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20.02.2015 | Sascha Schmidt

Facebook: Mehr Datenhunger durch neue AGBs

Bild: Jurgen Appelo, Lizenz: CC BY

Seit dem 30. Januar 2015 gelten beim sozialen Netzwerk Facebook neue AGBs. Wer sich nach diesem Tag eingeloggt hat, hat den veränderten Nutzungsbedingungen automatisch zugestimmt. Ein Widerspruch ist nicht möglich, man kann sich allenfalls ganz von diesem Sozialen Netzwerk abmelden. Schwerpunkt der AGB-Änderungen bildet die noch breitere Sammlung von Daten zu Werbezwecken durch Facebook. Doch welche Änderungen ergeben sich genau für die Nutzer/innen und welche Möglichkeiten gibt es, dem neuen Datenhunger entgegenzuwirken?

Sammeln von werberelevanten Daten

Facebook verlangt für seine Dienste nach wie vor kein Geld von seinen Nutzerinnen und Nutzern, denn das Soziale Netzwerk erzielt seine Einnahmen primär mit Werbung. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die personalisierte Werbung, d.h. Werbeanzeigen, die genau auf die Online-Aktivitäten der Nutzer/innen abgestimmt sind. Bislang sammelte Facebook werberelevante Daten nur auf Basis der Aktivitäten im Sozialen Netzwerk selbst. Personalisierte Werbeanzeigen basierten also beispielsweise darauf, bei welchen Beiträgen die Nutzer/innen „Gefällt mir“ klickten und welche sie teilten. Mit den neuen AGBs wird das Tracking nun ausgeweitet: Facebook hat durch die neuen ABGs die Möglichkeit, die Aktivitäten seiner Nutzer/innen über verschiedene Webseiten und Apps hinweg zu verfolgen. Grundlage hierfür bildet das Werbenetzwerk Atlas, das Facebook im Jahr 2013 von Microsoft übernahm und weiter ausbaute. Das Netzwerk ermöglicht es Werbetreibenden, Daten über die verschiedenen Online-Aktivitäten der Nutzer/innen zu sammeln, zu verwerten und auszutauschen. Stöbert man als Nutzer/in also beispielsweise auf bestimmten Reisewebseiten nach dem nächsten Urlaubsziel, so verändern sich auch die personalisierten Werbeangebote in Facebook und die Werbebanner enthalten nun z.B. passgenaue Urlaubsangebote. Auf diese Weise generiert Facebook anhand des Surfverhaltens für jedes Profil eine individuelle (Werbe-)Identität. Gleiches gilt auch für mobile Endgeräte: Hier werden die Aktivitäten der Nutzer/innen in Apps, die auf das Werbenetzwerk Atlas zugreifen, ebenfalls ermittelt und an Facebook übertragen.

Verknüpfung des Profils über mehrere Plattformen

Durch die neuen AGBs kann Facebook die erhobenen Daten der Nutzer/innen nun auch geräteübergreifend in Zusammenhang bringen. Die Online-Aktivitäten am Desktop-PC und das hierdurch generierte Werbeprofil werden somit auch mit den entsprechenden mobilen Endgeräten der Nutzer/innen verknüpft. Erhalten die Nutzer/innen beispielsweise am Desktop-PC aufgrund ihres Surfverhaltens Werbeanzeigen von Urlaubsportalen, so werden die hierfür gesetzten Cookies auch an die App-Versionen der mobilen Endgeräte weitergeleitet. Entsprechende Werbeanzeigen erscheinen dann auch auf Smartphone, Tablet und allen anderen Endgeräten, über die sich die Nutzer/innen mit dem gleichen Profil bei Facebook einloggen.

Standortdaten

Mittels neuer Berechtigungen kann Facebook als App auch auf standortbezogene Daten der Nutzer/innen zugreifen. Theoretisch ist es so möglich, Werbung für Geschäfte, Restaurants oder Attraktionen in der Nähe zu schalten. Auch Freunde in der Umgebung können hierdurch angezeigt werden, allerdings ist hierfür eine Zustimmung im Einstellungsmenü der Facebook-App notwendig.


