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21.11.2016 | MediaCulture-Online

Expertenworkshop zur Medienarbeit mit Geflüchteten

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Der Bedarf ist groß, gelungene Praxisbeispiele häufig aber noch Mangelware oder schlicht nicht bekannt. Die Rede ist von medienpädagogischen Projekten v.a. mit geflüchteten Jugendlichen. Viele Bildungsinstitutionen haben sich Ende 2015/Anfang 2016 auf den Weg gemacht und eigene Angebote für diese spezielle Zielgruppe entwickelt. Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) hat sich zum Ziel gesetzt diese Angebote zu bündeln und unter Pädagoginnen und Pädagogen bekannt zu machen, damit viele von den Ideen der anderen profitieren können.

 

Am 24. Oktober 2016 fand daher in Berlin ein Expertentreffen zum Thema Medienarbeit mit Geflüchteten statt, bei welchem die verschiedenen Methoden und Herangehensweisen vorgestellt sowie Handlungsempfehlungen für die Praxis entwickelt wurden. Vertreterinnen und Vertreter von 24 Projekten aus ganz Deutschland waren schließlich bei dem Workshop in der Landesvertretung Thüringen dabei. Für das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) ist Birte Rosink, Projektkoordinatorin des Schüler-Medienmentoren-Programms und im Bereich der Angebote für Migranten und Geflüchtete des LMZ tätig, nach Berlin gereist.

 

Zuvor hatte die GMK zur Einreichung von Projekten eingeladen. Dem Aufruf waren über 60 Projekte gefolgt. Professorin Dorothee Meister stellte für die GMK einen kurzen Überblick dazu vor. So wurde deutlich, dass die meisten der eingereichten Projekte im Bereich der aktiven Medienarbeit zu verorten sind. Eher selten würden dagegen Projekte im Bereich der rezeptiven Mediennutzung, des Jugendmedienschutzes und der Medienkritik angeboten. Ebenfalls eher unterrepräsentiert seien Angebote im Bereich der politischen Bildung und solche, die schul- und berufsrelevante Kompetenzen fördern. Die Auswertung der GMK ergab zudem, dass eine hohe Bandbreite verschiedener Medien in den Projekten eingesetzt wird, wie beispielsweise Film, Foto oder Tablets.

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten danach ihre jeweiligen medienpädagogische Projekte vor. Dabei wurde deutlich, welch große Bandbreite die Medienarbeit mit Geflüchteten inzwischen erreicht hat.

Das LMZ passt seine pädagogischen Angebote an die neue Zielgruppe an

„Am LMZ gibt es nicht, wie bei den meisten anderen anwesenden Institutionen, „das” Medienprojekt mit Geflüchteten. Stattdessen sind wir aktuell dabei, unsere bestehenden Angebote, wie 101 Schulen, das Eltern-Medienmentoren-Programm und das Schüler-Medienmentoren-Programm oder Ohrenspitzer hinsichtlich der Herausforderungen der neuen Zielgruppe anzupassen und unsere medienpädagogischen Referentinnen und Referenten diesbezüglich zu schulen und Konzepte zu entwickeln”, berichtete Birte Rosink bei der GMK. Bisher haben vor allem im Programm 101 Schulen Workshops in internationalen Settings stattgefunden, zu den Themen „Das Internet und Ich”, „Programmieren mit Scratch”  und „Medienbegriffe” für die Zielgruppen der 8 bis 10-jährigen und der 16 bis 18-jährigen. Die Erfahrungen hieraus werden gesammelt und auf der Webseite des LMZ sowie in einem Leitfaden gebündelt, welcher die Referentinnen und Referenten des LMZ zukünftig bei ihrer Arbeit in internationalen Settings unterstützen soll.

Interessante Projekte aus ganz Deutschland

Besonders aufgefallen sind uns noch folgende Projekte:

 

Mareike Schemmerling vom JFF Institut für Medienpädagogik in München berichtete von einem Projekt namens „Kino Asyl”. Es handelt sich um ein Filmfestival, bei dem Geflüchtete ihre Lieblingsfilme aus ihrem Heimatland präsentieren können. Begleitend hierzu werden Abendveranstaltungen, Diskussionsrunden und vertiefende Workshops angeboten. Dadurch werden individuelle Einblicke in die Herkunftsländer der Geflüchteten, Fluchtursachen und persönlichen Erfahrungen möglich.

 

Volker Hoffmann vom Medienprojekt Berlin e.V. fördert die Medienkompetenz der Geflüchteten im Projekt „Neue Heimat Berlin” durch Videoproduktion. Die Video-Portraits der Jugendlichen und jungen Erwachsenen dienen hierbei als Medium zum Ausdruck persönlicher Kriegs- und Fluchterfahrungen und zur Dokumentation von Gedanken und Gefühlen während der ersten Zeit nach der Ankunft in Berlin und in der jeweiligen Notunterkunft. Im Projekt lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die notwendigen Schritte der Videoproduktion kennen, an deren Ende ein vorzeigbares Produkt steht.

 

Das ProMädchen Mädchenhaus Düsseldorf beschäftigt sich mit der Inklusion und der kultursensiblen medienpädagogischen Arbeit. In ihrem Projekt „Und heute male ich mein Land“ soll anhand von kreativen, erlebnis- und medienpädagogischen Methoden die deutsche Sprache spielerisch erlernt werden. Das Angebot reicht von Kochabenden und interkulturellen Festen über Lernspiele, Lernen mit allen Sinnen bis hin zur Bereitstellung von Patinnen, die den Mädchen und Frauen bei Schwierigkeiten, Ängsten und Fragen unterstützend zur Seite stehen.

 

Das Projekt „pb.re.pc“ (Paderborner Recycling PC) der Universität Paderborn und des Vereins Medien und Technik für Kinder und Jugendliche e.V. (MTKJ e.V.) richtet sich generell an sozial benachteiligte Familien und seit 2014 auch immer mehr an Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund. Die Mitglieder des MTKJ e.V. setzen ausgemusterte Computer von Unternehmen, Behörden und Privatpersonen neu auf und statten sie mit Open-Source-Software aus. Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen erhalten dann eine 5-tägige Schulung zu Medienkompetenz-Themen. Im Anschluss dürfen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren recycelten PC behalten. Auf der Webseite des MTKJ e.V. können weitere Informationen zum Projekt recherchiert werden.

 

Eine Übersicht über alle beim Experten-Workshop vorgestellten Projekte sowie die entstandenen Handlungsempfehlungen zur Medienarbeit mit Geflüchteten, stellt die GMK auf ihrer Website zur Verfügung.

Außerschulische Pädagogik, Geflüchtete / Migranten, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte, Medienbildung

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