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12.06.2017 | Sascha Schmidt

Clash Royale – Kämpfen, Verlieren, Juwelen kaufen

Screenshot aus der Spiele-App Clash Royale

Die Spiele-App Clash Royale bietet ein kurzweiliges, motivierendes und kostenfreies Spielerlebnis – zumindest zu Beginn. Im weiteren Spielverlauf werden Erfolgserlebnisse zunehmend erschwert. Ganz nach dem Motto „Free to play – pay to win“ setzt das Spiel auf Mechanismen, die Spieler/-innen geschickt zu In-App-Käufen verleiten können.

Einfaches Spielprinzip

Screenshot aus der Spiele-App Clash Royale

Die Spiele-App Clash Royale des finnischen Entwicklerstudios Supercell baut auf ein simples Spielprinzip: Ziel ist es, in Duellen die Türme des Gegners zu zerstören. Dies gelingt durch den Einsatz von Spielkarten, die bestimmte Kämpfertypen oder Ereignisse (zum Beispiel einen Feuerball) auf das Spielfeld senden. Während der Duelle ist es somit Hauptgabe der Spieler/-innen, augenscheinlich mit taktischem Geschick passende Spielkarten auszuwählen. Die verfügbaren Spielkarten können vor jedem Duell neu festgelegt werden. Die Einsatzmenge der Spielkarten ist insofern begrenzt, als dass der Einsatz jeder einzelnen Karte eine bestimmte Menge an Energie verbraucht. Ist die Energieanzeige leer, so können keine weiteren Karten eingesetzt werden und die Spieler/-innen müssen warten, bis diese sich nach einigen Sekunden wieder selbst auffüllt. Die Spielzeit pro Duell beträgt drei Minuten. Sind nach Ablauf dieser Zeit noch nicht alle Türme zerstört, gewinnt die Seite, die mehr Türme des Gegenübers ausgeschaltet hat.

Geschickter Einsatz von In-App-Käufen

Zu Beginn des Spielverlaufs durchläuft man ein Tutorial („Ausbildungslager“), in dem den Spielerinnen und Spielern das Spielprinzip näher gebracht wird. Bereits in dieser Phase des Spiels arbeitet Clash Royale geschickt mit Erfolgserlebnissen, darunter der Erhalt von Truhen mit virtuellen Währungen (Juwelen und Gold), Levelaufstiegen für die Kämpfertypen und neuen Spielkarten, darunter auch „epische“, also besonders seltene Karten. All diese Belohnungen sind grafisch und auditiv ansprechend animiert, sodass die Spieler/-innen dazu motiviert werden, direkt weiterzuspielen. Hat man das für eine App durchaus umfangreiche Tutorial, bestehend aus insgesamt sieben Duellen, durchlaufen, steigt der Schwierigkeitsgrad des Spiels schlagartig an. Partien mit echten Gegnern stehen an und gerade anfangs hat man es nicht leicht, es mit den teilweise spürbar erfahreneren Spielerinnen und Spielern aufzunehmen. Verliert man, so bleibt die Belohungstruhe aus. Auch die kostenlosen Truhen, die man regelmäßig erhält, können nun nicht mehr unmittelbar geöffnet werden. Über einen Countdown wird eine Wartezeit von mehreren Stunden angezeigt, bevor man die Truhe nutzen kann. Direkt gekauft werden können die für den Spielfortschritt so wichtigen Truhen durch den Einsatz von virtuellen Juwelen, deren Vorrat allerdings schnell aufgebraucht ist. So bleibt den Spieler/-innen bei häufigen Duellniederlagen nichts anderes übrig, als entweder die langen Wartezeiten für neue Truhen in Kauf zu nehmen oder per In-App-Kauf neue Juwelen zu erstehen.

