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15.04.2015 | Sascha Schmidt

Datensicherheit im Internet

Wie steht es um die Datensicherheit in Zeiten von Google, Facebook und dem Internet der Dinge? Dieser Frage ging Linus Neumann im Rahmen des Verbrauchertags Baden-Württemberg am 26. März 2015 in Stuttgart nach. Neumann ist Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), IT-Sicherheitsberater und Autor für die Webseite netzpolitik.org. Titel und Leitthema des Verbrauchertags war die Sicherheit im Internet.

Facebook und der Datenschutz

Spricht man über das Thema Datensicherheit im Internet, so kommt man am Sozialen Netzwerk Facebook kaum vorbei, stellt Linus Neumann gleich zu Beginn seines Vortrags klar. Die immer wieder gestellte Frage, ob die eigenen Daten bei Facebook sicher seien, stellt sich für ihn jedoch erst gar nicht. Er entgegnet der Thematik mit einer Gegenfrage: Wovor sollen sie noch sicher sein, wenn sie denn bereits bei Facebook sind? Gemessen an dem, was den Nutzerinnen und Nutzern ihre Daten wert sind, wenn sie sie an Facebook weitergeben, sind sie somit durchaus sicher, so Neumann. Facebook hat nämlich ein vitales Interesse daran, die Daten selbst zu behalten, schließlich verdient das Soziale Netzwerk damit sein Geld. Dies geschieht primär durch das Schalten von personalisierter Werbung: Hierzu sammelt das Soziale Netzwerk werberelevante Daten all seiner Nutzer/-innen auf Basis ihrer Aktivitäten in Facebook und seit Inkrafttreten der neuen Facebook AGBs auch anhand der Aktivitäten auf anderen Webseiten und Apps. Facebook generiert anhand des Surfverhaltens somit für alle seine Nutzer/-innen ein individuelles (Werbe-)Profil.


Auch zahlreiche andere Webseiten nutzen das sogenannte Tracking durch Werbenetzwerke. Diese registrieren die Seitenaufrufe der Nutzer/-innen, speichern sie und verarbeiten sie so, dass sich personalisierte Werbeinhalte den Nutzungsgewohnheiten anpassen. Abhilfe kann hier ein Tracking-Blocker wie Ghostery schaffen, mit dem das Abgreifen der eigenen Nutzungsdaten eingeschränkt wird.

Google als viel genutzte Datenkrake

Neben Facebook geht Linus Neumann auch auf die Datensammlung durch die Suchmaschine Google ein. Google stellt laut Neumann für viele den „Anfang vom Internet“ dar. Ein Großteil der Internetnutzer/-innen verzichtet nämlich mittlerweile darauf, die URLs (also Web-Adressen) der zu besuchenden Webseiten in die Browserleiste einzugeben. Sie tippen den Namen der Webseite oder einzelne Schlagwörter einfach in das Google-Suchfeld ein und klicken anschließend auf das passende Suchergebnis. Google erweist sich als Suchmaschine dabei gerade deshalb so beliebt, weil es den Nutzerinnen und Nutzern subjektiv „gut“ empfundene Suchergebnisse liefert. Dies kann die Suchmaschine jedoch nur leisten, weil sie die Onlinetätigkeiten ihrer Nutzer/-innen kennt und überwacht. Auch Google generiert ähnlich wie Facebook für seine Nutzer/-innen Profile, die auf den Suchanfragen und dem anschließenden Surfverhalten basieren. Kehrt ein/e Nutzer/-in beispielsweise von einer von Google vorgeschlagenen Webseite nach höchstens einer Minute wieder zu den Suchergebnissen zurück oder sucht erneut nach denselben Schlagwörtern, so wird die besuchte Webseite als nicht zufriedenstellend verarbeitet. Hierdurch passen sich die Suchergebnisse für die einzelnen Nutzer/-innen auf Dauer an, sodass bei der nächsten Suche mit exakt den gleichen Suchbegriffen jene Webseite eine schlechtere Platzierung bei den Suchergebnissen erhalten kann.


