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14.12.2015 | Sascha Schmidt

Die größten Irrtümer zum Thema Medienrecht

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Viele glauben, dass man fremde Bilder und Texte mit Quellenangabe rechtlich unbedenklich ins Netz stellen kann – doch weit gefehlt. Über diesen und andere Irrtümer klärte Rechtsanwalt Henning Krieg am Landesmedienzentrum in Stuttgart auf. Beim Referententreffen stellte er klar, in welchen Rechtsfällen Nutzer/-innen wirklich achtsam sein sollten und hinter welchen Mythen Irrtümer stecken.

Das Urheberrecht und seine Tücken

Rechtsanwalt Henning Krieg arbeitet schwerpunktmäßig in den Bereichen Medien- und Onlinerecht. Im Rahmen des Referententreffens am 19. November 2015 ging er zu Beginn seines Vortrags auf ein besonders heikles Thema ein: das Urheberrecht. Diesbezüglich existieren häufig Irrglauben, betonte er. Als Faustregel gilt aber stets, dass sämtliche persönliche und geistige Schöpfungen (bzw. Werke) urheberrechtlich geschützt sind. Die Werke müssen dabei weder explizit gekennzeichnet (z.B. durch das Copyright-Zeichen ©), noch künstlerisch wertvoll sein – selbst Bedienungsanleitungen unterliegen dem Urheberrecht, solange ein gewisses Maß an Qualität vorliegt. Kritisch wird es immer dann, wenn Personen fremde Werke wie Bilder oder Texte ohne Erlaubnis veröffentlichen. Eine Veröffentlichung liegt dann vor, wenn das Werk einer oder mehreren Personen zugänglich gemacht wird. Gerade Lehrkräfte nutzen im Unterricht häufig fremde Werke, z.B. auf selbst erstellten Arbeitsmaterialien. In Hinblick auf Texte begegnet man dabei immer wieder dem Gerücht, dass es bei Wortübernahmen eine Freigrenze gibt. Dies sei allerdings ein Irrtum, stellte Henning Krieg klar. Auch bei der Übernahme von kurzen Textpassagen kann es sich um einen Verstoß gegen das Urheberrecht handeln. Texte, Bilder und auch z.B. Musikstücke von anderen Personen dürfen im Unterricht nur dann auszugsweise verwendet werden, wenn eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Werken stattfindet. Zusätzlich muss stets die Quelle, also z.B. der Autor des Werkes angegeben werden.

Risiken bei Facebook und Co.

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Wenn man auf Sozialen Netzwerken wie Facebook fremde Inhalte wie Texte, Bilder oder auch Videos postet, handelt es sich ebenfalls um das Kopieren und Veröffentlichen eines Werkes. Ohne eingeholte Erlaubnis liegt damit aus rechtlicher Sicht ein Urheberrechtsverstoß vor. Dies ist auch dann der Fall, wenn das Werk nur für den eigenen Freundeskreis sichtbar ist. Selbst eine sehr ähnliche Abzeichnung oder das Abfotografieren von geschützten Werken zählen als Kopie. Das Entdeckungsrisiko in Alltagssituationen sei zwar gering – besonders achtsam sollte man jedoch bei Inhalten von Medienhäusern wie z.B. Verlagen sein, rät Henning Krieg. Gerade in den letzten Jahren setzen diese vermehrt Such- und Bilderkennungssoftware ein, die Soziale Netzwerke nach eigenen geschützten Werken durchkämmen. Die Höhe einer möglichen Schadensersatzforderung hängt dann in erster Linie davon ab, wie hoch die Reichweite der Person ist, die das geschützte Werk verbreitet hat. Falls es tatsächlich zu einer Abmahnung kommt, empfiehlt Henning Krieg, sie ernst zu nehmen und nicht einfach wegzuwerfen. Trotzdem sollten die Betroffenen keinesfalls in Panik verfallen. Die in den Abmahnungen aufgeführten Gegenstandswerte sind in der Regel nicht die Beträge, die die abgemahnte Person entrichten muss. Als Faustregel gilt dennoch: Nichts unterschreiben, bevor es nicht von einem Anwalt geprüft wurde.

So verwendet man fremde Werke unbedenklich

Auf die Frage, wie man als Lehrkraft fremde Inhalte rechtlich bedenkenlos veröffentlichen kann, führte Henning Krieg fünf Möglichkeiten auf:


1.    Man verwendet auf den eigenen Unterrichtsmaterialien nur fremde Werke, mit denen eine inhaltliche Auseinandersetzung stattfindet. Diese kann durch entsprechende Aufgabenstellungen (z.B. explizite inhaltliche Fragen zu Texten oder Bildern) auf den Arbeitsmaterialien nachgewiesen werden. Die Quelle muss trotzdem stets angegeben sein.