Hohe Preise im Store

Screenshot aus der Spiele-App Clash Royale

Juwelen sind nicht das einzige virtuelle Gut, das der In-App-Shop von Clash Royale bereithält. Dort werden neben Juwelen, Gold und Spielkarten auch magische Truhen angeboten, die beispielsweise den Erhalt besonders seltener Spielkarten garantieren. Auf diese Weise werden Sammelanreize geschaffen. Eine „Super-Magietruhe“-Truhe mit garantierten sechs „epischen“ Karten kostet hier 1600 Juwelen, was umgerechnet etwa 15 Euro entspricht. Die Preise haben es also durchaus in sich, zumal die tatsächlichen Preise geschickt durch den Einsatz einer virtuellen Währung verschleiert werden.

 

Clash Royale bietet den Spielerinnen und Spielern auch die Möglichkeit des Zusammenschlusses zu Clans. Dies bringt eine soziale Komponente ins Spiel und kann so den Druck hin zu In-App-Käufen zusätzlich erhöhen. Bereits mit der App Clash of Clans setzte das Entwicklerstudio Supercell auf ein ähnliches System der In-App-Käufe. Das Konzept scheint rentabel zu sein, denn allein im Jahr 2016 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 2,3 Milliarden US-Dollar. Dazu beigetragen haben auch noch andere Spiele-Apps des Entwicklerstudios, wie zum Beispiel Hay Day oder Boom Beach.

Fünf Regeln für Free-to-Play-Spiele

Michael Dreier, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Grüsser Sinopoli-Ambulanz für Spielsucht der Universitätsmedizin Mainz wird regelmäßig mit den Mechaniken von Free-to-Play-Spielen konfrontiert. Im Rahmen der Edutain Me 3.0 des Internationalen Trickfilmfestivals Stuttgart 2017 erläuterte er den Teufelskreis, der oftmals hinter dem Erfolg solcher Angebote steckt: So sind besonders Spieler/-innen anfällig, die durch das Spielen Stress abbauen möchten. Free-to-Play-Spiele bauen hingegen oftmals Stress auf, indem sie ohne In-Game-Käufe nicht zu meistern sind. Möglicherweise entstandene Geldschulden können dann weiteren Stress verursachen, der wiederum zum Spielen veranlasst. Michael Dreier fordert deshalb fünf einheitliche Regelungen für Free-to-Play-Spiele:

 

  • Es darf keine Verschleierung der tatsächlich gezahlten Beträge (zum Beispiel durch virtuelle Währungen) stattfinden.
  • Es muss angezeigt werden, welcher Gesamtbetrag für alle In-Game-Käufe bereits ausgegeben wurde.
  • Es muss eine Warenkorbanzeige geben und keine One-Click-Käufe.
  • Das Spiel muss selbständig Möglichkeiten bereithalten und aufzeigen, wie der Spielfortschritt auch ohne In-Game-Käufe erreicht werden kann.
  • In den Ranglisten der Spiele muss ersichtlich sein, wer den Rang durch In-Game-Käufe erlangt hat. Gegebenenfalls ist auch über zwei verschiedene Ranglisten nachzudenken, die Spieler/-innen mit und ohne Nutzung von In-Game-Käufen klar trennen.

In-App-Käufe einschränken

Die verwendeten Systeme der In-Game-Käufe und damit verbundene Risiken sollten mit Kindern und Jugendlichen besprochen werden. Zudem existieren Möglichkeiten, die vorhandenen Risiken zumindest einzuschränken: Bei mobilen Endgeräten bietet es sich an, In-App-Käufe nach Möglichkeit generell zu deaktivieren, um auch versehentlich getätigte Käufe zu vermeiden. Um dies zu tun, muss bei Android-Geräten im Google-Play-Store unter „Einstellungen“ der Punkt „PIN für Käufe verwenden“ ausgewählt werden. Anschließend wird vor jeder Transaktion ein vorher festgelegter PIN-Code abgefragt. Bei iOS-Geräten können in den Einstellungen unter „Allgemein“ die In-App-Käufe vollständig deaktiviert werden.

Computerspiele, Eltern, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte, MCO_Blog

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