MediaCulture-Online Blog

27.02.2014 | Magdalena Steiner

Tablet & Schule – ein Projekt des Landesmedienzentrums

Bild: Thomas Herbst/LMZ

Mobile Geräte sind unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Bereits heute werden mehr mobile Geräte verkauft als stationäre Geräte. Und die Tablets werden diese Entwicklung noch deutlich beschleunigen. So verwundert es nicht, dass immer mehr Schulen prüfen, ob auch für sie ein Tablet das geeignete Gerät für mediengestütztes Lernen sein könnte. In diese Prüfung dürfen aber nicht nur die technischen Möglichkeiten eingehen – vielmehr gilt es, ein pädagogisches Konzept zu erstellen, das die sinnvolle Einbindung der Tablets ins unterrichtliche Geschehen in den Blick nimmt. Ein Medienentwicklungsplan ist daher das geeignete Instrument, um die technischen Möglichkeiten und die finanziellen Rahmenbedingungen mit den pädagogischen Erfordernissen und Zielen in Einklang zu bringen. Genau diesen Prozess begleiten die medienpädagogischen Berater und die Schulnetzberater in den Kreismedienzentren.


Um diesen Kolleginnen und Kollegen fundierte Erkenntnisse und geeignete pädagogische Konzepte für einen mediengestützten Unterricht an die Hand zu geben, führt das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) in Kooperation mit dem Stadtmedienzentrum Stuttgart (SMZ) ein neues Projekt durch: Tablet & Schule. Der Projektleiter am LMZ, Thomas Herbst, und der Leiter des Stadtmedienzentrums Stuttgart, Johannes Gienger, gaben dazu am 12. Februar 2014 im Stuttgarter Schickhardt-Gymnasium den Startschuss.

 

Das Projekt Tablet & Schule ist ein landesweites Projekt: Neben dem Schickhardt-Gymnasium sind noch zwei weitere Schulen, eine Grundschule in Heidenheim und eine Realschule in Ravensburg, an dem Versuch beteiligt. Sie werden zwei Jahre lang Windows-8-Tablets im Schulunterricht einsetzen. Jede beteiligte Lehrperson und alle Schülerinnen und Schüler der Versuchsklassen bekommen hierfür vom LMZ / SMZ ein eigenes Tablet zur Verfügung gestellt, mit dem sie für die Dauer des Projektes arbeiten dürfen. Im Unterricht haben diese mobilen Geräte Internetzugang über das schulische WLAN, sodass im Bedarfsfall auf das Internet oder eine schulische Lernplattform mit all den z. B. vom Landesmedienzentrum über SESAM bereitgestellten Medien zugegriffen werden kann.

Kick-Off-Veranstaltung am Schickhardt-Gymnasium Stuttgart

Bild: Thomas Herbst/LMZ

An diesem ersten Tag des Projekts im Schickhardt-Gymnasium wurden die Lehrkräfte der Klassenstufe 9, die Schulleitung und die Netzwerkbetreuer in die Tablet-Nutzung grundlegend eingeführt. Auch zwei Schülermedienmentoren nahmen daran teil, um künftig andere Jugendliche im Umgang mit den Geräten unterstützen zu können.


Edwin Bartels, der Schulleiter des Gymnasiums, sagte beim Start des Projekts, dass für die  Schule damit ein neuer Abschnitt des Lehrens und Lernens beginne. Die Neugier auf Möglichkeiten und Grenzen dieser Technik sei bei den Lehrkräften und ihm selbst geweckt und er rechne mit Begeisterung einerseits, aber auch mit größeren Herausforderungen. Er selber habe eine „äußerst positive Einstellung zu dem Projekt“ und wolle von Beginn an „dabeisein“.


Christian Biermann und Tobias Mundel, beide Mitarbeiter am LMZ, die die Schickhardt-Schule über zwei Jahre hinweg begleiten werden, erläuterten die Funktionsweise der Geräte und verschiedene Handhabungsmöglichkeiten.

Pädagogisches Grundkonzept

Das LMZ schließt mit jeder der drei Projektschulen eine Kooperationsvereinbarung zum Projekt ab. Das Projekt soll im Optimalfall mit einer über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg konstanten Lehrergruppe an den Schulen durchgeführt werden. Diese Gruppen werden vom LMZ kontinuierlich betreut und beratend unterstützt.


Zunächst lernen die Lehrenden jeweils selbst die Vorteile und Einsatzmöglichkeiten des Tablets kennen und entwickeln dann Ideen für den Einsatz im Unterricht. Diese Ideen werden mit Begleitung und Unterstützung von Seiten des LMZ zu konkreten Unterrichtsinhalten fortentwickelt und entsprechend aufbereitet. Gleichzeitig werden die Rahmenbedingungen für den Unterrichtseinsatz definiert. Eine Dokumentation der Projektphase von Seiten der Lehrkräfte und des LMZ gibt abschließend Aufschluss über gelungene, jedoch auch über nachzubessernde Elemente und liefert für weitere Tablet-Projekte entscheidende Hinweise und Impulse.

