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04.04.2014 | Stefanie Grün

WhatsApp und seine zahlreichen Alternativen

Bild: Sam Azgar, Lizenz: CC BY

Kaum eine App ist so umstritten und gleichzeitig so beliebt wie WhatsApp. Im Februar 2014 nutzten weltweit über 450 Millionen Menschen den mobilen Messenger, alleine in Deutschland sind es mehr als 30 Millionen. Schon seit Längerem wird die App wegen diversen Sicherheitslücken und dem laschen Umgang mit dem Datenschutz ihrer Nutzer kritisiert. Nun wurde WhatsApp Mitte Februar vom Sozialen Netzwerk Nr.1 Facebook gekauft und viele bisher eifrige Nutzerinnen und Nutzer fragen sich, was nun mit ihren Daten passiert und auf welchen alternativen, sicheren Messenger sie umsteigen können. Das Angebot dieser nützlichen Kommunikationsprogramme ist riesig, doch nach welchen Kriterien kann eine Auswahl getroffen werden? Der folgende Beitrag soll sowohl Aspekte der Sicherheit und des Datenschutzes als auch der Benutzerfreundlichkeit und des Funktionsumfangs aufgreifen und die vier WhatsApp-Alternativen Telegram, Threema, TextSecure und SureSpot vorstellen.

Sicherheit?!

Seit Bekanntwerden des Verkaufs der App an Facebook haben sich viele Artikel mit dem Thema „Sichere Alternative zu WhatsApp“ befasst. Dabei wurden stets zwei technische Grundlagen genannt, die für eine wirklich sichere Kommunikation mit Messengern nötig sind. Die Wichtigste ist das Vorhandensein einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2E). Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Daten ausschließlich vom Sender und Empfänger gesehen werden und weder der App-Hersteller noch dritte Personen Zugriff auf Nachrichten, Bilder und Sprachnachrichten haben. Ausführliche Informationen zum Thema Verschlüsselung haben unter anderem die Kollegen vom Medienpädagogik Praxis-Blog zusammengetragen. Ein weiterer Faktor, der als Grundvoraussetzung sicherer mobiler Kommunikation gilt, ist das Vorliegen eines offenen Programmcodes. Dieser ermöglicht es Krypto-Experten Schwachstellen des Programms aufzudecken und die Programmierung auf mögliche „Hintertürchen“ hin zu überprüfen, die versuchen könnten eine eingebaute Verschlüsselung zu umgehen.

 

Neben dem Aspekt der Datensicherheit, der bei der Auswahl einer Messenger-App sicherlich eine große Rolle spielen sollte, müssen gerade in Hinblick auf jugendliche Nutzer weitere Faktoren in eine Bewertung einbezogen werden. Denn gerade Heranwachsende, bei denen das Verständnis um die Wichtigkeit des Schutzes persönlicher Daten oftmals weniger stark ausgeprägt ist, achten bei der Nutzung von Apps auf andere Merkmale, wie Verfügbarkeit, Kosten, Funktionen und Bedienbarkeit.

Betriebssysteme und Kosten

Ein Aspekt, der bei der Verbreitung einer App eine große Rolle spielt, ist die Verfügbarkeit für möglichst viele Smartphone-Nutzer. So läuft WhatsApp auf allen Betriebssystemen und ist damit seinen Konkurrenten einen großen Schritt voraus. Denn wenn eine App zum Beispiel nur für Android-Nutzer verfügbar ist, bleiben Freunde mit einem iPhone außen vor. Da gerade die Kommunikation in Gruppenchats sehr beliebt ist, wäre dies ein Minuspunkt. Ein weiterer Faktor, der zu dem Erfolg einer App beiträgt, sind die Kosten. WhatsApp ist im ersten Jahr der Nutzung kostenlos, erst danach fallen 0,89 € pro Jahr an. Muss für eine App bezahlt werden, ist die Nutzungsschwelle größer, gerade wenn es ähnliche kostenlose Angebote gibt. Bei vollständig kostenfreien Angeboten stellt sich allerdings die Frage, wie sich die Hersteller finanzieren, denn der Betrieb und die Weiterentwicklung einer App sind immer mit Kosten verbunden.

Funktionen

Der Funktionsumfang von WhatsApp ist groß und wird rege genutzt. So lassen sich Bilder und Videos verschicken sowie der Standort preisgeben. Des Weiteren können Sprachnachrichten versendet und Gruppenchats geführt werden. Die WhatsApp-Nutzer, die bisher von diesen Funktionen Gebrauch machen, haben sich an die Vorteile der schnellen Datenübermittlung und der Gruppengespräche gewöhnt und verlangen diese ebenso in möglichen Alternativangeboten. Besonders unter Heranwachsenden sind beispielsweise Gruppenchats ein Must-have und andere Apps, die diese Funktion nicht bieten, werden nur schwer Fuß fassen können.

