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11.07.2016 | Jiří Hönes

Paul-Hindemith-Grundschule: Referenzschule für Medienbildung

Im Sachunterricht-Projekt von Verena Gerlich erstellten die Kinder einen Trickfilm zu „Peter und der Wolf“ mit dem iPad. Bild: Jiří Hönes/LMZ

Die Paul-Hindemith-Grundschule in Freiburg im Breisgau verfolgt in mehrerlei Hinsicht moderne pädagogische Ansätze. Man praktiziert hier das jahrgangskombinierte Lernen, es gibt also altersheterogene Klassen, in denen die Kinder vielfältige Erfahrungen als „Lehrende“  machen können, indem sie jüngeren Schülerinnen und Schülern helfend beistehen. Ein solches Konzept führt zwangsläufig zu verschiedenen offenen Unterrichtsformen. So wird zum Beispiel der Sachunterricht als Projektunterricht durchgeführt, bei dem ein Projekt 16 Schulstunden an vier Tagen umfasst. Neben je fünf Klassen mit den Jahrgängen 1/2 und 3/4 gibt es vier sogenannte „Familienklassen“, in denen Kinder der Jahrgänge 1 bis 4 vertreten sind. Zudem nimmt die Schule seit dem Schuljahr 2013/14 an dem Schulversuch „Grundschule ohne Noten“ teil. Dies setzt wiederum eine ausgeprägte Feedback-Kultur voraus.

 

Seit etwas über einem Jahr ist die Schule nun auch Referenzschule für Medienbildung. Am 28. Juni 2016 fand hier im Rahmen des informellen Treffens der Schulleiterinnen und Schulleiter der Freiburger Grundschulen ein Referenzschulnachmittag statt. Dabei konnten sich die Anwesenden über pädagogische und technische Konzepte an der Paul-Hindemith-Grundschule informieren, was rege in Anspruch genommen wurde.

Medienentwicklungsplanung als Voraussetzung für Medienbildung

Schulleiterin Sandra Kieber stellte die Medienentwicklungsplanung an der Paul-Hindemith-Grundschule vor. Bild: Jiří Hönes/LMZ

Schulleiterin Sandra Kieber schilderte zunächst anschaulich den Prozess der Medienentwicklungsplanung an der Schule. Die Ausgangssituation stellte sich so dar, dass es zwar einige Rechner in den Klassenräumen gab, welche jedoch weder mit dem Internet verbunden noch untereinander vernetzt waren. Manche im Team nutzten sie, andere nicht. Zunächst stellte sich das Kollegium daher die Frage: „Wie können wir Medienbildung sinnvoll in unser bestehendes Konzept, unser Leitbild, integrieren?“, so Kieber. Vielen im Kollegium sei zunächst nicht ganz bewusst gewesen, dass Medienbildung auch das Lernen über Medien umfasse, also den Jugendmedienschuz und das Wissen um die gesellschaftliche Dimension der Medien. „Am Anfang sah es wie ein weiter Weg aus, doch wir haben als Schule schnell gesehen, dass die Medienentwicklungsplanung auch der Schulentwicklung dient.“ Gestützt hat man sich dabei auf das Angebot MEP-Online des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ).

 

Man habe recht früh entschieden, dass die Medienbildung kein eigenständiger Bereich des Leitbilds der Schule sein sollte. „Wir waren uns von Anfang an klar, dass wir keinen klassischen Computerraum haben wollten“, so die Schulleiterin. Vielmehr begriff man die Arbeit mit digitalen Medien als weitere Bereicherung der methodischen Vielfalt, die man durch das jahrgangskombinierte Lernen ohnehin bereits im Repertoire hatte.