Der Rahmenplan

Der Rahmenplan des Tablet-Projekts umfasst insgesamt drei Phasen: In der ersten Phase sollen die Lehrkräfte die Geräte für sich als Werkzeug erproben und auch im häuslichen Umfeld selber entdecken und erkunden. Dabei gilt es, Vor- und unter Umständen auch Nachteile zu identifizieren, die das Gerät aufweist. Im zweiten Schritt entwickeln die Lehrkräfte, durch die eigene Erkundung des Geräts inspiriert, Ideen für einen möglichen Einsatz des Tablets im Unterricht und treffen erste elektronische Unterrichtsvorbereitungen. Als letzter Schritt wird ein Raum mit einem zentralen Server eingerichtet, über den die Geräte in der Schule gemanagt werden. Die Geräte werden hierbei in die jeweilige pädagogische Musterlösung des Landes (paedML) eingebunden und sind somit für einen vielfältigen Einsatz im Unterricht gerüstet.

Das Kennenlernen der Geräte

Windows-8-Tablet im Kachelmodus; Bild: Thomas Herbst/LMZ

Beim Kick-Off-Workshop im Schickhardt-Gymnasium sahen sich die LMZ-Mitarbeiter einem recht heterogenen Teilnehmerkreis im Hinblick auf Kenntnisse zum Tablet-Gebrauch gegenüber. Daher wurde Schritt für Schritt vorgegangen und das Tablet zunächst von außen vorgezeigt.

 

Nach dem ersten Einschalten wurden die Teilnehmenden direkt mit den zwei möglichen Darstellungsmodi, dem traditionellen Desktop- und dem modernen Kachelmodus, vertraut gemacht . Ein Wechsel zwischen den beiden Oberflächen ist problemlos per Klick bzw. Wischen möglich. Folglich kann bei der Arbeit mit nur einem Gerät sowohl auf die gewohnten Desktop-Anwendungen und Office-Programme wie Windows, PowerPoint oder auch Excel und Outlook als auch auf die Windows-Apps parallel zugegriffen werden – eine Tatsache, die auch für die Schule die Einsatzmöglichkeiten des Tablets erheblich erweitert. Der Kachelmodus ist insgesamt sehr gut mit den Fingern bedienbar, für die Bedienung des Desktopmodus ist eine Tastatur empfehlenswert.

App OneNote; Bild: Thomas Herbst/LMZ

Um momentan Apps beziehen zu können, muss der Nutzer sich zunächst über das Internet bei Microsoft anmelden, dann können sie aus dem Windows-Store heruntergeladen und installiert werden. Für die Schulen werden aber alternative Möglichkeiten getestet, damit die Schüler sich nicht mit ihrem eigenen Namen anmelden müssen. So werden die Apps bezogen, ohne dass ein individuelles Microsoft-Konto eingerichtet wird. Im Workshop wurden die Teilnehmer aufgefordert, z. B. folgende für die Arbeit im Unterricht hilfreiche Apps zu installieren und zu testen: GeoGebra, Meine Lernkarten und die App One Note, die es erlaubt, das Tablet als eine Art Notizblock zu nutzen.

 

Die Teilnehmenden wurden außerdem mit weiteren Funktionen des Tablets vertraut gemacht: Das Hinterlegen eines Profilbilds mit Hilfe der eingebauten Kamera, das Einschalten des Geräts per Fingerabdruck, den Tastaturgebrauch, die Bedienung der Kacheloberfläche, die Suchfunktion, die bei der Worteingabe auf der Kacheloberfläche automatisch geöffnet wird, die Zoom-Funktion via Doppelklick und die zusätzliche Menüstruktur.

 

Eine nachmittägliche Einführung in One Note rundete den Tag ab, der für alle Teilnehmenden insgesamt sehr lehr- und aufschlussreich gewesen war und bereits erste Ideen und Impulse für einen Einsatz des Tablets im Unterricht geweckt hat.

Ausblick und Transfer

Die in diesen drei Projekten gewonnenen Erkenntnisse in pädagogischer und technischer Hinsicht, aber auch Fragen des Supportes werden vom LMZ direkt in das landesweite Beratersystem eingespeist, sodass die Berater an den Kreismedienzentren umfassende Informationen zum sinnvollen und pädagogisch gewinnbringenden Einsatz dieser neuen mobilen Geräte erhalten, die sie dann landesweit an Schulen, Lehrkräfte, aber auch Schulträger weitergeben können.

