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01.12.2016 | Sascha Schmidt

Schulische Medienbildung aus Sicht der Lehrkräfte

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Wie schätzen eigentlich Lehrkräfte die Umsetzung von Medienbildung an ihrer Schule ein? Dieser Frage geht das Projekt „Schule digital – der Länderindikator 2016“ nach. Das Projekt untersucht die schulische Nutzung von digitalen Medien in Deutschland und vergleicht die Ergebnisse der einzelnen Bundesländer. Hierzu wurden insgesamt 1210 Lehrkräfte der Sekundarstufe I befragt, 121 davon aus Baden-Württemberg. Die Erhebung fand nach 2015 bereits zum zweiten Mal statt, sodass Vergleiche zum Vorjahr möglich sind. Baden-Württemberg hat sich bezüglich der Integration von digitalen Medien in den Unterricht im Vergleich zu 2015 gesteigert, insgesamt besteht aber noch Entwicklungspotential.

Schulische Ausstattung mit digitalen Medien ausbaufähig

Hinsichtlich der schulischen IT-Ausstattung zeigt sich aus Sicht der befragten Lehrpersonen noch Handlungsbedarf. Ähnlich wie im Vorjahr empfinden nur etwas mehr als die Hälfte der Lehrkräfte in Deutschland die IT-Ausstattung an ihrer Schule als ausreichend. Baden-Württemberg liegt hierbei etwa im Bundesschnitt. Ernüchternder fällt das Ergebnis in Hinblick auf das Vorhandensein von WLAN aus: Nur etwa ein Drittel der befragten Lehrkräfte in Deutschland können auf WLAN in den Klassenräumen zurückgreifen. Baden-Württemberg zählt laut Umfrage zu den Bundesländern mit höherer WLAN-Verfügbarkeit, etwa die Hälfte der befragten Lehrkräfte können an ihrer Schule WLAN nutzen. Eine von der Schule bereitgestellte Möglichkeit des Datenaustauschs für Schüler/-innen und Lehrkräfte (z.B. Cloud, Intranet oder eine Netzwerklösung) besteht bei etwa 58% der Befragten. In Baden-Württemberg gilt dies für circa 63%, also leicht mehr als der Bundesschnitt. Dies könnte möglicherweise auch auf die zentrale Netzwerklösung paedML zurückzuführen sein, die das Landesmedienzentrum allen Schulen im Auftrag der kommunalen Schulträger kostengünstig anbietet.

Baden-Württemberg Spitzenreiter bei der Nutzung von digitalen Medien

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Etwa ein Drittel der Lehrkräfte in Deutschland setzt digitale Medien im Unterricht mindestens einmal in der Woche ein, 17% täglich. Baden-Württemberg liegt bezüglich der Nutzungshäufigkeit an der Spitze im Bundesländervergleich. Fast die Hälfte der befragten Lehrkräfte (49%) setzen digitale Medien mindestens wöchentlich ein, etwa 17% sogar täglich. Damit liegen die Werte deutlich über denen vom Jahr 2015 mit 6% der Lehrkräfte, die digitale Medien täglich und 44%, die sie mindestens wöchentlich einsetzen. Hinsichtlich der Nutzungshäufigkeit von digitalen Medien im Unterricht kann das Vorhandensein von Beispielmaterial zu computergestütztem Unterricht als wichtigster Bedingungsfaktor festgehalten werden. Lehrkräfte in Baden-Württemberg können diesbezüglich via SESAM auf mehr als 100.000 urheberrechtlich geprüfte Unterrichtsmedien und weit über 1.000 Unterrichtsmodule zurückgreifen.


Über ein eigenes Medienkonzept verfügt laut Angaben der Lehrkräfte nur etwa 40% der Schulen in Baden-Württemberg. Diesbezüglich ist somit weiteres Steigerungspotential  zu sehen. Mit dem Medienentwicklungsplan Online bietet das LMZ Schulen in Baden-Württemberg bereits Unterstützung bei der Entwicklung eines Medienkonzepts. Darüber hinaus sind mit den 2017 zu veröffentlichenden neuen Multimedia-Empfehlungen weitere unterstützende Formulierungen zu erwarten.

Es mangelt an Vorbereitungszeit

Mangelnde (Vorbereitungs-)Zeit aufseiten der Lehrkräfte stellt in Deutschland eine vergleichsweise große Herausforderung beim Einsatz von digitalen Medien im Unterricht dar. Im Vergleich zu den Daten aus der ICILS-Studie 2013 übersteigt die Zustimmung zu zeitlichen Herausforderungen weit den internationalen Mittelwert. Nur etwa 40% der Lehrkräfte empfinden, dass ihnen genügend Zeit zur Verfügung steht, um computergestützte Unterrichtsstunden vorzubereiten. In Baden-Württemberg stimmen dieser Aussage sogar nur etwa 32% zu.

Positive Grundhaltung gegenüber digitalen Medien

Für den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht sind die Einstellungen der Lehrpersonen gegenüber den Potentialen des Medieneinsatzes enorm wichtig. Etwa 57% der befragten Lehrkräfte sind der Meinung, dass der computergestützte Unterricht die schulischen Leistungen der Schüler/-innen verbessert. In Baden-Württemberg ist die Zustimmung mit etwa 52% nur geringfügig niedriger als der Bundesschnitt (ca. 56%).  


Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist der Aspekt, welche Phase der Lehrerausbildung die Lehrkräfte dazu veranlasst hat, sich mit dem Einsatz von digitalen Medien im Unterricht auseinanderzusetzen. Hierzu nennt etwa ein Fünftel das Studium, ein Viertel das Referendariat und mehr als die Hälfte der Lehrkräfte nennen Fortbildungen als entscheidende Phase. Dies verdeutlicht die Bedeutung von Fortbildungsveranstaltungen und zeigt gleichzeitig auf, dass Medienbildung auch in den ersten beiden Phasen der Lehrkräfteausbildung stärker verankert werden muss. Bestätigt wird dies durch den Umstand, dass circa 85% der deutschen Lehrkräfte eine intensivere Vorbereitung auf die Förderung der computerbezogenen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern im Studium und im Referendariat befürworten. Baden-Württemberg liegt diesbezüglich im Bundesschnitt.


Baden-Württemberg verstärkt mit der Einführung der neuen Bildungspläne 2016 die schulische Medienbildung, indem diese fest als Leitperspektive verankert wird. Ein Basiskurs Medienbildung soll in Klasse 5 medienbildnerische Grundlagen für die schulische Laufbahn vermitteln. Weitere Informationen zur Medienbildung in den neuen Bildungsplänen finden Sie hier. Schulen in Baden-Württemberg können bei der Erstellung eines Medienentwicklungsplans als auch eines schuleigenen Jugendmedienschutzcurriculums auf die Unterstützung des LMZ zurückgreifen.

Lehrkräfte, LMZ-Schulträger, Medienbildung

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