In den Klassenräumen hat die Schule Computerecken mit Druckern eingerichtet. Bild: Jiří Hönes/LMZ

Für die Medienentwicklungsplanung wurde dann eine Steuergruppe gebildet, bestehend aus den Lehrerinnen Maren Pardall und Verena Gerlich sowie Ralf Rutschmann, dem Medienpädagogischen Berater Grundschule (MPB GS) am Kreismedienzentrum Freiburg (KMZ). In den Klassenräumen richtete man Computerecken ein, in denen sich je drei Desktop-Rechner befinden, welche vor allem im Rahmen von offenen Unterrichtsformen eingesetzt werden. Die Schule wurde mit der pädagogischen Musterlösung paedML© Linux 6.0 ausgestattet. Zudem greift man für verschiedene Unterrichtsvorhaben auf die iPads des KMZ Freiburg zurück. In einem Trakt der großen Grundschule wurden mittlerweile auch einige Räume mit interaktiven Whiteboards ausgestattet. Einen wichtigen Teil der Medienentwicklungsplanung stellte auch die Fortbildung des Kollegiums dar. Dabei gab es für das gesamte Team Fortbildungsveranstaltungen zu Themen wie dem Einsatz von Tablets oder Interaktiven Whiteboards, zur Einführung in die Arbeit mit der paedML© und zu bestimmten Softwareprogrammen für den Einsatz in der Grundschule. Als Referenten konnte man Ralf Rutschmann und David Förschler vom KMZ Freiburg und Andreas Lutz von der Pädagogischen Hochschule Freiburg gewinnen.

Ein Medienbildungskonzept erstellen

Lehrerin Maren Pardall erläuterte das Vorgehen beim Erstellen des schuleigenen Mediencurriculums. Bild: Jiří Hönes/LMZ

Verena Gerlich und Maren Pardall stellten in ihrem Beitrag die Entwicklung des schuleigenen Medienbildungskonzeptes an der Paul-Hindemith-Grundschule näher vor. Sie stützten sich dabei auf die Vorlagen aus dem MEP-Online für Grundschulen des LMZ und dem entsprechenden Material um ein schuleigenes Medienbildungskonzept zu erstellen. Zunächst betrachteten Sie die mögliche Kompetenzplanung zur Medienbildung in der Grundschule. Ausgehend von einer möglichen Themensammlung, die der MPB Herr Rutschmann mitgebracht hat, wurden die Kompetenzen konkretisiert und unter den Lehrkräften der Schule eine Umfrage gestartet, sowie in mehreren Jour-Fixes erörtert, welche Themen realistisch im Schulcurriculum unterzubringen waren, und wie sich diese fair auf die unterschiedlichen Klassenstufen verteilen ließen.

 

Die ausgewählten Themen der sechs Kompetenzbereiche „Informationstechnische Grundlagen“, „Informieren“, „Miteinander kommunizieren“, „Präsentation“, „Produktion“ und „Analyse, Mediengesellschaft“ wurden dabei zur Unterscheidung auf Papier in unterschiedlichen Farben gedruckt. „Wir haben dabei mit analogen Medien gearbeitet und die Blätter an die Wand gehängt“, so die Lehrerin. „Anfangs hatten wir sehr vieles in den Klassen 3 und 4 untergebracht, das konnte man den betreffenden Kolleginnen und Kollegen nur schwer zumuten.“ Daher habe man den Einstieg in die Arbeit am Computer dann auf Klasse 2 verlegt. Manche Inhalte wurden auch aussortiert, etwa Bildschirmpräsentationen oder E-Mail-Kommunikation. „Bei E-Mails sahen wir keine sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht“, so Maren Pardall. „Wichtig war es uns dagegen, dass in allen Klassenstufen der Bereich ‚Analyse, Mediengesellschaft‘ vertreten war.“

Lehrerin Verena Gerlich stellte das in der Steuerungsgruppe erarbeitete Kompetenzübersicht Medienbildung vor. Bild: Jiří Hönes/LMZ

Im Anschluss fixierte man im Team, welche konkreten Kompetenzen die Kinder am Ende der 2. und 4. Klasse beherrschen sollten. Heraus kam dann ein Kompetenzraster, das nun als Grundlage für die Integration der Medienbildung in den Unterrichtsalltag der Paul-Hindemith-Grundschule dient.