2.    Bei Berichterstattungen (z.B. einem Zeitungsartikel über ein Schulfest) ist es erlaubt, kleinere Abschnitte bzw. einzelne Sätze unter Angabe der Quelle zu übernehmen. In diesem Fall muss keine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Werk stattfinden.


3.    Man holt sich eine individuelle Erlaubnis des Werkschöpfers ein. Gerade für die schulische Verwendung von Werken sind die Ersteller meist sehr entgegenkommend und haben in der Regel nichts gegen eine unterrichtliche Nutzung einzuwenden.


4.    Man greift auf Werke mit Creative Commons-Lizenzen (CC-Lizenzen) zurück. Zwar muss der Autor des Werkes nach wie vor genannt werden, jedoch gibt die Lizenzbezeichnung genaue Auskunft darüber, inwiefern das Werk verwendet werden darf (z.B. ob eine Bearbeitung gestattet ist). Lehrkräfte müssen jedoch darauf achten, die genaue Lizenzbezeichnung (z.B. CC-BY-SA) auf den Materialien zu nennen und bei Online-Veröffentlichungen auf die Lizenzbeschreibung zu verlinken. Bilder mit CC-Lizenzen für den unterrichtlichen Einsatz finden Lehrkräfte beispielsweise auf der Webseite Pixabay.


5.    Verwendet man ein Werk, dessen Urheber bereits mehr als 70 Jahre verstorben ist, so gilt das Urheberrecht im Sinne der Gemeinfreiheit als erloschen. Das Werk kann dann bedenkenlos verwendet werden.

Das Recht am eigenen Bild beachten

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Bei Fotos gilt es generell zwischen zwei Rechtsbereichen zu unterscheiden: Zunächst existiert das Recht am Bild, welches stets dem Fotografen zusteht. Gleichzeitig gibt es aber auch das Recht am Bildinhalt. Eine Grundregel zum Bildinhalt lautet: Jede/r hat das Recht am Bild der eigenen Person. Zwar kursiert das Gerücht, dass beim Fotografieren von Menschengruppen von mindestens acht Personen das Recht am eigenen Bild nicht verletzt wird. Henning Krieg wies allerdings darauf hin, dass dies ein Irrglaube sei. Eine solche Maßzahl der Personen auf dem Bild existiert schlichtweg nicht. Schulen sollten deshalb vorsorgen, wenn sie z.B. Fotos von Schulveranstaltungen machen, auf denen Schüler/innen zu sehen sind. Bei Minderjährigen muss vor Veröffentlichung eine Einwilligung der Erziehungsberechtigten eingeholt werden. Es genügt hierbei, wenn am Anfang der Schulzeit (also in der Regel in Klasse 1 und 5) eine Einwilligungserklärung unterzeichnet wird. Bei dieser Erklärung sollte darauf geachtet werden, dass sie sauber formuliert ist und sich auf die gesamte zu erwartende Schulzeit bezieht. Gleichzeitig ist es ratsam, alle Gegebenheiten, in denen Bilder gemacht werden könnten (z.B. Schulfeste, Fotos im Unterricht für die Schulwebseite, etc.), explizit in der Erklärung aufzuführen.


Urheberrechtlich unbedenkliche Materialien für den Unterricht finden Lehrkräfte in unserer Medienrecherche.


Weitere Texte zum Thema Urheberrecht finden Sie auch in unserer Bibliothek.

Lehrkräfte, Soziale Netzwerke, Tagungsdokumentation, Urheberrecht

Christoph Kalisch, 18.12.2015 um 11:34
Zum Bildrecht eine kleine Ergänzung: selbst gemachte oder CC-lizenzierte Aufnahmen von "Personen der Zeitgeschichte" können verwendet werden.

Und hier noch eine Linkempfehlung für Lehrkräfte:
http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/
Mario Schmid, 21.12.2015 um 11:50
Die Passage "So verwendet man fremde Werke unbedenklich" könnte insbesondere für Lehrkräfte vielleicht noch präzisiert werden. Die Bundesländer schließen nicht umsonst sogenannte "Gesamtverträge zur Vergütung" mit den Verwertungsgesellschaften ab, damit Lehrkräfte klare und verbindliche Möglichkeiten haben, was sie wie und in welchem Umfang nutzen können. Ein guter und umfassender Überblick genau dazu findet sich - wie auch schon vom Vorrender geschrieben - hier: http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/checkl/text_bild.htm
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