MediaCulture-Online Blog

01.12.2014 | Sascha Schmidt

Wie geht eigentlich Medienschule?

Wie kann ein Konzept zur sinnvollen und nachhaltigen Integration von digitalen Medien in den Schulalltag aussehen? Dieser Frage widmete sich Richard Heinen in seinem Vortrag im Rahmen der DGfE-Tagung „Digital und vernetzt: Lernen heute“ am 14. November 2014 in Augsburg. Heinen stellte das Projekt School IT Rhein Waal vor, in dem seit 2012 ein entsprechendes Modell an zwei niederländischen sowie zwei deutschen Schulen erprobt wird. Zentraler Bestandteil des Modells ist das Konzept Bring your own device (BYOD) - also die Verwendung von privaten Endgeräten in der Schule.

Digitale Medien an deutschen Schulen

Bild: ben dalton, Lizenz: CC BY-SA

Die kürzlich veröffentlichte ICILS-Studie zeigte vor allem eines auf: Deutschland liegt hinsichtlich der Nutzung von digitalen Medien im Unterricht im internationalen Vergleich lediglich im Mittelfeld. Rund 30% der deutschen Schülerinnen und Schüler können nur rudimentär mit dem Internet umgehen und in keinem anderen der 21 teilnehmenden Länder nutzen Lehrkräfte den PC im Unterricht weniger. Die Hauptgründe liegen laut VBE-Bundesvorsitzenden Udo Beckmann vor allem in der technischen Ausstattung vieler Schulen. So müssen sich im Bundesschnitt in den Schulen jeweils 11,5 Schüler/-innen einen PC teilen.

Grundlagen des Projekts School IT

Das Projekt School IT Rhein Waal geht einen alternativen Weg und erprobt ein Modell, in dem die Lernenden ihre privaten Endgeräte in die Schule mitbringen und diese zu Unterrichtszwecken nutzen. Unter Leitung von Richard Heinen, seinerseits wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Duisburg Essen, kommt in den Schulen das Konzept von Bring your own device (BYOD) zum Einsatz. Die Lernenden greifen dabei über ihre Privatgeräte auf das gesicherte und mit einem Filter ausgestattete WLAN-Netz der Schule zu. Sollten einzelne Lernende privat kein entsprechendes Gerät besitzen, wird ihnen dieses von der Schule bereitgestellt. Finanziert wird das Ganze über einen speziell für das Projekt eingerichteten Förderfonds. Die digitalen Geräte sollen von den Schülerinnen und Schülern während der Projektlaufzeit fachübergreifend und konsequent als Arbeitsmedien genutzt werden. Ziel ist es insgesamt, denkbare Maßnahmen und Konzepte zur Entwicklung hin zur Medienschule zu entwickeln.

Erste Ergebnisse

Bild: USACE, Lizenz: CC BY

Die Auswertung des seit Januar 2012 laufenden Projekts findet anhand von Reflexionsnotizen der Lehrenden und Lernenden, Interviews sowie Unterrichtsbeobachtungen statt. Erste Ergebnisse präsentierte Richard Heinen im Rahmen der DGfE-Tagung „Digital und vernetzt: Lernen heute“ am 14. November 2014 in Augsburg.


Nach knapp zwei Jahren Projektlaufzeit ließe sich feststellen, dass typische Anwendungsszenarien von digitalen Medien im Unterricht die Informationsrecherche, Textproduktion und Präsentation seien. Weniger häufig würden die Geräte verwendet zur kreativen Arbeit mit Bild-, Audio- und Videodateien.

Die Schülerinnen und Schüler bewerten den Unterricht mit digitalen Geräten grundsätzlich als positiv. Über einen Zeitraum von knapp zwei Schuljahren sei an beiden Schulen jedoch ein Rückgang der positiven Resonanz auszumachen.

Erfolgsfaktoren für das Konzept Medienschule

Aus den unterschiedlichen Zwischenergebnissen beider Schulen ließen sich Voraussetzungen zum Gelingen der Schulentwicklung hin zur Medienschule ableiten, so Richard Heinen. Zunächst erscheine es in diesem Zusammenhang wichtig, dass eine Schule intrinsisch und unabhängig von äußeren Zwängen gewillt ist, sich auf den Entwicklungsweg hin zur Medienschule zu machen. Sowohl Schulleitung, Kollegium als auch Schüler/-innen und Eltern müssten hinter einem entsprechenden Konzept stehen und eine gemeinsame Vision teilen. Eine Steuerungsgruppe aus motivierten Lehrkräften sollte sich dem Projekt annehmen und über feste Teammeetings im konstanten informellen Austausch miteinander, aber auch mit Kooperationspartnern und der Öffentlichkeit stehen. Schulinterne Fortbildungen für das gesamte Kollegium müssten regelmäßig stattfinden und somit auch medienferne Lehrkräfte an die Nutzung der Endgeräte heranführen. In Anbetracht der Unterrichtspraxis findet zeitgleich eine Bewegung weg vom lehrerzentrierten Unterricht statt: Die Lernenden sollten den Medieneinsatz weitestgehend selbst steuern, während die Lehrperson die Rolle des Lernbegleiters einnimmt. Die Faktoren zur erfolgreichen Schulentwicklung hin zur Medienschule gehen somit insgesamt über die rein technologische Ausstattung der Räumlichkeiten hinaus: Sie schließen ebenso die Entwicklung des Personals, des Unterrichts sowie der Kommunikation mit ein, betonte Heinen.


Eine baden-württembergische Schule, welche aktuell die Integration von digitalen Medien in Form von Tablets erprobt, ist das Schickhardt-Gymnasium in Stuttgart. Das in Kooperation mit dem LMZ stattfindende Projekt setzt hierbei Tablets als Arbeitsmedien fachübergreifend im Unterricht ein. Aktuelle Informationen zum Tablet-Projekt am Schickhardt-Gymnasium finden Sie hier

Weitere Informationen zum Lernen mit mobilen Endgeräten auf MediaCulture-Online

Tablet & Schule – ein Projekt des Landesmedienzentrums
Mobiles Lernen in der Schule. Das Handy als kulturelle Ressource für Bildung nutzen

Lehrkräfte, Smartphone / Tablet, Tagungsdokumentation

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* = Pflichtfeld

*
*
*

CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*