 

Gearbeitet wird mittlerweile sowohl mit verschiedenen Lernprogrammen sowie mit Textverarbeitungssoftware. Diese kommt ab der 2. Klasse zum Einsatz, wo sie zum Beispiel in der Freiarbeit für das Rechtschreibtraining verwendet wird. Ein wichtiger Baustein ist zudem das Angebot Online-Diagnose Grundschule des Schroedel-Verlags, mit dem Lehrkräfte Lernstandserhebungen in Deutsch und Mathematik erstellen können. Gerade bei dem gesteigerten Bedarf an individuellem Feedback durch das Projekt „Grundschule ohne Noten“ ist dies eine Erleichterung für das Kollegium. Die iPads des KMZ Freiburg wurden zuletzt in einem Trickfilmprojekt im Sachunterricht eingesetzt.

Unterstützungsangebote des KMZ Freiburg

Ralf Rutschmann, Medienpädagogischer Berater (MpB) am KMZ Freiburg, gab Tipps zum Lernen mit Tablets in der Grundschule. Bild: Jiří Hönes/LMZ

In weiteren Beiträgen standen die Hard- und Software für den Einsatz in der Grundschule im Mittelpunkt. Sven Hertel und Johannes Schubert von der Adolf-Reichwein-Schule schilderten die dortige Ausstattungssituation. Man setzt dort weitgehend auf gebraucht erworbene sogenannte Ultra Slim Desktop Towers (USDT), recht platzsparende Desktop-Rechner, und die paedML Linux. WLAN ist eine Selbstverständlichkeit: „Wir können und ein Leben ohne WLAN an der Schule nicht mehr vorstellen, alle Lehrkräfte sind auch mit ihren Handys eingewählt“, so Johannes Schubert. Ralf Rutschmann und Michael Albert, Schulnetzberater (SNB) am KMZ Freiburg, zeigten die Möglichkeiten des Tablet- und Whiteboardeinsatzes in der Grundschule auf. Sie wiesen darauf hin, dass es für den Einsatz von Tablets gewisse Voraussetzungen gibt, die in jedem Fall zu erfüllen seien. So habe es wenig Sinn, Tablets anzuschaffen, ohne dass in den entsprechenden Räumen WLAN zur Verfügung stehe. Eine gewisse Medienentwicklungplanung sei auch bei Anschaffung einiger Tablets unbedingt nötig. Es müsse etwa klar sein, wer die Geräte wartet, welche Kompetenzen man damit bei den Kindern fördern möchte. Auch eine strukturierte Verkabelung sei unbedingt zu empfehlen.

 

Man könne zwar durchaus als Einstiegsszenario im Rahmen einer Projektarbeit mit einem mobilen WLAN-Access-Point und fünf Tablets arbeiten, aber für einen stetigen Einsatz sei die strukturierte Verkabelung unerlässlich. Ralf Rutschmann wies darauf hin, dass das KMZ Freiburg interessierten Schulen in solchen Fragen mit Rat und Tat zur Seite steht. Zudem betonte er den Wert des Referenzschulkonzepts: „Wir sind ja auch hier, um diverse Dinge auszuprobieren. Mit unserer Beratung können wir dann verhindern, dass Sie an Ihrer Schule die gleichen Fehler nochmal machen“, so der medienpädagogische Berater.

 

Die anwesenden Schulleiterinnen und Schulleiter zeigten sich denn auch sehr interessiert an den vorgestellten Konzepten. Gerade in Anbetracht des neuen Bildungsplans ist der Bedarf nach erprobten Lösungen für die Integration der Medienbildung in den Unterricht groß. Die Paul-Hindemith-Grundschule und das KMZ Freiburg unterstützen Interessierte gerne auf ihrem Weg zum eigenen Medienkonzept.

 

Auf unseren Seiten finden Sie zudem allgemeine Informationen zur Medienbildung in der Grundschule, zum Medienentwicklungsplan sowie Anregungen für die pädagogische Praxis. Zudem finden Sie auf einer Karte alle Referenzgrundschulen in Baden-Württemberg.

Grundschule, Lehrkräfte, Medienbildung, Tagungsdokumentation

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