Als datenschutzfreundlichere Alternative zu Google nannte Neumann die Suchmaschine DuckDuckGo. Diese legt einen wesentlich größeren Wert auf den Schutz von Daten und der Privatsphäre der Nutzer/innen.

Das Internet der Dinge

Bild: Insert Magazine, Lizenz: CC BY-NC

Das Thema Datenschutz spielt mittlerweile nicht nur bei der Nutzung von Online-Diensten wie Facebook und Google eine Rolle: Auch das sogenannte Internet der Dinge muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Neumann griff in seinem Vortrag diesbezüglich das kürzlich viel diskutierte Thema der Sprachsteuerung bei Smart-TVs auf: Befehle wie der Senderwechsel oder das An- und Abschalten des Geräts können vielen Fernsehgeräten mit Smart-TV-Funktionen mittlerweile nämlich mündlich mitgeteilt werden. Die anschließende Spracherkennung wird jedoch nicht auf dem Gerät selbst durchgeführt, sondern in der Cloud. Dies bedeutet, dass die Sprachbefehle in weltweit verteilten Rechenzentren verarbeitet werden und das Fernsehgerät selbst lediglich als Mikrofon dient. Auch bei abgeschalteten (aber mit Strom versorgten) TV-Geräten hören die Rechenzentren rund um die Uhr mit und aufgenommene Gespräche werden sogar abgespeichert, um nach Angaben der Hersteller die Benutzerfreundlichkeit zu optimieren. Zwar stellt die Sprachsteuerung für die Nutzer/-innen eine durchaus bequeme Funktion dar, jedoch stellt sich für Neumann die grundsätzliche Frage, ob so viel Bequemlichkeit auf Kosten der Privatsphäre gehen muss.

Bild: Mike Licht, Lizenz: CC BY

Spracherkennungssoftware wird mittlerweile auch in anderen Bereichen eingesetzt, z.B. in der Spielzeugindustrie: Im Laufe des Jahres soll so eine Spielzeugpuppe auf den Markt kommen, die mit den Kindern per Spracherkennung kommuniziert. Ähnlich wie bei der iPhone-Sprachassistentin Siri wird hier per Spracherkennung über Cloud-Server das Gesprochene der Kinder verarbeitet und so können die Puppen mit den Kindern ganze Gespräche führen. Die Eltern sollen sogar die Möglichkeit haben, sich zusammenfassende Berichte der Gespräche des eigenen Kindes zusenden zu lassen.

Förderung eines kritisch reflektierenden Umgangs

Für Linus Neumann stellt die Erziehung zu einem kritischen und digital mündigen Bürger zweifellos eine der größten Herausforderungen unserer Zeit dar. Google, Soziale Netzwerke, sprechende Puppen und Smart-TVs mit Sprachsteuerung gehören für Kinder heute bereits in jungen Jahren zum normalen Umgang. Umso wichtiger ist es für die Heranwachsenden, neben dem Wissen über technische Möglichkeiten zum Schutz der eigenen Daten überhaupt ein grundlegendes Verständnis für die eigene Privatsphäre im Netz zu erhalten.

 

Das LMZ bietet zum Thema Datenschutz/Privatsphäre im Netz folgende Unterrichtsmodule:


Öffentlich ganz privat 1 (WRS, RS, GYM: Klasse 6-10)
Öffentlich ganz privat 2 (WRS, RS, GYM: Klasse 6-9)
Kritischer Umgang mit Medien: Datenschutz (GYM: Klasse 10)
Datenschutz und IT-Sicherheit (Berufskolleg: Schuljahr 1)

Weitere Informationen zum Thema Datenschutz finden Sie auf MediaCulture Online.

 

Die Präsentation von Linus Neumann als PDF-Dokument finden Sie hier.

Außerschulische Pädagogik, Datenschutz, Eltern, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte, Soziale Netzwerke, Tagungsdokumentation

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