Interviews mit Beteiligten des Projektes (Februar 2014)

Thomas Herbst, Referatsleiter, Referat Aus-/Fortbildung, im Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, beantwortet Fragen zum Projekt Tablet & Schule am Schickhardt Gymnasium in Stuttgart in Verbindung mit dem Landesprojekt, das zwei weitere Schulen umfasst.    
Johannes Gienger, Leiter des Stadtmedienzentrums Stuttgart, und am Projekt teilnehmender Lehrer (2 Unterrichtsstunden Geschichte), berichtet über seine Motive, Absichten und Erwartungen.    
Edwin Bartels, Schulleiter des Schickhardt-Gymnasiums, formuliert seine Hoffnungen mit Blick auf die Entwicklung des Projektes an seiner Schule.     

Medienberichte aus dem Unterricht

Dass Laptop- und Tablet-PC-Projekte immer noch (leider) etwas Besonderes darstellen, zeigt das Interesse der Medien an solchen Projekten.

 

Der SWR, die Stuttgarter Zeitung, die Süddeutsche Zeitung und das Evangelische Kirchenfernsehen haben am Geschichtsunterricht der zehnten Klasse am Schickhardt-Gymnasium in Stuttgart teilgenommen. Die Berichte dokumentieren den Verlauf des Projektes und zeigen auch die Schwierigkeiten auf.

Das evangelische Kirchenfernsehen zu Gast am Schickhardt-Gymnasium: Interviews mit Schüler / -innen und Lehrern. Der Ausschnitt aus einem längeren Beitrag vermittelt Eindrücke von den spannenden Anfängen des Projekts. Das zentrale Anliegen des Projekts – so die Aussage – sind die bessere Motivation und die bessere Vermittlung von Inhalten.     

Alle Informationen zum Projekt Tablet & Schule bei MediaCulture-Online

Interview, Lehrkräfte, Sekundarstufe, Smartphone / Tablet, Werkstattbericht Tablet & Schule

Anja Schröder, 13.05.2014 um 15:30
Schleichwerbung für schlechtes Tablet aus dem Hause Microsoft!!! Peinlich für eine öffentliche Institution, die für die Bildung von SchülerInnen und Lehrkräften Millionen erhält.
Ingrid Bounin, 15.05.2014 um 09:23
In Baden-Württemberg werden zur Zeit einige Tablet-Projekte durchgeführt, bisher vor allem mit Apple-Technologie. Das LMZ hat sich nun entschlossen, auch Tabletprojekte mit Windows-Technologie durchzuführen - nicht zuletzt weil die Windowstechnologie nach wie vor in Schulen weit verbreitet ist und das LMZ mit der paedML Windows eine seit langem bewährte Netzwerklösung anbietet. Über diese Projekte berichten wir immer wieder, um Schulen aktuelle Informationen mit Erfahrungen aus der Praxis zur Verfügung zu stellen. So auch in diesem Fall.
Diese Berichte beinhalten immer alle verfügbaren Informationen – also selbstverständlich auch den jeweiligen Gerätetyp. Diese Information ist gerade bei Tablets sehr wichtig, da die dahinter liegende Technologie oft entscheidende Auswirkungen auf die jeweilige Vorgehensweise hat und für die Schulen als Entscheidungsgrundlage für eigene Vorhaben dienen kann.
Dr. Mirjam-Kerstin Holl, 22.09.2014 um 13:47
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir, mein Kollege und ich, bauen am Karls-Gymnasium Stuttgart eine Film-AG auf. Wäre es möglich, für die 6-8 Teilnehmer Tablets zu bekommen? Wir bräuchten die eine oder andere v.a. technische Unterstützung.
Viele Grüße! Mirjam-K. Holl
Laura Schröder, 23.09.2014 um 19:02
Sehr geehrte Frau Dr. Holl,

Laptops für Ihre schulische AG können Sie am Stadtmedienzentrum Stuttgart kostenlos bekommen, weitere Informationen finden Sie hier: http://www.lmz-bw.de/landesmedienzentrum/medienzentren/stadtmedienzentrum-stuttgart-am-lmz/medien-und-geraeteverleih.html oder Sie wenden sich direkt an Hans-Jürgen Stelzer, Telefon: 0711 2850-726.

Tipps und Anregungen für die medienpraktische Arbeit mit Film finden Sie hier bei MediaCulture-Online: http://www.lmz-bw.de/medienbildung/medienpraxis/video-trickfilm.html - Ansprechpartner für die Filmbildung ist Constantin Schnell, Telefon: 0711 2850-787.

Viel Spaß und beste Grüße!
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