05.11.2017 um 23:26
Welches Problem wurde denn behoben? Wurde das Problem überhaupt erkannt?

Die Seite 'unterrichtsmodule' war irgendwann aufgrund schludriger Wartung kompromittiert. Dies wurde von Google erkannt und folgerichtig vom Besuch der Seite gewarnt.

Statt sich darum zu bemühen die Seite zu fixen UND sich um die Warnung bei Google zu kümmern wurde einfach nichts (wohlgemerkt über Monate) gemacht.

Irgendwann wurde eine Weiterleitung auf eine andere Domain eingerichtet, trotzdem wird unterrichtsmodule-bw.de bei Google immer noch als 'möglicherweise gehackt' gelistet...... nichts anderes habe ich angemerkt.

Aber klar, das Problem ist behoben ;)
SLorenz, 13.11.2017 um 11:35
Was sagt mediaculture-online zu Sean Parker: „Facebook ist eine soziale Bestätigungsmaschine, genau die Sache, die ein Hacker wie ich entwerfen würde, weil es sich die Verletzlichkeit der menschlichen Psyche zunutze macht“, gibt Parker unumwogen zu. „Die Erfinder – ich, Mark Zuckerberg und Kevin Systrom bei Instagram – haben das verstanden. Und wir haben es trotzdem gemacht“ ... (http://meedia.de/2017/11/09)
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