Facebook räumt sich mit den neuen Nutzungsbedingungen zudem das Recht ein, Profildaten mit den mittlerweile zum Konzern gehörenden Diensten WhatsApp und Instagram zu verknüpfen. Hierdurch können die Profile der Nutzer/innen bei den drei Diensten ein- und derselben Person zugeordnet und somit werberelevante Daten ausgetauscht werden. Bislang beteuerte Facebook zwar stets, von diesen Möglichkeiten keinen Gebrauch zu machen. Rechtlich besteht durch die neuen AGBs jedoch zumindest die Möglichkeit dazu.

Was man dagegen tun kann

Die neuen Nutzungsbedingungen erlauben es Facebook, die Online-Aktivitäten der Nutzer/innen großflächiger und intensiver auszuwerten. Um den neuen Nutzungsbedingungen entgegenzuwirken und die eigenen Daten weitestgehend zu schützen, sollten folgende Hinweise beachtet werden:

Screenshot von Facebook: Einstellungen/Werbeanzeigen

•    In den Facebook-Einstellungen unter dem Punkt „Werbeanzeigen“ kann festgelegt werden, ob das Soziale Netzwerk die eigenen Aktivitäten mit Werbeanzeigen kombiniert bzw. wer diese Anzeigen in Facebook zu sehen bekommt. Am besten sollte hier in allen Abschnitten „Niemand“ eingestellt werden.


•    Auf der Webseite der Allianz kritischer Werber in Europa (EDAA) kann einzelnen Unternehmen (so auch Facebook) die Erhebung von Nutzungsdaten zum Schalten personalisierter Werbung gezielt untersagt werden.


•    Wenn man gerade nicht auf Facebook aktiv ist, sollte man sich generell immer aus dem Sozialen Netzwerk ausloggen.


•    Auf mobilen Endgeräten sollte die Standortbestimmung via GPS standardmäßig deaktiviert sein, wenn der Dienst gerade nicht benötigt wird.


•    Im Einstellungsmenü der gängigen Internet-Browser kann festgelegt werden, dass der Browser die gesammelten Cookies nach jeder Sitzung löscht.


•    Browser-Plugins wie Ghostery zeigen den Nutzerinnen und Nutzern an, welche Skripte während des Surfens aktuell aktiv sind und Daten sammeln. Ghostery ermöglicht es auch, diese Skripte zu deaktivieren.


•    Wer auf Nummer sicher gehen möchte und die neuen AGBs nicht mit den eigenen Datenschutzauffassungen vereinbaren kann, der meldet sich am besten ganz von Facebook ab. Dies ist unter folgendem Link möglich.

Geänderte Facebook-AGBs im Unterricht

Auch Schülerinnen und Schüler sollten für das Thema Datenschutz im Kontext der neuen Facebook-AGBs sensibilisiert werden. Lehrkräfte sollten dabei darauf achten, Angebote wie Facebook vor den Schülerinnen und Schülern nicht generell zu verurteilen. Social-Media-Angebote gehören zum Alltag der meisten Heranwachsenden und sind daraus nicht mehr wegzudenken. Zudem ist davon auszugehen, dass viele Heranwachsende sich nur aufgrund der geänderten Nutzungsbedingungen ohnehin nicht von Facebook abmelden werden. Viel wichtiger ist es also, den Lernenden ein allgemeines Verständnis für das Thema Datenschutz zu vermitteln und anschließend die beschriebenen Schritte zum Schutz der eigenen Daten auf Facebook aufzuzeigen. Es bietet sich hierzu an, die neuen Facebook-AGBs im Rahmen einer Unterrichtseinheit zum Thema Datenschutz aufzugreifen.


Das LMZ bietet zum Thema Datenschutz folgende Unterrichtsmodule:


Öffentlich ganz privat 1 (WRS, RS, GYM: Klasse 6-10)
Öffentlich ganz privat 2 (WRS, RS, GYM: Klasse 6-9)
Kritischer Umgang mit Medien: Datenschutz (GYM: Klasse 10)
Datenschutz und IT-Sicherheit (Berufskolleg: Schuljahr 1)

Weitere Informationen zum Thema Datenschutz finden Sie auf MediaCulture-Online.

Außerschulische Pädagogik, Datenschutz, Eltern, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte, Soziale Netzwerke

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