 

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die bisher genannten Aspekte und stellt WhatsApp den vier in diesem Artikel einbezogenen Alternativen gegenüber.

Fazit

Keine der hier vorgestellten WhatsApp-Alternativen kann uneingeschränkt als Nachfolger des Messengers empfohlen werden. Jede App bietet Vor- und Nachteile, die der Nutzer für sich abwägen muss. Wenn besonderer Wert auf hohe Sicherheit gelegt wird, muss die Entscheidung anders ausfallen, als wenn eine komfortable, funktionsreiche App gewünscht ist.

 

Telegram kommt sowohl im Design, als auch im Funktionsumfang WhatsApp am nächsten, allerdings findet eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur im separat einstellbaren „Secret Chat“ statt, der sich nicht jedem Nutzer automatisch erschließt. Bestimmte Teile des Quellcodes sind offen, womit eine Überprüfung der sicherheitsrelevanten Angaben nur bedingt möglich ist. Ein weiterer Nachteil ist, dass die App momentan nicht auf Deutsch, sondern nur auf Englisch, Spanisch und Arabisch verfügbar ist. Nutzer, die diese Sprachen nicht gut beherrschen, könnten gerade bei den Einstellungsoptionen Schwierigkeiten haben.

 

Threema könnte durch seinen Funktionsumfang und die vom Hersteller versprochenen Sicherheitsmaßnahmen als beste Alternative zu WhatsApp gelten. Allerdings wird von Fachleuten immer wieder bemängelt, dass der nicht offengelegte Quellcode Hintertürchen enthalten könnte und der App somit per se keine vollständige Sicherheit attestiert werden kann.

 

TextSecure und SureSpot gelten durch die vorhandene E2E-Verschlüsselung und den quelloffenen Programmcode als sicher. Allerdings sind der Funktionsumfang und die Bedienbarkeit beider Messenger nicht mit dem anderer Alternativen gleichzusetzen. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil von TextSecure ist, dass die App momentan nur für Android angeboten wird. Eine großflächige Verbreitung und damit Nutzung wird dadurch sehr stark erschwert. Nutzer von SureSpot müssen sich darauf einstellen, dass die App nur bis zu 1000 Nachrichten speichert und ältere Nachrichten automatisch gelöscht werden.

 

Und nun?

100%ige Sicherheit, reichhaltiger Funktionsumfang und einfache Bedienbarkeit werden momentan in keiner WhatsApp-Alternative vereinheitlicht. Aus diesem Grund ist es wichtig, Heranwachsende über die Funktionsweise der Messenger aufzuklären und sie für die Wichtigkeit des Datenschutzes zu sensibilisieren. Denn nur medienkompetente Nutzerinnen und Nutzer können sich im digitalen Alltag selbstbestimmt und sicher bewegen.

 

Um das Thema Smartphones und Apps im Unterricht aufzugreifen, bieten u.a. die Unterrichtsmodule Nicht ohne mein Handy 1 und Nicht ohne mein Handy 2 nützliche Informationen.

 

Das Landesmedienzentrum (LMZ) bietet darüber hinaus Informationsveranstaltungen für Eltern und Lehrkräfte sowie Schüler-Workshops zum Thema Apps an. Bei Interesse können Sie sich an die medienpädagogische Beratungsstelle des LMZ wenden.

 

Nähere Informationen zum TextSecure-Messenger bieten folgende Artikel:

TextSecure – Crypto-Held oder weiterer Blindgänger? Teil1

TextSecure – Crypto-Messenger mit Verbesserungspotenzial Teil2

Außerschulische Pädagogik, Datenschutz, Eltern, Lehrkräfte, Smartphone / Tablet

Maximilian, 13.05.2014 um 08:02
Wie man auch auf http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2014-02/29543374-internationaler-boom-fuer-whatsapp-alternativen-threema-und-telegram-016.htm nachlesen konnte, haben sich einige für Alternativen entschieden, allerdings sollte jedem Nutzer klar sein, dass kein Messenger eine absolute Sicherheit der eigenen Daten bieten kann auch nicht wird.
ralf, 27.05.2014 um 16:05
myenigma stellt auch noch eine Alternative dar. E2E Verschlüsselung, kostenfrei und für ios und android geeignet
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